Bad Neustadt

Corona-Hygiene in Geschäften: Ist die Kundschaft vernünftig?

Abstand halten und warten, bis nicht mehr so viele Personen im Geschäft sind. Für die meisten Kunden sind die aktuellen Regelungen im Einzelhandel kein Problem. Foto: Stefan Kritzer

Pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche darf eine Kundin oder ein Kunde in das Geschäft eintreten, bei Geschäften mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sogar nur ein Kunde je 20 Quadratmeter. Drinnen gilt es, 1,5 Meter Abstand zu halten, selbstverständlich eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und möglichst wenig anzufassen. Was in Zeiten einer Pandemie so einfach klingt, ist im Einzelhandel teilweise schwer umsetzbar und bedarf Regelungen, die den Geschäftseignern schon mal die Stirn in Sorgenfalten legen. Wie kann im Verkaufsraum für genügend Abstand gesorgt werden, wie lassen sich Kundenströme steuern? Kann man die Kundschaft vor dem Laden warten lassen?

Geduld ist gefragt

Bei all den Einschränkungen im Einzelhandel fällt das Resümee der von dieser Redaktion befragten Geschäftstreibenden in Bezug auf das Verständnis der Kunden positiv aus. "Die Kunden sind sehr vernünftig", sagt Karin Gramlinger von Optik Meißner. Auch bei Wartezeiten vor dem Brillengeschäft gab es bislang keine Beschwerden. "Manche Kunden drehen dann einfach noch eine Runde über den Marktplatz." Bei 70 Quadratmetern Verkaufsfläche lassen die Gramlingers lediglich drei Kunden gleichzeitig ins Geschäft. Plus Begleitperson, falls anwesend.

Zwar dürften sie mehr Kundschaft einlassen, aber das wollen sie nicht. Die in die Länge gezogene Verkaufsfläche macht sonst das Abstandhalten schwierig. "Auch zu unserem eigenen Schutz achten wir sehr auf Abstand", sagt Karin Gramlinger, die obendrein seit Corona viel mehr zu tun hat als zuvor, was Desinfektion von Brillen, Tischen, Stühlen und Gerätschaften anbelangt.  "Es wurde noch nie so viel gewischt und gewienert", sagt sie.

Einkaufskorb zum Kundenzählen

Um nicht die zulässige Zahl an Kunden zu überschreiben, gibt es jeweils einen Einkaufskorb im Pop-Up-Adventsladen in der Hohnstraße. Ein Einkaufskorb für jeden Besucher. Sind alle Körbe im Adventsladen unterwegs, muss die nächste Kundin, der nächste Kunde draußen warten, bis wieder ein Korb und somit Platz im Laden frei ist.

Bei Juwelier Meißner am Marktplatz dürfen lediglich sechs Kunden gleichzeitig ins Geschäft eintreten. Da der Verkaufsraum lediglich 60 Quadratmeter misst und zwei Mitarbeiter stets dort vertreten sind, bleibt nicht mehr viel Spielraum für eine größere Kundschaft. "Das klappt aber trotzdem sehr gut", sagt Inhaber Ralf Hecker. "Ich habe auch schon mehrfach erlebt, dass Kunden draußen ein paar Minuten warten, bis wieder Platz im Geschäft ist", sagt er. "Und das ohne Murren!", so Hecker. Für ihn stellt sich allerdings die Frage, was beim Besuch einer größeren Familie passieren soll. Dann könnte der Juwelier in Sachen Personenregelung an seine Grenzen stoßen.

Mehr Platz im Schuhaus Dietz

Mehr Platz hat das Schuhhaus Dietz in seinen Verkaufsräumlichkeiten in der Hohnstraße. Schuhe gibt es dort auf 160 Quadratmetern Verkaufsfläche verteilt auf zwei Stockwerke. "Unsere vier Mitarbeiterinnen eingerechnet reicht das für uns völlig aus", sagt Inhaber Peter Dietz. Zwölf Kundinnen und Kunden können gleichzeitig das Geschäft betreten, so viel Platz bietet sich im Innern. "Mit der neuen Regelung haben wir so keine Probleme", so Dietz. Mehr als zwölf Personen, so weiß Peter Dietz aus langjähriger Erfahrung, kommen nur selten zur gleichen Zeit in sein Schuhhaus.

Bislang galt in der Pecht Shoppingwelt ebenfalls die 10-Quadratmeter-Regelung. Ab Dezember wird die theoretische Kundenanzahl aber halbiert, wenn nur noch ein Kunde je 20 Quadratmeter Verkaufsfläche das Geschäft betreten darf. Geschäftsführer Björn Tischer sieht hier aber kein Problem auf die Shoppingwelt zukommen. Bei 7.200 Quadratmetern Verkaufsfläche – nimmt man die Bruttoverkaufsfläche mit anderen Unternehmen hinzu sind es sogar 8.300 Quadratmeter – kommt nur selten Enge auf.

Vorweihnachtlich ist die Atmosphäre in Bad Neustadt, dem Einkaufserlebnis steht nichts im Wege. Foto: Stefan Kritzer

Eigentlich, so Tischer, seit den verordneten Abstandsregelungen nicht ein einziges Mal. Ein 3-D-People-Counter zählt derzeit die Personen beim Eintreten und Verlassen der Pecht Shoppingwelt. Ist die zulässige Zahl an Kunden überschritten, könnten von Seiten der Verwaltung die Automatiktüren von außen geschlossen bleiben. Was aber in der Praxis, bei der zuletzt gültigen 10-Quadratmeter-Regelung noch nicht vorgekommen ist. "Auch bei einer Verschärfung der Regelung wird das bei uns kaum anders sein", zeigt sich Björn Tischer selbstbewusst.

Beim Angermüller Quadratmeter satt

Ob 10- oder 20-Quadratmeter je Kunde. Im Möbelhaus Angermüller ist so viel Platz, da spielt das keine Rolle, sagt Hausleiter Ralf Huppmann. "Bei 11.000 Quadratmetern Verkaufsfläche dürften wir 550 Kunden gleichzeitig reinlassen." Wobei Huppmann genau weiß, dass so viele Besucher gleichzeitig im Haus selbst an besonderen Aktionstagen, die es derzeit aber gar nicht geben darf, kaum zu erwarten sind. Auch im Möbelhaus ist ein automatisches Zählsystem am Eingang angebracht, das bislang aber noch keine Überfüllung gemeldet hat.