Bad Neustadt

Landrat Habermann: Wer und was bei der Krisen-Bewältigung hilft

Bei der Eröffnung der Corona-Teststation in Heustreu: Landrat Thomas Habermann (Mitte) mit Alexander Klamt vom BRK und dem Verbindungsoffizier der Bundeswehr. Foto: Christian Hüther

"Liebe Mitbürgerinnen und liebe Mitbürger, unser Leben und unser Zusammenleben ist derzeit geprägt von der COVID-19 Pandemie. Wir haben alle mit besonderen Belastungen und vielfältigen Einschränkungen zu leben. Die Sorge um die Menschen in der Familie, in unserem Umfeld und vielleicht auch um uns selbst treibt uns um. Dies passt so gar nicht zum beginnenden Frühling und zum bevorstehenden Osterfest. Gerade diese Zeit ist normalerweise geprägt von vermehrten Aktivitäten, von zunehmendem Optimismus und von vielen gemeinsamen Begegnungen in der Familie und darüber hinaus.

Auf der ganzen Welt, in Bayern und auch im Landkreis Rhön-Grabfeld arbeiten viele Menschen mit ganzer Kraft daran, die durch das Coronavirus bestehende Gefahr für Gesundheit und Leben mit maximalem Einsatz zu bekämpfen. Je schneller wir die gesundheitliche Problematik steuern und in den Griff bekommen, umso geringer werden auch die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen sein.

Information und Kommunikation enorm wichtig

Besonders wichtig sind in diesen Tagen auch Information und Kommunikation. Ich wollte Ihnen deshalb vor den Ostertagen als Verantwortlicher im Katastrophenfall über die verschiedenen Anstrengungen und Bemühungen im Landkreis Rhön-Grabfeld im Überblick berichten", betont Landrat Habermann (siehe Infobox).

Bis Mittwoch (Stand: 8. April, 14.45 Uhr) wurden durch Tests 104 Infektionsfälle bei Bürgern aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld bestätigt. 24 Personen davon sind als genesen klassifiziert, so Habermann zum aktuellen Stand. Fünf Personen befinden sich demnach aktuell in stationärer Behandlung. Bisher ist kein Todesopfer zu beklagen. 263 Personen standen bislang unter häuslicher Quarantäne, 178 befinden sich noch in häuslicher Quarantäne.

Gut für das Gesundheitssystem: Maßnahmen zeigen Wirkung

"Wie erhofft, zeigen die veranlassten Maßnahmen Wirkung. Die Entwicklung der bestätigten Infektionen verläuft bislang zwar stetig steigend, ist aber für die Akteure im Gesundheitssystem noch abzuarbeiten. Inzwischen steigt auch die Zahl der genesenen Mitbürgerinnen und Mitbürger erfreulicherweise an. Die tatsächliche Infektionsrate der Infizierten wird wohl erst durch Antikörpertests festgestellt werden", zeigt sich Habermann überzeugt.

Wer macht was? - Diese Frage beantwortet die Behörde folgendermaßen: Landrat und Landratsamt haben die Gesamtkoordination des Katastrophenfalls inne. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) koordiniert operativ die Krisenbewältigung mit Meldungen an die übergeordneten Behörden, der jeweils aktuellen Lagebeurteilung und der Kommunikation mit den Beteiligten. Ein Krisenstab als Erweiterung der FüGK um externe Akteure (Rhön-Klinikum, Arztpraxen, Rettungsdienste, Polizei, Bundeswehr, THW, Feuerwehr, Schulamt, Öffentlichkeitsarbeit) tagt bislang jeden zweiten Tag. Das Rhön-Klinikum ist Covid19-Schwerpunktklinik, zusammen mit Leopoldina- und St. Josefs-Krankenhaus in der Region Main-Rhön; es hält größtmögliche Kapazitäten zur Patientenaufnahme frei.

BRK und Malteser in erhöhter Alarmbereitschaft

Die Arztpraxen und die Ambulanten Pflegedienste im Landkreis halten die ambulante Versorgung aufrecht. Die Arztpraxen veranlassen, neben dem Gesundheitsamt, Corona-Testungen ihrer Patientinnen und Patienten nach definierten Vorgaben. Das BRK und der Malteser Hilfsdienst stehen unter erhöhter Alarmbereitschaft. Sie unterstützen die Corona-Teststation in Heustreu, haben beim Aufbau von ehrenamtlichen Einkaufsdiensten (https://www.rhoen-grabfeld.de/Landkreis/Ehrenamt) geholfen und unterstützt die Logistik-Kette. Das Technische Hilfswerk verteilt die medizinischen Versorgungsgüter. Die Bundeswehr wirkt dabei mit und sichert den Teststützpunkt in Heustreu. 

Die Freiwillige Feuerwehr unterstützt einerseits das THW und  fertigt Schutzvisiere für medizinisches Personal; darüberhinaus nähen viele Ehrenamtliche Gesichtsmasken.  Die Polizei fährt vermehrt Streife, kontrolliert Sicherheit und Ordnung zum Schutz der Bevölkerung, vor allem bei den Ausgangsbeschränkungen. Die Kirchen kümmern sich um Seelsorge und Betreuung der Menschen in schwierigen Situationen, zum Beispiel bei den Bestattungen. Das Schulamt sichert die Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche, die medizinische Gesamtkoordination liegt in Händen des Gesundheitsamts.

