Bad Neustadt

Bad Neustadt: Die Stadt will alle Bürger mit ins Boot holen

Blicken auf das Jahr 2020 zurück: das neue Führungsduo der Stadt Bad Neustadt, Bürgermeister Michael Werner (links) und Geschäftsleiter Christoph Neubauer. Foto: Christian Hüther

"Durchweg spannend" - so lautet in aller Kürze die Antwort von Bad Neustadts Bürgermeister Michael Werner auf die Frage, welches Fazit er im Hinblick auf das abgelaufene Jahr 2020 zieht. Seit ziemlich genau sieben Monaten steht der Nachfolger von Altbürgermeister Bruno Altrichter als Stadtoberhaupt in der Verantwortung der Kurstadt. "Ich bin hochzufrieden, die Kollegen haben mich toll aufgenommen und es macht - auch persönlich - Spaß, mit Christoph Neubauer Schulter an Schulter zu kämpfen", bilanziert Werner.

Der Bürgermeister spricht damit indirekt einen weiteren Wechsel an, der für die Stadt eine Zäsur bedeutete. Nach 33 Jahren Tätigkeit verabschiedete sich im Sommer Geschäftsleiter Michael Weiß in den Ruhestand. Dessen Nachfolger Christoph Neubauer, früher unter anderem im Tourismus tätig, komplettierte damit die neue Doppelspitze für Bad Neustadt. 

Kommunalwahlen als erste Herausforderung

Im Gegensatz zum neuen Bürgermeister kann Neubauer auf das komplette Jahr zurückblicken. Er lernte in den ersten Monaten gemeinsam mit Weiß seinen neuen Arbeitsplatz kennen. Die Kommunalwahlen seien die erste große Herausforderung gewesen. Zudem sei die Zeit, als die Leitungsstelle des Ordnungsamtes nach dem überraschenden Abschied von Fabian Helmerich vakant war, laut Neubauer "schon ein bisschen eine Durststrecke gewesen".

Eine gänzlich neue Zeit begann dann sowohl für den neuen Geschäftsleiter, als auch für die gesamten Rathausmitarbeiter im Mai, als Michael Werner offiziell die Geschicke der Stadt leitete. "Da mussten wir für uns festmachen, wie geht es jetzt weiter, welche Sprache wählen wir nach außen", beschreibt Christoph Neubauer die Anfangszeit der Zusammenarbeit. "Ich denke, wir haben es geschafft, einen Stil zu finden, der uns beiden gerecht wird", führt er fort. 

Transparenz statt schwelende Gerüchte

Ins gleiche Horn stößt auch Werner selbst. Es sei in Sachen Transparenz und Kommunikation wichtig und auch das persönliche Ziel, dass alle Bürger mitgenommen werden. "Es ist viel anstrengender, mit einem schwelenden Gerücht, das zur Halbwahrheit wird, aufzuräumen", so der Bürgermeister. Bei verschiedenen Projekten, beispielsweise die Diskussion über eine neue Verkehrsführung an der unfallträchtigen Brückenstraße, habe man den Bürgern die Möglichkeit gegeben, selbst Verbesserungsvorschläge einzureichen, ergänzt Christoph Neubauer. Letztlich müsse dann die Verwaltung prüfen, was auch unter Einhaltung der rechtlichen Gegebenheiten umsetzbar sei. 

Allgemein sei man für jede Mitteilung der Bevölkerung dankbar. "Wir können sie nur dann wahrnehmen, wenn wir sie auch wissen", sagt Neubauer ganz pragmatisch und spricht in diesem Zusammenhang auch die Aktion der Herzenswünsche an, die die Stadt in der Vorweihnachtszeit ins Leben rief. Neben allgemeinen Wünschen gab es demnach einige Rückmeldungen, wie Bad Neustadt noch lebendiger und besser werden könne und über deren mögliche Umsetzung man nun nachdenken werde.

