Bad Neustadt

Großelterntag: So wichtig sind Oma und Opa in Rhön-Grabfeld

Für Omas und Opas gibt es am 13. Oktober den Großelterntag in Bayern. Foto: Symbolbild: Thinkstock

Die Enkel aus dem Kindergarten abholen, auf sie aufpassen, während die Eltern bei der Arbeit sind, ihnen ihre Zeit widmen und sie auch mal verwöhnen: Dafür sind oft die Großeltern zuständig. Am 13. Oktober 2019 soll in Bayern nun zum ersten Mal der Großelterntag gefeiert werden. Wie wichtig sind die Großeltern in Rhön-Grabfeld?

Wichtige Familienstrukturen

"Großeltern spielen nach wie vor eine wichtige und große Rolle", sagt Markus Till, auch in Bezug auf den ländlichen Raum. Neben der Betreuung an sich, seien sie für ihre Enkel meist ein emotionaler Anlaufpunkt, erklärt der Leiter der Erziehungsberatung der Caritas im Landkreis.

Oft sei es schwierig, wenn diese Familienstrukturen wegfallen, da sie Entlastung mit sich bringen. Zudem befänden sich Großeltern im Kontakt mit ihren Enkeln auf einer anderen Ebene als die Eltern. "Sie haben eine andere Art, mit den Kindern umzugehen", sagt Till.

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Großeltern als wertvoller Ausgleich

"Grundsätzlich halte ich das schon für sehr wichtig", sagt auch Michaela Scherer zur Beteiligung der Großeltern an der Kinderbetreuung. Die Vorsitzende des Kreisverbandes Rhön-Grabfeld des Deutschen Kinderschutzbundes sieht in der Rolle der Großeltern einen Erziehungsansatz: "Großeltern sind oft geduldiger, haben mehr Zeit. Das ist ein wertvoller Ausgleich", beschreibt sie ihre Erfahrung.

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Scherer arbeitet in einem Kindergarten. Dort erlebt sie oft, dass die Großeltern einspringen, erzählt sie. Schwierig werde es nur, wenn diese selbst noch relativ jung sind und arbeiten. Sonst übernähmen Omas und Opas regelmäßig die Abholdienste im Kindergarten: "Viele Eltern möchten einfach nicht, dass ihr Kind nur im Kindergarten ist". Ihnen sei es lieber, wenn die Kinder nach vier oder fünf Stunden Betreuung abgeholt werden und den Nachmittag mit den Großeltern verbringen. Von denen hätten viele feste Betreuungstage, die sie sich für ihre Enkel freihalten.

Leih-Oma aus der Nachbarschaft

Das alles funktioniere aber nur, wenn die Großeltern auch vor Ort leben, so Scherer. Einzelne Familien, bei denen das nicht der Fall ist, haben Hilfe außerhalb der Verwandtschaft. Das seien zum Beispiel ältere Frauen, die nebenan wohnen und quasi als Leih-Oma einspringen, erklärt Scherer. Ihres Wissens nach seien das aber Ausnahmen, die nur über Kontakte in der direkten Nachbarschaft entstehen.

Ein direktes Konzept "Leihoma" gebe es nicht, sagt auch Till. Im Einzelfall versuche die Beratungsstelle zu vermitteln. Dabei könne sie auf ein Netz aus Caritas-Paten zurückgreifen.

Einmischen in die Erziehung

Es gibt allerdings eine zweite Seite: Für Eltern sei es manchmal gar nicht einfach, wenn die Großeltern zu viel übernehmen und sich zusätzlich in die Erziehung einmischen, erklärt der Leiter der Erziehungsberatung. Das seien aber nur Spezialfälle. In der Regel gebe es durch Großeltern ein gutes Netz und gute Strukturen.

"Großeltern haben unheimliche Freude am Nachwuchs."
Markus Till, Leiter Erziehungsberatung

Scherer findet die Einführung des Großelterntags in Bayern richtig: Es sei eine Wertschätzung für die Großeltern, die so vieles leisten - sowohl für ihre Enkel, als auch für ihre Kinder. Till fühlt sich vom Großelterntag an den Muttertag erinnert. Grundsätzlich findet er es gut, wenn der Gesellschaft solche Strukturen ins Gedächtnis gerufen werden. Die Wertschöpfung solle sich aber nicht an einem einzigen Tag erschöpfen.

"Großeltern haben unheimliche Freude am Nachwuchs", beschreibt er seinen Eindruck. Für viele sei die Zeit mit den Kindern schon Belohnung genug. Sie nähmen sich bei ihren Enkeln die Zeit, die sie bei ihren Kindern nicht hatten. Gerade Opas würden da einiges nachholen.