Unsleben

Auch in Dürrezeiten ist Hochwasser in Unsleben ein Thema

Auch wenn man es nicht glauben mag, das Thema Hochwasser wird immer brisanter, weshalb sich die Gemeinde Unsleben Gedanken zur Einführung eines neuen Meldesystems macht. Foto: Eckhard Heise

Da mag vielleicht der ein oder andere die Stirn runzeln, wenn sich angesichts der aktuellen Dürre und der heißen Temperaturen der Gemeinderat von Unsleben mit Hochwasser beschäftigt. Doch bei der jüngsten Zusammenkunft setzten sich die Mandatsträger ausgiebig mit dem Thema auseinander. Außerdem waren noch zwei Fachleute zu Gast, die die Problematik des Vorkommnisses beleuchteten.

Bei der Sitzung war jedoch nur Simon Mengen, Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt, persönlich anwesend, während Dipl.-Ing. Hans Junginger nur virtuell per Videokonferenz zugeschaltet war. In ihren Ausführungen ging es darum, ein neues Hochwasserinformationssystem vorzustellen, das die aktuellen Erscheinungen berücksichtigt. Bürgermeister Michael Gottwald schilderte, dass die Hochwassertore der Gemeinde in den ersten 20 Jahren nach dem Bau um 1984 herum seiner Erinnerung nach nur einmal geschlossen worden seien. In den vergangenen Jahren habe sich diese Schutzvorkehrung deutlich gehäuft.

Mittlerweile mehr kurzer, massiver Niederschlag

Die beiden Fachleute bestätigten diese Beobachtung, gingen aber davon aus, dass diese Schutzvorrichtungen gegen die Bedrohungen von heutzutage nicht mehr viel ausrichten könnten. Während sich in der Vergangenheit Hochwasser auf Grund von langanhaltendem Regen langsam aufbaute, treten heutzutage verstärkt kurze massive Niederschlagsereignisse auf, die Sturzfluten auslösen, auf die gar nicht reagiert werden kann, weil sie sich in kürzester Zeit bilden.

Der Freistaat ist nun daran gegangen, ein Meldesystem aufzubauen, das in der Lage ist, solche Erscheinungen schon im Entstehen zu erkennen und so die Zeit zu verschaffen, die notwendig ist, um entsprechend reagieren zu können. Beispielsweise werden in Oberläufen von Streu und Elsbach Messpunkte eingerichtet, die die Pegelstände laufend registrieren und für jedermann abrufbar seien. Die Messungen werden außerdem mit meteorologischen Daten verknüpft, so dass präzise Voraussagen möglich seien.

In einem zweiten Schritt könnten außerdem Aussagen über die Zuverlässigkeit und Notwendigkeit von Schutzvorkehrungen gemacht werden, woraus sich wiederum bauliche Veränderungen ableiten ließen.

Einführung nicht gerade günstig

Die Einführung ist aber nicht ganz billig, rund 90 000 Euro soll das System kosten. Das Ganze wird aber durch eine Förderung unterstützt, so dass Unsleben einen Anteil von etwa 25 Prozent tragen müsste. Da das Programm noch längere Zeit läuft, wollen sich die Gemeinderäte in Ruhe überlegen, ob die Investition vorgenommen werden soll.

Mehr sputen muss sich die Gemeinde jedoch bei der Beschaffung von Bauland. Das Oberhaupt teilte dazu mit, dass er gerade das letzte freie Baugrundstück verkauft habe. Da aber nach wie vor Nachfrage herrsche, müssen nun alle Möglichkeiten abgeklopft werden, entsprechende Wünsche zu erfüllen. Sein Blick richtet sich dabei nicht nur auf das Entwicklungsgebiet "Unsleben Nord", sondern auch auf Baulücken im Ort.

Wohnbauprojekt mit nachhaltigem Energiekonzept

Sehr gelegen komme ihm daher auch das Wohnbauprojekt in der Jahnstraße, für das sich zwei Investoren interessieren. Dem Gremium lag dazu bereits ein Entwurf aus einer Mischform von verdichteter Bebauung und Einzelhäusern vor, der außerdem konsequent auf einem nachhaltigen Energiekonzept beruht. Bei der Zusammenkunft beschlossen die Räte, dafür den Bebauungsplan entsprechend anzupassen.

Das Thema der nachhaltigen Energiegewinnung stand auch bei einem weiterem Tagesordnungspunkt im Zentrum. So gibt es Überlegungen, östlich der Biogasanlage auf Kirchen- und Gemeindegrund eine 4,5 Hektar große Freiflächen-Photovoltaikanlage zu errichten. Finanziert werden könnte das Vorhaben durch die Gemeinde, einen Investor und durch Bürgeranteile über die Dorfleben Genossenschaft.

Die Volksvertreter fanden die Idee äußerst sympathisch, vor allem weil die Dorflebengenossenschaft, die auch das Gasthaus Krone trägt, durch die Ausschüttung finanziell entlastet werden würde. Der Bürgermeister erhielt daher den Auftrag, die Planung voranzutreiben und die genehmigungsrechtlichen Schritte einzuleiten.

Weg zur Biogasanlage wird im Dorf diskutiert

Ein im Dorf heftig diskutiertes Vorhaben ist der Bau eines Wegs zur Biogasanlage. In Vorbereitung befinde sich der Kauf der Grundstücke, berichtete der Bürgermeister. Die Finanzierung der 1,1 Millionen Euro für das Projekt sei jedoch das schwierigste Thema, weshalb die Idee für eine Satzung entstanden sei, die die Beiträge der Anlieger regelt. Größter Wert werde dabei auf eine gerechte Lösung gelegt, die von allen Beteiligten getragen wird, formulierte Gottwald. Die Verwaltung soll eine entsprechende Satzung ausarbeiten, beschlossen die Räte.

In diesem Zusammenhang informierte der Bürgermeister über ein Anschreiben an die Agrokraft als Betreiber der Biogasanlage. In dem Brief bezieht sich die Gemeinde auf eine Beschwerde über den Verkehr zur Anlage und Verschmutzungen im Dorf. Die Gemeinde bot dabei ihre Mithilfe an, wie dem Anliegen der Bevölkerung Rechnung getragen werden kann.