Ärger über anonyme Schreiben

Das gilt nicht für anonyme Schreiben, die zuletzt vermehrt auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters gelandet sind und in denen beispielsweise Nachbarn angeschwärzt worden sind. "Das ärgert mich maßlos und diese Nachrichten werden ohne Angaben des Namens auch nicht bearbeitet", stellt Michael Werner klar.

Dass allgemein die Distanz zwischen dem Bürger und der Verwaltung herausgenommen und der Bürgerdialog verstärkt werden muss, darüber ist sich das neue Bad Neustädter Führungsduo einig. Die Verwaltungsarbeit habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. "Das ist eine große Herausforderung, die vor uns liegt", sagen sie, sehen sich aber nach den ersten Monaten auf einem guten Weg. "In viele Köpfe muss dieser Wandel erst noch hinein, dass die Verwaltung sowohl Dienstleister ist und serviceorientiert arbeiten muss", so Christoph Neubauer. 

Digitalisierung als eine Herausforderung

Eine Herausforderung stellt auch das digitale Zeitalter dar, welches im Rathaus zuletzt beispielsweise mit der Möglichkeit, mit der EC-Karte im Bürgerservice bezahlen zu können, Einzug gehalten hat. "Das sind so kleine Sachen, die aber aufgrund von vielen Vorgaben zunächst intern abgeklärt werden müssen und auch mal etwas länger dauern", erklärt Michael Werner. Auch für ihn selbst sei das eine Umstellung im Vergleich zu seiner früheren Anstellung in der freien Wirtschaft. Dass die Digitalisierung in der Zukunft weiter vorangetrieben werden muss und in diesem Bereich Aufholbedarf besteht, dessen sind sich beide bewusst.  

Bewusst sind sie sich auch der Tatsache, dass die Corona-Pandemie in diesem Jahr so einige Pläne durchkreuzt hat, unter anderem, einen pro Quartal geplanten Unternehmerstammtisch abzuhalten oder die neuen Stadträte näher kennen zu lernen und so das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Gremiums voranzutreiben. "Der Stadtrat hat sich noch nicht gefunden, das ist wohl kein Geheimnis", gibt der Bürgermeister unumwunden zu.

Wegkommen vom Stadtteildenken

Ein im Herbst geplanter Teambildungstermin, um die Stadträte laut Werner "auch einmal aus der Reserve zu locken", losgelöst von den Fraktionen und den eigenen Zwängen, musste coronabedingt entfallen. Wichtig sei es, dass die Stadträte wegkommen von einem Stadtteildenken, hin zu einem Blick auf das große Ganze. "Das ist dem Stadtrat aber auch bewusst", weiß Christoph Neubauer.

Was dem Bürgermeister selbst aufgrund der Corona-Beschränkungen nach eigenen Angaben fehlt, ist das Kennenlernen "von den Menschen, die Bad Neustadt lebenswert machen". Mit den Ehrenamtlichen nach offiziellen Terminen einmal ungezwungen ins Gespräch zu kommen, darauf freut sich Michael Werner in der Zukunft.

Ein spaßiger 80. Geburtstag bei der Gräfin

Dann soll es mehr von solchen Erlebnissen geben, wie beispielsweise der Geburtstagsbesuch bei der Gräfin von und zu Guttenberg auf der Salzburg, an den sich der Bürgermeister in diesem Jahr mit Freude zurückerinnert. "Sie meinte zu mir, dass dies wohl mein erster Besuch bei ihr auf der Salzburg sei. Ihr war aber entfallen, dass ich damals noch als Installateur dort einen Boiler gewechselt habe", erzählt er mit einem Lachen im Gesicht. Das seien so kleine Momente, die es ausmachen und Spaß machen würden in der täglichen Arbeit. 

Und die tägliche Arbeit dürfte in der kommenden Zeit auch nicht gerade weniger werden. "Wir haben beispielsweise Herausforderungen vor uns durch die Übernahme der Heilquellen und der damit verbundenen Entwicklung", prognostiziert Bad Neustadts Bürgermeister. Er freue sich allgemein gemeinsam mit seinen Mitstreitern darauf, die Stadt mit zu formen und zu gestalten.