Burglauer

Burglauer: Braucht man in Zukunft keine Bienen mehr?

Wenn Bienen sterben, dann wird das von den Menschen kaum gesehen. Aber die Auswirkungen beispielsweise auf die Landwirtschaft sind verheerend (Symbolbild). Foto: Thomas Heynemann

Die Pressemitteilung, die auf der Homepage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) veröffentlicht wird, liest sich eigentlich sehr positiv. Dort steht vermerkt, dass das Bundeskabinett am 8. Juli die "Zukunftskommission Landwirtschaft" eingesetzt hat. Die Geschäftsstelle wird dabei laut dem Schreiben beim Bundeslandwirtschaftsministerium angesiedelt.

Dort heißt es weiter, dass die Einsetzung der Kommission das wesentliche Ergebnis des Agrargipfels gewesen sei, zu dem rund 40 landwirtschaftliche Verbände eingeladen worden seien. Ziel der Zukunftskommission sei es, die bestehenden Zielkonflikte aufzulösen. Diese bestehen nach Ansicht des BMEL darin, einen gangbaren Weg zwischen einer wirtschaftlich tragfähigen Lebensmittelproduktion sowie dem Klima- und Umweltschutz zu schaffen. Explizit ist erwähnt: "Es geht auch darum, die Vorstellungen derer, die unsere Mittel zum Leben verantworten, zu hören und zu nutzen". Die Mitglieder der Zukunftskommission kommen aus der Landwirtschaft, der Wissenschaft, dem Umwelt- und Tierschutz sowie aus der Wirtschaft. Und auch von Verbraucherseite sind Vertreter entsandt.

Liest man die Pressemitteilung, so kann man entnehmen, dass dort auch die Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend sowie der Präsident des Zentralverbands Gartenbau vertreten sind. Also wurden alle relevanten Organisationen berücksichtig und es herrscht "Friede, Freude, Eierkuchen"? Dem ist beileibe nicht so. Denn eine wichtige Organisation wurde vergessen. In der Pressemitteilung werden die Imker mit keinem Wort erwähnt.

Berufs- und Erwerbsimker sind stinksauer

Annette Seehaus-Arnold, die Präsidentin des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker Bund e. V. (DBIB) aus Burglauer und ihre Kollegen sind deshalb stinksauer. Und das aus gutem Grund. "Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier (nach Rind und Schwein, Anmerkung der Redaktion) und der Mehrertrag in der Landwirtschaft durch die Biene beträgt im Jahr zwei Milliarden Euro", erläutert die Imkerin. "Während des Höhepunkts der Corona-Krise hat es sogar geheißen, dass wir Imker systemrelevant sind. Aber bei der Zukunftskommission sind wir nicht dabei? Wer soll sich dann für einen umfassenden Bienenschutz einsetzen?", fragt sich Seehaus-Arnold.

Hat man die Gruppe der Imker vielleicht nur vergessen? Das verneint die Präsidentin des DBIB entschieden. So habe man im März die Bundesministerin Julia Klöckner in einem Schreiben die Mitarbeit für eine zukunftsfähige, bienenfreundliche Landwirtschaft angeboten. Das Antwortschreiben war allerdings mehr als unverbindlich. "Ich möchte Ihnen versichern, dass Frau Bundesministerin Klöckner bienenfreundliche Maßnahmen auch weiterhin sehr wichtig sind", heißt es dort nichtssagend. Man wolle zwar die Interessen der Imkerinnen und Imker im Rahmen der Zukunftskommission Landwirtschaft angemessen berücksichtigen. Das scheint aber kein ausreichender Grund gewesen zu sein, Imkervertreter in die Zukunftskommission zu berufen.

Will das Ministerium Konflikte vermeiden?

"Geht es hier um die Beseitigung von Zielkonflikten?" Diese Frage stellt die Präsidentin des DBIB in den Raum. Schließlich seien in der Zukunftskommission auch Vertreter des Industrieverbands Agrar und vom Bundesverband der Pflanzenzüchter vertreten. Und dass die Spritzmittel für die Bienen oft unverträglich seien, sei ein offenes Geheimnis, meint Seehaus-Arnold. Trotz anders lautender Beteuerung der Spritzmittelindustrie. 

"Natürlich sind wir gut vernetzt, beispielsweise mit dem Bund Naturschutz und Greenpeace. Aber es ist dennoch wichtig, dass wir in der Zukunftskommission Landwirtschaft dabei sind", so die Imkerin. "Wir sind ein Teil der Landwirtschaft. Wir sind nicht gegen die Bauern und Landwirte, im Gegenteil. Wir wollen ihnen nichts wegnehmen. Wir wollen aber einen verlässlich funktionierenden Bienenschutz", sagt Seehaus-Arnold. Dies sei ein Geben und ein Nehmen. Denn auch für die Landwirte sind die Bienen wichtig, die bei vielen Nutzpflanzen die Bestäubung übernehmen.

"Fingerabdruck der Region"

Die Bienen seien laut der Imkerin auch so etwas wie Indikator-Tiere: "Alles, was an Schadstoffen im Bienenvolk gefunden wird, findet man später im Grundwasser". Ein Bienenvolk sei somit der "Fingerabdruck der Region", der auch die Schwächen in der Landwirtschaft aufzeigt. Dies ist nur einer der Gründe, warum die Präsidentin des DBIB glaubt, dass es mehr als ein Versehen ist, dass man keinen Platz in der Zukunftskommission hat. "Wir brauchen eine Agrarwende", meint sie. Und die könne man nur herbeiführen, wenn sich im landwirtschaftlichen Bereich grundsätzlich etwas ändert. Dies könne aber nur im Dialog geschehen. Und wenn die Imker zu bestimmten Problematiken nicht gehört werden, ändere sich in diesem Bereich nichts, so Seehaus-Arnold.

Sie und ihre Berufs- und Erwerbsimkerkollegen kämpfen auf jeden Fall weiter, einen Platz in der Zukunftskommission zu bekommen. Denn eines ist sicher: Ohne Bienen geht es nicht, auch in der modernen Landwirtschaft.