Kreuzberg

Corona: Wie bereiten sich die Rhöner Skihütten-Betreiber vor?

Jagertee, heiße Suppe, Stimmungslieder und dampfende Kleidung - so kennt man die Atmosphäre in Skihütten. Das Bild gerät angesichts von Corona in diesem Winter ins Wanken. Nachdem sich im Frühjahr 2020 zahlreiche Urlauber in den österreichischen Skigebieten mit dem Coronavirus infiziert hatten, steht der Wintersport unter besonderer Beobachtung. Dabei ist das Skifahren selbst nicht das Thema, hier befindet man sich an der frischen Luft und kann ausreichend Abstand wahren, problematisch sind vor allem die mit dem Wintersport verbundenen größeren Ansammlungen, wie eben in Skihütten. Auch in der Rhön, wo die Dimensionen sicherlich anders sind als in den großen Skigebieten, sind die Hüttenwirte bereits dabei, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Wie die Rhöner Skiliftbetreiber, so hoffen auch sie, dass viele in diesem Winter Urlaub im eigenen Land machen und davon die Rhön profitieren kann. Wenn - natürlich - genug Schnee fällt.

Hoffnung auf viel Schnee

Die Familie Schäfer betreibt das Arnsbergstüberl an der Talstation des A1-Doppelliftes und den Arnsbergimbiss am dortigen Parkplatz. "Wir tun alles Notwendige, damit sich die Kunden sicher fühlen können", betont Andreas Schäfer.  Sein Hygienekonzept steht. Der Arnsbergimbiss soll in jedem Fall öffnen, beim Stüberl ist es noch ungewiss. Da aufgrund der Abstandsregeln die für innen zugelassene Personenzahl recht gering ausfallen dürfte, kann es sein, dass sich die Schäfers auf den Außenbetrieb beschränken. "Wir machen, was möglich ist." Am gewohnten Essen- und Getränke-Angebot werde gewiss festgehalten. 

Trotz der diesjährigen Einschränkungen freuen sich Ute und Andreas Schäfer auf die kommende Saison. Sie sind seit über 20 Jahren auf dem Arnsberg präsent, vor ihnen führte ein Onkel den Familienbetrieb. Den beiden Oberweißenbrunnern gefällt ihr Arbeitsplatz mitten in der Natur und vor allem der Umgang mit den Kunden. "Die Menschen hier sind ausgeglichen, zufrieden, freundlich und haben Spaß am Wintersport", so Andreas Schäfer. "Es entwickeln sich oft schöne Gespräche." Vor allem aber hoffen er und seine Frau auf viel Schnee. Im letzten Winter hatten sie aufgrund von Schneemangel keinen einzigen Tag öffnen können.

"Wir würden unsere Gäste sehr vermissen."
Lilo Degand von der Lumumba-Hütte am Arnsberg

Am Arnsberg gibt es noch eine dritte Gastwirtschaft, die Lumumba-Hütte an der Talstation des A2-Doppelliftes. Deren Betreiber sind seit fast 50 Jahren Lilo und Erich Degand. "Wir überlegen noch hin und her, was wir machen", so Lilo Degand, eine gebürtige Frankenheimerin, die jetzt mit ihrem Mann in Bad Bocklet lebt. "Wir haben schon vor zu öffnen, werden uns aber zunächst ausführlich beim Gesundheitsamt informieren und dann entscheiden, was wir machen." Sicher ist schon jetzt: Der Innenbereich der Hütte, der etwa 50 Personen umfassen kann, wird geschlossen bleiben. Wenn überhaupt, wird es nur eine Außenbewirtschaftung geben. "Die Entscheidung fällt uns sehr, sehr schwer. Wir wollen kein Risiko eingehen." Es wäre der erste Winter, in dem die Tür der Hütte zu bleibt. "Wir waren jedes Jahr oben, auch bei schlechtem Wetter. Wir würden unsere Kunden sehr vermissen - und sie uns auch", so Lilo Degand bekümmert. "Aber da müssen wir jetzt durch."

Ausreichend Tische im Außenbereich

Die Märchenwiesenhütte auf der Wasserkuppe hat Sommer wie Winter geöffnet. Und das soll auch die kommenden Monate so bleiben, erklärt Florian Heitmann, Betriebsleiter der Ski- und Rodelarena Wasserkuppe. Es herrscht Maskenpflicht. Darüber hinaus gelten die üblichen Abstands- und Sicherheitsregeln. "Überall da, wo man näher zusammenkommen kann, müssen Vorkehrungen getroffen werden." Heitmann geht davon aus, dass sich viele Besucher lieber vor der Hütte aufhalten wollen. Für diese werden ausreichend Tische aufgestellt. Auch wird man in diesem Jahr auf Schirme und Heizpilze zurückgreifen. In der Hütte selbst, in die normalerweise rund 300 Personen Platz finden, wurden die Tische weiter auseinandergestellt. "Dieses Jahr können wir selbstverständlich die Räume nicht so voll werden lassen wie sonst."

Wenig Veränderungen vom Sommer auf den Winter

Ähnlich sieht es am Kreuzberg in der Gemündener Hütte und im Gasthof Roth aus. Sie haben ebenfalls das ganze Jahr über geöffnet. Auch hier wird sich vom Sommer auf den Winter nicht viel ändern. "Wir halten ein für unseren Betrieb individuell zugeschnittenes Schutz- und Hygienekonzept vor, das stetig den behördlichen Vorgaben angepasst wird", so Verena Göpfert und Marc Trum von der Gemündener Hütte. Das gelte auch für den Übernachtungsbetrieb. Ob sie im Winter verstärkt auf Außenbewirtschaftung setzen, konnten die Beiden noch nicht genau sagen.  "Darüber kann witterungsbedingt nur sehr spontan entschieden werden. Schließlich befinden wir uns auf 850 Metern Höhe."

Auch im Gasthof Roth wird jetzt schon ein entsprechendes Hygienekonzept umgesetzt. Zehn Tische wurden aus dem Gastraum entfernt, um die Abstandsregeln einzuhalten. Hauptstandbein des Hauses ist mittlerweile das Catering, rund 180 Essen werden jeden Werktag ausgeliefert, führt Manuela Roth aus. An den Wochenenden liegt dann der Fokus auf der Gastronomie. "Unser Gastraum ist sehr groß. Er bietet ausreichend Platz. Außerdem rechne ich angesichts der letzten Erfahrungen nicht mit einem starken Winter und damit einem großen Besucheransturm", sagt sie. Womit man in diesem Corona-Winter bei einem der beiden dringlichsten Wünsche der Rhöner Tourismus-Betriebe ist: Endlich wieder mal mehr Schnee. Und der zweite ist: Gesund bleiben.


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