Bad Neustadt

Gastronomie in Krisen-Zeiten: Abholservice nur  Tropfen auf heißen Stein

Der historische Gasthof "Schwarzer Adler" aus Alsleben ist das älteste Gebäude im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen. Es wird auf das Jahr 1684 datiert. Foto: Archiv Hanns Friedrich

Das Sterben der Dorfwirtschaften signalisiert deutlich, dass die Gastronomie ein mühseliges und meist nicht gerade lukratives Geschäft ist. Und jetzt auch noch die Corona-Krise. Die ersten Betriebe haben schon kapituliert , andere haben sich ihrem Schicksal ergeben und vorübergehend geschlossen, andere behelfen sich mit Liefer- und Abholservice. Das ergab eine Umfrage bei Betrieben im Landkreis.

Für den Fladunger Marco Hepp ginge im "Schwarzen Adler" mit der Öffnung des Fladunger Freilandmuseums im Frühjahr die Saison normalerweise erst richtig los. Jetzt ist weder seine Gastwirtschaft noch das Museum in Betrieb, so bietet der Pächter der Museums-Gaststätte wenigstens sonntags einen Abholservice an. "Das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein". Viel verspreche er sich nicht von dem Angebot, so stehe er auch allein in der Küche und habe seine Angestellten weitgehend in die Kurzarbeit geschickt.

Hepp: Die Gäste fehlen generell

Bei der Gelegenheit macht er seinem Herzen Luft und klagt darüber, dass die hiesige Gastronomie, aber auch andere kleine gewerbliche Einrichtungen und Dienstleistungen nicht genug Wertschätzung erfahren. Der Niedergang der Wirtshäuser hänge generell mit fehlenden Gästen und damit Ausbleiben vom Umsatz zusammen. "Die Preise sind für viele noch zu hoch, obgleich sie tatsächlich sehr niedrig sind", sagt Hepp. Daher könne auch Personal nicht angemessen bezahlt werden. Das führt wiederum dazu, dass keines gefunden werde. "Die Menschen müssen sich klar machen, was sie mit ihren regionalen Anbietern besitzen", so Hepps Credo.  

Mit dem Ziel, im Bewusstsein – vor allem der Stammgäste - präsent zu bleiben, erklärt auch Sylvie Marschall den Grund für ihren Abholservice im "Fränkischen Hof" von Bad Neustadt. Das Angebot kann bei Weitem nicht den üblichen Umsatz kompensieren. Bis auf einen Koch befinde sich deshalb auch das gesamte Personal in Kurzarbeit. Das Ostergeschäft sei nicht existent und viele Kommunionfeiern abgesagt. "Es geht jetzt nur darum, mit dem Abholservice weiter für unsere Gäste da zu sein".

Nur noch Monteure im Hotel

Die Hotels in Bad Königshofen gehen etwas unterschiedliche Wege. "Die vier Jahreszeiten" hält den Hotelbetrieb – zumindest teilweise – am Laufen. "Wir haben noch Handwerker, Monteure und Geschäftsleute", berichtet Inhaberin Christine Salzinger. Touristen dürfen ja nicht mehr aufgenommen worden. Der Restaurantbetrieb sei komplett eingestellt.

Eine vollständige Schließung hat das Hotel "Ebner" vorgenommen. "Wir haben schon etwa 1000 Übernachtungen verloren", schätzt Inhaber Klaus Ebner aus Bad Königshofen. Er nutzt nach eigenen Angaben die Zeit für einige Renovierungen und hofft auf eine baldige Lockerung des Ausschankverbots, damit wenigstens ein Teil der Biergartensaison noch gerettet werden kann.

Das Restaurant "Thessaloniki" in Mellrichstadt hat sich entschlossen, ebenfalls einen Abholservice einzurichten, nachdem zahlreiche Anrufe eingegangen sind, berichtet Eleni Sari, Tochter der Betreiberfamilie Sari. Die Speisen können im Internet ausgesucht und dann telefonisch bestellt werden. "Mal sehen, wie das Angebot angenommen wird".

Schadenbegrenzung durch Bestellungen

"Schadensbegrenzung" wollen die Gastronomen durch verschiedene Aktionen betreiben. Das Archivbild zeigt Cornelia Müller, Pächterin des "Alten Brauhauses" in Bastheim. Foto: Archiv Simone Stock

Cornelia Müller, Pächterin des "Alten Brauhauses" in Bastheim will auch "Schadensbegrenzung" betreiben, wie sie es nennt. Gerade jetzt, wenn die Fahrradsaison beginnt, muss sie ihren schönen Biergarten direkt am Elsbach geschlossen halten, bedauert sie. Aber sie will wenigstens für die heimische Bevölkerung da sein und für samstags Bestellungen annehmen, die dann ab 18 Uhr abgeholt werden können. Auch für sie sei der Verlust gerade um die Osterzeit erheblich, weil viele Familienfeiern angesagt waren. Immerhin sei das Interesse an dem Bestell-Angebot groß, so dass sie hofft, dass sie ihre Gäste bei der Stange halten kann.

Natürlich konnten nicht alle gastronomischen Betriebe im Landkreis befragt werden, wie sie es mit einem Liefer- und Abholservice halten. In diesem Zusammenhang verweisen wir aber auf die Servce-Liste im Internet unter www.mpverbindet.de/wirtschaft. Dort können sich die Betreiber mit ihrem Angebot kostenlos registrieren.