Bad Neustadt

Wie soll Gesundheitsversorgung in Rhön-Grabfeld gestaltet werden?

An der Podiumsdiskussion der Grünen zum Thema Pflege und Gesundheitspolitik im Landkreis Rhön-Grabfeld nahmen teil (von links) Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche, Dominik Rost (Geschäftsführer des MVZ des Landkreises), Pflegeschülerin Monique Trautmann, Hebamme Christine ... Foto: Martina Harasim

Wie gewährleistet man angesichts der demografischen Entwicklung im Landkreis eine wohnortnahe Versorgung älterer oder auf Pflege angewiesener Menschen? Wie kann die Pflege- und Gesundheitsversorgung in Rhön-Grabfeld zukunftstauglich gemacht werden?  

Gedanken über diese Fragen machten sich Kordula Schulz-Asche (Gesundheitssprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag), Dominik Rost (Geschäftsführer des MVZ des Landkreises), Monique Trautmann (Pflegeschülerin) und Christine Gröschel (Hebamme). Sie waren auf Einladung von Yatin Shah (Landratskandidat der Grünen) zu einer Podiumsdiskussion in den Bildhäuser Hof gekommen.

Kommunen haben Handlungsspielräume

Kordula Schulz-Asche ist der Ansicht, dass Kommunen durchaus Handlungsspielräume haben: "Diese Herausforderung müssen wir verorten - und zwar ganz unten in den Kommunen", sagte sie. Kommunen können die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es in den Gemeinden altersgerechte Wohnungen und Wohnquartiere gibt. Damit würde ein Umfeld geschaffen, das eine aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Konkret nannte sie Treffpunkte, die junge und ältere Bürger einer Gemeinde oder eines Stadtteils zu Fuß erreichen können . Anlaufstellen, an denen Menschen, die unter Vereinsamung leiden, Kontakte knüpfen und pflegen können. Einen Ort, an dem es professionelle Beratungsangebote und Betreuung gibt, oder auch entlastende Pflege.

Lebensqualität werde im Alter auch daran gemessen, dass man sich im Bedarfsfall auf eine gute medizinische Versorgung und Pflege verlassen kann. Das sei auf dem flachen Land nicht überall gegeben. Ein weiteres Handlungsfeld sind die hohen Kosten, wenn professionelle Pflege zum Einsatz kommt. Bündnis 90/Die Grünen, so Kordula Schulz-Asche, strebe an, dass die privat zu zahlenden Kosten für die Pflege gedeckelt werden. 

Fachkräftemangel im Gesundheitswesen

Angesprochen wurde ein weiteres Problem: der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Christine Gröschel, die als Hebamme arbeitet, sagte: "Wir könnten locker fünf Hebammen mehr gebrauchen." Die 20 Hebammen, die derzeit im Rhön-Grabfeld arbeiten, würden nicht ausreichen, all die Frauen, die darum ansuchen,  vor und nach der Geburt zu begleiten.   

Fachkräftemangel ist auch ein Thema, das Dominik Rost umtreibt. Der Geschäftsführer des MVZ mit Niederlassungen in Bad Neustadt und Bad Königshofen.  Obwohl die Statistik sagt, dass der Landkreis in vielen Bereichen ausreichend mit Ärzten versorgt sei, gebe es beispielsweise 2,5 freie Kassenarzt-Sitze für Allgemeinmedizin und 1,5 für Kinderheilkunde. Ihm bereitet auch die Demografie Sorgen: Es gebe ältere Ärzte, die gerne in den Ruhestand gehen würden, aber keinen Nachfolger für ihre Praxen finden. 

Düsteres Bild von der Arbeitsbelastung

Eine, die ihre Zukunft in der Gesundheitsbranche sieht, ist Monique Trautmann. Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Fachpflegekraft und hat große Freude an ihrem Beruf.  Sie findet es sehr erfüllend, Menschen zu begleiten und zu unterstützen. Bedauerlich findet sie, dass die Medien ein zu düsteres Bild von der Arbeitsbelastung in Pflegeberufen zeichnen. Das würde viele junge Menschen abhalten, sich für diese Berufe zu entscheiden. 

Ihrer Einschätzung stimmten viele aus der Zuhörerschaft, die offenbar in Krankenhäusern oder Seniorenheimen arbeiten, zu. Ja, die Arbeitsverdichtung und -belastung seien immens, Dienstpläne nicht verlässlich, Betten nicht belegt, weil Personal fehle, viele Missstände müssten beseitigt werden, dennoch mögen sie ihren Beruf.

Einen weiteren Aspekt der Gesundheitsversorgung im Landkreis beleuchtete Yatin Shah, der selbst Arzt ist: die Prävention. Rhön-Grabfeld, argumentierte er, sei im Programm Gesundheitsregion plus. Man könne Schwerpunkte setzen bei den Themen gesunde Ernährung, gesund leben oder Vorsorgeuntersuchungen. Ein Schritt in die richtige Richtung sei gesundes regionales Essen in Kantinen, bei der Schulverpflegung und in den Krankenhäusern.