Wegfurt

Baumsterben macht nun vor keiner Art mehr Halt

Viele Waldbäume geben derzeit ein jammervolles Bild ab. Mit gezielten Maßnahmen wollen die Waldbesitzer in der Zukunft der fortschreitenden Klimaveränderung entgegentreten. Bei der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossen in Wegfurt wurden hierzu von Revierförster mögliche Maßnahm... Foto: Manfred Zirkelbach

Die Themen, mit welchen sich Forstleute, Jäger und Jagdgenossen seit einigen Jahren immer wieder befassen müssen, heißen Klimaveränderung, Abschussquoten für Wild und vor allem auch der Waldumbau. Das war auch in diesem Jahr bei der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossen in Wegfurt nicht anders. Coronabedingt fand die Versammlung nunmehr im Herbst statt, die geräumige Geisfürsthalle der DJK garantierte die Einhaltung der geltenden Abstandsregelung.

Die Wegfurter Jagdgenossen halten immer engen Kontakt. Und zwar sowohl mit den beiden Jagdpächtern Helga von Garrel und Rolf Hobbie, wenn es um jagdliche Angelegenheiten geht, aber auch besonders mit der Stadt Bischofsheim im Hinblick auf Pflegemaßnahmen in Wald und Feld, versicherte der Vorsitzende der Jagdgenossen Benjamin Lenhard zu Beginn der Versammlung. Einen Energieholzhacker haben sich die Jagdgenossen zugelegt, um verschiedene Arbeiten aus eigener Kraft stemmen zu können, begann er seine Aufführungen. Weiterhin mussten in verschiedenen Waldabteilungen Zäunungen vorgenommen werden.

Kassenstand ist ausgeglichen

Den letztjährigen Wildabschuss bezifferte Lenhard mit 19 Stück Rotwild, 31 Rehen, 26 Stück Schwarzwild, elf Waschbären und sieben Füchsen. Die Interessengemeinschaft Wege und Pflege war bei drei Freischneideeinsätzen zugange, wobei 50 Arbeitsstunden angefallen sind. Für das kommende Jahr werde es vor allem darum gehen, die Kernwege Richtung Schönau und Unterweißenbrunn (alte Straße) ordentlich auszubessern, dazu werden wieder Freischneidearbeiten an verschieden Wegen notwendig werden. 

Einen ausgeglichenen Kassenstand präsentierte Edwin Keidel. Seine Arbeit wurde von Kassenprüfer Ralf Ihde gelobt, die Entlastung des Kassiers erfolgte daraufhin einstimmig. Die Abschussplanung ist für die Jagdgenossen, aber auch für die Jäger selbst eine unendliche Geschichte. Der Bestand an Rotwild sei einfach zu hoch, eine Erhöhung der Abschüsse sei nach wie vor geboten, machte Lenhard deutlich. Deshalb habe sich auch ein Arbeitskreis Rotwild mit Vertretern der Jagdgenossenschaften und Fachleuten gebildet. Die daraus gebildete Projektgruppe wurde mit der Erstellung einer Expertise beauftragt.

Abschusszahlen sind nicht hinnehmbar

Auch für die Jagdpächter sind die Abschusszahlen so nicht hinnehmbar. Für 29 Reviere des Rotwildhegerings sei der Abschuss von 105 Stück Rotwild vorgesehen, das seien gerade mal 3,6 Stück pro Revier, sagte dazu Helga von Garrel. Sie plädierte für einen eigenen Abschussplan pro Revier. Die beiden Jagdpächter wiesen allerdings auch darauf hin, dass das Wild während ihrer Ästungszeiten auf freien Flächen oftmals gestört wird und sich daraufhin in ihren Unterstände zurückzögen. Dies würde dann vermehrt zu erhöhtem Verbiss an jungen Trieben führen, weshalb sie zu mehr Rücksicht für die Bedürfnisse des Wildes bei Wanderern und Radfahrern mahnten.

Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert bedankte sich bei den Wegfurter Jagdgenossen für ihr beispielhaftes Engagement. Die Stadt werde ihren Verpflichtungen gegenüber den Jagdgenossen auch weiterhin gern nachkommen. 

Wald-Klimapark entsteht in Hohenroth

Die Sorgen der Waldbesitzer und der Forstleute verdeutlichte Revierförster Michael Heinrich in seinem Kurzreferat über die Zukunftsfähigkeit des Waldes. Hitze, Trockenheit, Schädlinge, Baumkrankheiten, das alles mache den Wäldern in der ganzen Region große Probleme. Das durch Schädlinge befallene Holz müsse schnellstens aus den Wäldern geholt und vermarktet werden. Die Holzpreise seien dazu vollkommen auf einen Mindestpreis gefallen, sodass derzeit kein Gewinn mehr erzielt werden könne. Bereits jetzt sei der für den Klimawandel prognostizierte Temperaturanstieg nahezu erreicht. Das Baumsterben mache inzwischen vor keiner Baumart Halt, nach Nadelhölzern seien nun auch die bisher als resistent eingestuften Eichen und Buchen von den veränderten Witterungsbedingungen betroffen.

Ein Waldumbau mit alternativen Baumarten müsse ins Auge gefasst werden. In Hohenroth entstünde hierzu derzeit ein Wald-Klimapark, in welchem rund 50 Baumarten auf ihre Verträglichkeit für ein verändertes Klima getestet würden. Bei Aufforstungen, Verjüngungsaktionen, Neuanpflanzungen stehe er gerne als Ratgeber zur Verfügung, auch Fördermöglichkeiten könnten mit ihm besprochen werden.

Auch in diesem Jahr wird der Jagdschilling in Wegfurt nicht ausgezahlt, der Beschluss wurde einstimmig gefasst. Der Reinertag wurde per Beschlüssen festgesetzt. Die IG Wege und Pflege erhält auch in diesem Jahr für ihre Pflegemaßnahmen 4000 Euro, hinzu kommt der Zuschuss der Stadt Bischofsheim. Die Böllerschützen erhalten für eine Verschönerungsmaßnahme den Betrag von 200 Euro, die Katholische Pfarrbücherei 350 Euro. Die Bürgerliste Wegfurt erhält für ihre Kosten zur Kommunalwahl 2020 einen Betrag von 600 Euro und die Katholische Kirchenstiftung 2000 Euro für die Innenrenovierung der Wegfurter Pfarrkirche. Der Restbetrag wird dem Konto Rücklagen zugeführt.