Bad Neustadt

Schulausfall: Wie Sabine für Instagram-Klicks sorgte

Instagram als Informationsportal. Am Martin-Pollich-Gymnasium in Mellrichstadt wurden die Schülerinnen und Schüler sogar per Social Media über den Schulausfall informiert. Foto: Gerhard Fischer

Es gibt ja ganz besonders langweilige Sonntagnachmittage für Kinder im Teenager-Alter. Dieser Sonntagnachmittag war es gewiss nicht. "In Bad Kissingen fällt die Schule aus, dann bei uns doch auch!?", könnte es zwischen Bangen und Hoffen geklungen haben. So oder so ähnlich dürfte in vielen Familien des Landkreises Rhön-Grabfeld am späteren Sonntagnachmittag der Gesprächsverlauf gewesen sein.

Am Ende siegte die Hoffnung für die Schülerinnen und Schüler. Als einer der letzten Landkreise Unterfrankens wurde kurz vor 20 Uhr auch Rhön-Grabfeld in die Liste der Landkreise aufgenommen , in denen der Schulbetrieb am Montag ruhte. 

Späte Bestätigung

Zuvor waren schon längere Zeit die Landkreise Bad Kissingen und Haßberge in diesen Tabellen aufgelistet, die am Wochenende von Zehntausenden bayerischen Eltern oder ihren schulpflichtigen Kindern besucht wurden. Aber warum war der Landkreis Rhön-Grabfeld vergleichsweise so spät dran? 

Die Klassenzimmer blieben in Rhön-Grabfeld am Montag zumeist leer. Nur eine Handvoll Schüler nutzte das Angebot der Notbetreuung. Foto: DPA/Peter Endig

Schulamtsdirektor Walter Volkmuth, stellvertretender Leiter des Rhön-Grabfelder Schulamts, erklärt den Prozess der Entscheidung: "Das ist klar und eindeutig geregelt, es gibt dazu eine lokale Koordinierungsgruppe", erklärt Volkmuth. Diese bestehe aus dem Schulamtsleiter Klaus Jörg, Gerald Söder von der Abteilung Katastrophenschutz des Landratsamtes, Karsten Schilling vom Kreisbauhof und Ronald Ziegler von der Verkehrsbehörde.      

Intensiver Austausch der Fachbehörden

Diese Stellen tauschen sich intensiv aus, beratschlagen die Situation vor Ort und fällen entsprechende Entscheidungen. "Der Kreisbauhof oder die Verkehrsbehörde kennen ja die detaillierte Situation im Landkreis genau", erklärt Volkmuth.

Die Kreuzbergschule Bischofsheim informierte auch auf ihrer Internetseite über den Schulausfall. Foto: Screenshot Gerhard Fischer

Sind allerdings die Unwetterereignisse als landkreisübergreifend einzustufen, dann sei die Regierung von Unterfranken sozusagen die oberinstanzliche Meldebehörde. Davon sei man am Schulamt auch am Sonntag ausgegangen. Und deshalb wurde wohl auch Rhön-Grabfeld in die Tabelle der Schaulausfälle aufgenommen, als am Abend die Regierung von Unterfranken schulfrei für alle Schulen im Bezirk erlassen hatte.     

Meldeportale als Multiplikator

Dass viele andere Schulen in Unterfranken schon vorher bei den maßgeblichen Radiostationen wie Bayerischer Rundfunk oder Antenne Bayern gelistet waren, liegt daran, dass sich diese Schulen jeweils einzeln in das entsprechende Meldeportal eingetragen haben und dann von den Radiostationen veröffentlicht wurden.

Bis 6 Uhr morgens können sich die Schulen hier melden. Ansonsten könne kein Schulbetrieb mehr abgesagt werden, erklärt Volkmuth. "Es war auffällig, dass sich Oberbayern und Oberfranken sehr schnell komplett abgemeldet haben", so der Schulamtsdirektor.  Er hätte eigentlich am Montag zu den Kollegen nach Ebern fahren müssen. Dort stand eine Lehramtsprüfung an, die dann freilich ausfallen musste. Ärgerlich für die Prüfer, noch ärgerlicher für die Lehramtsanwärter.

Notbetreuung kaum genutzt

Nicht immer können Eltern kurzfristig eine Betreuung für ihre Kinder bei einem Schulausfall organisieren, deshalb hält jede Schule eine Not-Betreuung vor. "Wir haben jedoch kaum Rückmeldungen, dass diese Not-Betreuung genutzt wurde", so Volkmuth. Zum Beispiel wurden in Oberelsbach zwei Buben betreut. "Die Kinder haben mit Computer und Lesebuch gearbeitet, denn Lesen üben schadet nie", berichtet Doris Weidenhammer, Leiterin der Valentin-Rathgeber-Schule in Oberelsbach. Alle vier Lehrkräfte der Schule standen am Montag bereit. "Man weiß ja nicht, wie viele Kinder kommen", sagt Weidenhammer.   

"Ich zähle keinen einzigen Schüler", antwortet schmunzelnd Robert Jäger, Schulleiter des Martin-Pollich-Gymnasiums in Mellrichstadt. Er habe zwar circa zehn Lehrkräfte, die in Mellrichstadt selbst wohnen, für die Notbetreuung abgestellt, doch konnten diese schon kurz nach 8 Uhr wieder nach Hause geschickt werden. "Ich habe die Lage am Sonntagnachmittag natürlich genau verfolgt", erzählt Jäger. Die Schule nutzt für ihre Schüler und deren Eltern ein bestimmtes Elternportal für wichtige Informationen. Als Jäger dort den Schulausfall eintragen wollte, war das System wegen der massiven Zugriffe jedoch ausgefallen. "Da habe ich an den Instagram-Account der Schulleitung gedacht", so der Schuldirektor.      

Info über den MPG-Instagram-Account

Dieser wurde eigentlich eingerichtet, um über Veranstaltungen der Schule wie Konzerte oder ähnliches zu berichten. "Also habe ich auf Instagram den Schulausfall gepostet und gebeten, dass alle Kinder die Info an Schulkameraden weitergeben", erzählt der Schulleiter. In Windeseile war der Post geteilt und die Mellrichstädter Gymnasiasten waren dank neuer Social-Media-Kanäle auf dem neuesten Stand. 

Letzten Endes hat Sturmtief Sabine den Landkreis ja weitestgehend verschont. Die Hoffnung der Schülerinnen und Schüler, vielleicht noch einen weiteren Tag zuhause bleiben zu dürfen, dürfte sich nicht erfüllen. "Die Koordinierungsgruppe wird sich am Nachmittag wieder telefonisch kurzschließen", erklärte Volkmuth am Montagvormittag. Aber schon da war abzusehen, dass in Rhön-Grabfeld und in Unterfranken der Wind schon abgeflaut  ist.