Habermann: Hüten Sie sich vor Fake News!

Landrat Thomas Habermann weiß, dass diese Informationen natürlich nicht vollständig sind. Er bittet deshalb, dass sich die Bevölkerung zusätzlich über die Homepage des Landkreises sowie über die Homepages der verschiedenen Ministerien in Bayern und in Deutschland und über die Presseberichterstattung informieren. Besonders wichtig ist ihm: "Hüten Sie sich vor Fake News. Social Media sind keine verlässliche Nachrichtenquelle!" Er bittet bei allen Unternehmungen über die Feiertage auf die Einhaltung einer möglichst großen Distanz zum Anderen zu achten. Das sei der beste Schutz vor Infektion.

"Trotz Corona-Krise oder gerade deshalb wünsche ich Ihnen harmonische Stunden mit allen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus. Telefonieren Sie, skypen Sie und schicken Sie sich Nachrichten über E-Mail oder wieder mal durch einen Brief. Achten Sie ganz besonders auf unsere alten Mitmenschen. Wir lassen sie nicht allein. Halten Sie körperliche Distanz, aber pflegen Sie eine emotionale Nähe mehr denn je."

Sein besonderer Dank gilt allen Menschen, die sich in ihrem Beruf und im Ehrenamt in diesen schweren Tagen und Wochen mit aller Kraft in vorbildlicher Art und Weise für ihre Mitmenschen einbringen. "Ihnen allen ist zu verdanken, dass wir die Krise bislang so gut bewältigt haben. Der Versuch bei dieser Information einzelnen Berufs- oder Ehrenamtsgruppen in gebotener Art und Weise zu danken, würde fehlschlagen, so groß ist das vorbildliche Engagement aller. Jede und jeder einzelne möge sich von meinem Dank angesprochen fühlen. Trotz oder gerade wegen der Corona-Krise wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!", schließt Thomas Habermann.

Chronologie der Corona-Krise in Rhön-Grabfeld
02.03.: Einberufung des Krisenstabes Corona am Landratsamt Rhön- Grabfeld; seither regelmäßige Sitzungen bis heute. Beginn der Öffentlichkeitsarbeit.
11.03.: Allgemeinverfügung des BayStMGP: Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern;
12.03: Landratsamt Rhön-Grabfeld erlässt erste Veranstaltungsverbote mit weniger Teilnehmern;
13.03.: Allgemeinverfügung des BayStMGP: Einschränkung der Besuchsrechte für Krankenhäuser, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie Allgemeinverfügung des BayStMGP zu Schul- und Kindergartenschließungen und der Möglichkeit von Betreuungsangeboten;
14.03.: Bürgermeisterdienstbesprechung: Information und Abstimmung; 16.03.: Feststellung des Katastrophenfalls für Bayern; rechtsverbindliche Regelungen durch die Bayerische Staatsregierung (Veranstaltungsverbote, Betriebsuntersagungen); Einrichtung der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) im Landratsamt, täglichen Lagebesprechungen und -meldungen;
17.03.: Einrichtung einer Bürgertelefon-Hotline 09771-94800 und einer aktuellen Info auf www.rhoen-grabfeld.de mit permanenten Statusupdates;
18.03.: Umstellung auf Ferienfahrplan im ÖPNV;
20.03.: Aufbau eines Drive-through-Zeltes für Testungen am Festgelände in Heustreu;
22.03.: Beginn der Koordination der Ausgabe von Schutzausstattung durch die FüGK in Absprache mit dem THW;
23.03.: Landrat nimmt Lagebesprechung in der Staatskanzlei in München teil; 23.03.: Tag- und Nachtbesetzung der FüGK am Landratsamt;
24.03.: bauliche und funktionale Überprüfung des ehemaligen Kreiskrankenhauses durch Bauamt und Bundeswehr;
26.03.: Beteiligung am Pflegepool Bayern zur Mobilisierung zusätzlicher Pflegekräfte im Notfall; 27.03.: die ersten beiden Infektionsfälle können als „genesen“ eingestuft werden;
30.03.: Aktivierung der zentralen Teststation in Heustreu;
31.03.: Landrat ernennt Versorgungsarzt zur Koordinierung der Arztpraxen;
01.04.: Kreistag beschließt, eine Summe von 1 Million Euro für die Abmilderungen der Auswirkungen der Corona-Krise zur Verfügung zu stellen;
02.04.: Kardiologische Reha-Klinik am Rhön-Klinikum Campus wird unter Quarantäne gestellt; inzwischen keine Patienten mehr in dieser Klinik;
07.04.: Wertstoffhof öffnet wieder;
08.04.: bislang 151 Ordnungswidrigkeiten der Polizei beim Landratsamt gemeldet; 110 Bußgeldbescheide wurden bisher wegen Verstoßes gegen die Ausgangssperre erlassen; bis heute laufende Beratung im Landratsamt für die wirtschaftlichen Soforthilfeprogramme für Unternehmen der Bundesrepublik und des Freistaates: foerderung@rhoen-grabfeld.de | 09771-94242.