Bad Neustadt

Trickbetrüger will Rhöner Unternehmerin telefonisch IBAN entlocken

Ein Trickbetrüger versuchte, am Telefon an Kontodaten einer Rhöner Unternehmerin zu kommen. Foto: Markus Büttner

Kurzarbeit. Steuerstundungen. Soforthilfe. Wie ist die kommende Auftragslage? Wie sieht die unsichere Zukunft des Unternehmens aus? Die Corona-Krise fordert derzeit auch viele Unternehmen der Region heraus. Aufgrund der verordneten „Sozialen Distanz“ muss viel Organisatorisches über das Telefon abgewickelt werden. Das bedeutet aufregende Zeiten, Chaos und viel Stress. Das Telefon steht einfach nicht still. Keine Überraschung also, dass sich in solchen Zeiten auch mal die Sparkasse bei den Unternehmern meldet. Vermeintlich.

Zwischen all den Anrufen bei Steuerberatern, Kunden und Mitarbeitern stand am letzten Mittwoch auf dem Telefon einer Rhöner Unternehmerin eine Bad Neustädter Nummer. Irgendwie kam ihr die Nummer bekannt vor. Es meldete sich ein angeblicher „Mitarbeiter der Sparkasse“.

Fehlender Rhöner Akzent macht Geschäftsfrau stutzig

Das Telefonat lief etwa so:

Anrufer: Hallo, hier ist die Sparkasse. Gut, dass wir Sie erreichen. Nichts Schlimmes. Wir haben bei uns im System einen Fehler entdeckt und müssen nun die IBAN-Nummer von manchen Kunden abklären. Haben Sie denn Ihre Nummer parat?

Unternehmerin: Von wo aus rufen Sie denn an? Aus Bad Neustadt?

Anrufer: Aus der Zentrale.

Unternehmerin: Das ist doch eine Nummer aus Bad Neustadt, oder?

Anrufer: Äh, ja. Ich rufe aus der Zentrale an.

Das kam der Unternehmerin schon verdächtig vor, weil ganz und gar „kein Rhöner Akzent in der Stimme war“ und sie normalerweise einen persönlichen Ansprechpartner bei der Sparkasse in Bad Neustadt hat.

Anrufer: Um die IBAN-Nummer abzuklären, bitte ich Sie, dass Sie Ihren persönlichen Berater bei der Bank aufsuchen, um das überprüfen zu lassen. Das machen die Kollegen gerne für Sie. Gehen Sie einfach in die nächste Filiale und lassen Sie Ihre IBAN-Nummer überprüfen. Oder wenn es bei Ihnen gerade passt, dann kann ich das auch schnell telefonisch für Sie erledigen.

Unternehmerin: Was muss ich machen?

Anrufer: Haben Sie denn Ihren TAN-Block oder Ihr TAN-Gerät für Ihr Online-Banking parat, dann erledigen wir das schnell am Telefon zusammen.

Der aufmerksamen Unternehmerin kam das alles ungewöhnlich vor und spätestens jetzt wurde ihr klar, dass es sich bei dem Anruf um einen möglichen Trickbetrüger handeln könnte.

Unternehmerin: Es tut mir leid, ich habe mein TAN-Gerät leider nicht hier, sondern Zuhause.

Anrufer: Na dann gehen Sie zu ihrer Bank. Viel Erfolg.

Ende des Gesprächs.

Masche wirkte täuschend echt

Die Unternehmerin kontaktierte umgehend die ‚richtige‘ Sparkasse. „Die Masche war in der Tat täuschend echt und vor allem die Bad Neustädter Vorwahl ließ anfangs keinen Zweifel daran, dass es sich um einen ordnungsgemäßen Anruf der Sparkasse handelte“, so die Unternehmerin. Nach Rücksprache mit ihrer persönlichen Bankberaterin in Bad Neustadt wurde deutlich, dass ein solcher Anruf ganz und gar nicht üblich ist. Nach dem Rückruf auf die ‚falsche‘ Nummer kam die Telefonansage: ‚Kein Anschluss unter dieser Nummer.‘

Die Unternehmerin gibt zu: „Gerade in solch stressigen Zeiten, in denen alles drunter und drüber geht, neigt man tatsächlich dazu, das Ganze ‚schnell am Telefon‘ zu erledigen. Das ist gefährlich.“

Sparkasse warnt vor dem Trick

Die Sparkasse in Bad Neustadt zeigte sich alarmiert und lobte das Verhalten der Unternehmerin. Pressesprecher Philipp Oeser verdeutlichte: „Die Sparkasse wird niemals ihre Kundinnen und Kunden darum bitten, auf schriftlichem, elektronischem oder telefonischem Wege Kontodaten, PIN/TAN-Legitimationen oder Geheimzahlen herauszugeben. Bei Unsicherheit und verdächtigen Anfragen sollten sich die Betroffenen über eine seriöse Kontaktmethode an die Sparkasse wenden, am besten persönlich in der Filiale vor Ort.”

Auch bei der Polizei nahm man das Thema ernst, denn schließlich „handelt es sich hierbei um eine Vorbereitung auf eine Straftat. So etwas muss unverzüglich zur Anzeige gebracht werden.“ Björn Schmitt von der Polizei-Pressestelle in Würzburg warnt weiter: „Telefonisch sollten die Bürger niemals Auskünfte über finanzielle Verhältnisse geben und niemals Kontodaten oder Sicherheitscodes wie TANs weitergeben, auch wenn die Nummer vielleicht vertrauenswürdig erscheint. Die Täter können heutzutage eine Technik nutzen, die es ermöglicht, jede beliebige Nummer am Telefon anzeigen zu lassen."

So sei zu berücksichtigen, dass die Nummer im Display nicht immer richtig sein muss. Schmitt: "Deshalb ist es enorm wichtig, bei verdächtigen Anrufen unverzüglich die Polizei zu informieren und gegebenenfalls solche Fälle direkt zur Anzeige zu bringen.“

Der mutmaßliche Trickbetrüger hatte zum Glück keinen Erfolg bei der Rhöner Unternehmerin mit seiner Masche. Dennoch sollte bei ungewöhnlichen Anrufen immer ein gesunder Menschenverstand an den Tag gelegt werden.