Bad Neustadt

Bad Neustadt: Wo es früher Wurst und Kohlen gab, ist heute eine Drogerie

Blick in die Spörleinstraße: Am linken Bildrand ist die damalige Hypobank zu erkennen. Daneben befand sich das Haushaltsgeschäft Sebastian Schmitt und daneben wiederum das Café Borst. Das Bild stammt etwa von Ende der 50er Jahre. Foto: Repro Wolfgang Kitscha

Wie war die wirtschaftliche Situation in den Jahren 1953 bis 1955 in Bad Neustadt?  Welche Geschäfte, welche Gaststätten gab es? Wolfgang Kitscha wuchs in der Storchengasse auf und schildert seine Erlebnisse und Erinnerungen aus Sicht eines Sechs- bis Achtjährigen. Unterstützend zur Seite stand ihm dabei Harry Rauch. Nachdem diese Redaktion seine Beschreibungen über die Storchen- und Bauerngasse sowie die Hohnstraße veröffentlicht hat, folgt nun Wolfgang Kitschas persönlicher Blick auf den Marktplatz: 

Am Marktplatz reihte sich ein Geschäft an das andere. Zuerst war da das Uhrengeschäft Wollbach, dann die Geschäfte Gardinen-Forster und Betten-Tampe. Es folgten der Gasthof Kirchner, die Firma Berninger und Spielzeug Wolf. Bei der Firma Voitländer (jetzt Buchhandlung Rupprecht) konnte man alles für den Haushalt kaufen. Daran schloss sich Süßwaren-Gerhard an. Die hatten eine riesige Schüssel voller Bonbons vor ihrer Eingangstüre stehen, die natürlich für uns Kinder besonders anziehend war. Dann folgten noch die Metzgerei Fehrer (Brändle) und Kohlen-Voll (jetzt Drogerie Müller). Auto-Kuhn und das Schreibwarengeschäft Raab waren weitere Geschäfte in diesem Bereich.

Kindergarten und Schule in der Schuhmarktstraße

Die Vill'sche Stiftung ist heute noch ein Seniorenheim. In der Schuhmarktstraße waren zudem der Kindergarten und die Volksschule (Roter Backsteinbau) untergebracht. Für mich war auch das Friseurgeschäft Rauch wichtig, wo ich mir regelmäßig die Haare schneiden ließ. Direkt gegenüber der Vill´schen lag die Weinstube Dörr, wo man einen gepflegten Schoppen trinken konnte und die erst in diesem Jahr im neuen Ambiente wieder eröffnete.

Dieses Klassenbild entstand im Jahr 1954 im Bildhäuser Hof. Es zeigt unseren Klassenlehrer, Herrn Oberlehrer Schmähling. Dazu meine damaligen Klassenkameraden Karl-Heinz Schmähling, Klaus-Dieter Steinmetzer, Gunter Heynemann, Werner Straub, Hubert Olszowi, Egon Dauer, Abdon Firsching, Hansjürgen Garstka, Max Gröschel, Franz-Jochen Krug, Bernd Menninger, Gerhard Mölter, Bernhard Straub, Karl-Heinz Then, Harald Wehner, Hans Wolf, Rudolf Wurst, Rudolf Lux, Hans-Jürgen Legat und Herbert Zwierlein, um hier nur einige zu nennen. Foto: Repro Wolfgang Kitscha

Wenn wir einmal neue Schuhe brauchten, was selten vorkam, kauften wir diese bei Schuh-Walk. Gerne erinnere ich mich an die Salamander-Heftchen und die Abenteuergeschichten mit Lurchi. Weiter ging es mit den Geschäften am oberen Marktplatz mit den Firmen Farben Möller  und Wein Siegl. Das Modehaus Stöckl  war sogar mit zwei Geschäften vertreten. In einem davon konnten die aktuellen Brautmoden gekauft werden. Aber auch Lebensmittelgeschäfte wie Kupsch und Reisenweber waren rund um den Marktplatz für ihre Kunden da.

Würzburger Hofbräu im Gasthaus Stahl

Gleich gegenüber der Apotheke Zeisner, die auch heute noch sehr präsent ist,  befand sich das Gasthaus Stahl, das Würzburger Hofbräu-Bier ausschenkte. Optiker Meißner und die Hypobank hatten ihr Geschäft ebenfalls auf dieser Seite des Marktplatzes. Den Abschluss bildete dann die Firma Sebastian Schmitt mit ihrem umfangreichen Porzellan und Hausratsangebot. Das Café Borst schloss auf der Spörleinstraße daran an.

Foto-Kram und Pelz-Krug, das Mariandl,  Elektro-Marschall und Papier-Schmitt waren die weiteren Geschäfte, die mir aus dieser Zeit noch in diesem Bereich in Erinnerung sind. Es folgten auf dieser Seite Firmen wie Reininger, Blumen Oppelt (was es auch heute noch gibt), die Firma Heinlein, das Friseurgeschäft Hartl, das kleine Lebensmittelgeschäft Zehe und Lederwaren Hippeli.

Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich der Fränkische Hof, die Metzgerei Firsching und die Weinstube Köberlein. Nach dem Rathaus ging es weiter mit dem  heute noch bestehenden Uhren- und Schmuckgeschäft Schaidacher und den Modegeschäften Beck und Münz. Dann an der Ecke Zwiebelgasse folgten die Sparkasse und das ebenfalls noch existente Uhren- und Schmuckgeschäft Witzel. Gleich daneben befand sich das Lebensmittelgeschäft Konsum, einer der ersten Selbstbedienungsläden. Hier waren wir immer ganz verrückt auf die Rabattmarken. Für ein volles Heft bekam man immerhin 1,50 DM  –  viel Geld für die damalige Zeit.

Ein Blick in die Roßmarktstraße

Auch die Roßmarktstraße darf auf keinen Fall vergessen werden. Die Rathschenke, als gut bürgerliches Speiselokal, die noch heute hier zu findende Marien-Apotheke, die Metzgerei Kopp und die Druckerei Rötter (Herausgeber der Rhön- und Saalepost), waren hier zu finden und natürlich das Fachgeschäft der Anni Feulner, wo es alle Arten von Fisch gab.

Die Wäscherei Ullmer entwickelte sich hier in dieser Zeit zu einem immer größeren Unternehmen. Auch der erste Selbstbedienungsladen in Bad Neustadt hatte mit der Firma Wehner in der Roßmarktstraße seine Premiere.

Das sind beileibe nicht alle Geschäfte, die Bad Neustadt in dieser Zeit in der Mitte der fünfziger Jahre zu bieten hatte. Ich habe versucht, meine Kindheitserinnerungen aus dieser Zeit, so gut es ging, aufs Papier zu bringen.