Herbstadt

Zukunftswald: Warum Schüler Kastanien und Walnüsse säen

Die Schüler der dritten Klasse der Milzgrund-Grundschule stellten sich im Wald gemeinsam mit Lehrerin Lisa Fürst, Bürgermeister Georg Rath (Zweiter von rechts), dem Abteilungsleiter vom AELF Wilhelm Schmalen, Revierförster Bernhard Kühnel (rechts) und Bauhofmitarbeiter Thomas Böt... Foto: Regina Vossenkaul

Es ist regnerisch und kalt, aber der dritten Klasse der Milzgrund-Grundschule macht das gar nichts aus. "Bestes Saat- und Pflanzwetter", sagt Förster Bernhard Kühnel. Er hatte die Schüler mit dem Abteilungsleiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Wilhelm Schmalen, für das das Projekt "Wald der Jahresbäume" sensibilisiert.

Beobachten, wie heimische Bäume wachsen

Die Pflanzaktion fand innerhalb der "Initiative Zukunftswald Bayern 2020/22" statt. Dabei geht es darum, die verschiedenen Jahresbäume der letzten drei Jahrzehnte zu pflanzen. Auf vielen benachbarten kleinen Flächen kann so beobachtet werden, wie heimische Bäume aufwachsen und sich entwickeln. Gleichzeitig dienen die Anbauflächen der Vielfalt im Wald und erhöhen den Naturgenuss, wie es in der Projektbeschreibung heißt. Am Freitag wurden Rosskastanien, die Bäume des Jahres 2005, und Walnüsse, die Bäume des Jahre 2008, ausgesät.

Die Schüler haben im Vorfeld fleißig Kastanien und Walnüsse gesammelt. Foto: Regina Vossenkaul

Die dritte Klasse bearbeitet gerade das Thema Wald im Unterricht, wie von Lehrerin Lisa Fürst zu hören war. Im Klassenzimmer ist dazu ein Miniaturwald aufgebaut worden, das kann aber das echte Naturerlebnis nicht ersetzen. Mit Eifer haben die Kinder im Vorfeld Kastanien und Walnüsse gesammelt, die an diesem Morgen zum Einsatz kamen. Viel zu viele auf den ersten Blick für die vergleichsweise kleine Fläche von 22 Quadratmetern, aber die Natur geht ja immer verschwenderisch mit ihren Samen um.

Bürgermeister Georg Rath unterstützte die Aktion, die im Bereich Möchsholz auf der Gollmuthhäuser Gemarkung stattfindet. Ganz in der Nähe sind kürzlich die drei Feuchtbiotope entstanden. Dort, wo der Orkan "Kolle" 2017 große Lücken in dem  Eichen-Hainbuchen-Mischbestand hinterlassen hat , soll jetzt wieder ein interessanter Erholungswald entstehen. Dafür griff er selbst zur Hacke und half mit, Furchen in den Boden zu ziehen, in die die Schüler die Samen werfen konnten, um sie dann wieder mit Erde zu bedecken.

Der Wald schützt auch die Heilquellen

Das Mönchsholz ist das einzige Waldstück, das von Bad Königshofen aus per pedes gut zu erreichen ist, dient der Naherholung und gleichzeitig dem Heilquellen- und Biotopschutz. In der Nähe verläuft ein Trimm-Dich-Pfad. Verteilt über die Fläche im Mönchsholz pflanzt und sät man als Trupp-Pflanzung von 100 Stück je Art die verschiedenen Jahresbäume. Durch die Plateaulage und die nach Nordwesten geneigte Hanglage konnte den unterschiedlichen Standortansprüchen der Baumarten Rechnung getragen werden.

Die Pflanzungen wurden im Frühjahr 2018 begonnen. Infotafeln für die einzelnen Arten sollen demnächst wichtige Art- und Verwendungsmerkmale beschreiben. Die Flächengröße und die Entfernung zwischen den Flächen ermöglicht ein ungestörtes Aufwachsen der Arten. Im günstigsten Fall entsteht ein Arboretum (Waldgarten) mit der Möglichkeit, die Vitalität vieler Arten bezüglich des Klimawandel zu erforschen, interessant für Schüler, Naturliebhaber und Studenten.

Alle Hände voll und gut zu tun hatten die Schüler im Herbstädter Wald. Die Schüler haben im Vorfeld fleißig Kastanien und Walnüsse gesammelt. Foto: Regina Vossenkaul

Dazu müssen die Waldparzellen in den nächsten Jahren konsequent gepflegt werden, dies bedeutet eine Nachbesserung abgestorbener Pflanzen, eventuelle Bewässerung in langen Trockenperioden sowie konsequentes Ausgrasen und Entfernen sonstiger Gehölze. Die Gemeinde Herbstadt, die  Stadt Bad Königshofen, der Naturpark Haßberge (Beschilderung) und die Universität Würzburg (Forschung) unterstützen das Projekt.

"Wenn die jetzigen Schüler in 20 Jahren hier spazieren gehen, können sie sich daran erinnern, hier mitgearbeitet und etwas für die Vielfalt und den Erhalt des Waldes getan zu haben", sagt Revierförster Bernhard Kühnel.

In einer früheren Version stand in diesem Artikel zu lesen, dass es sich bei der Schule um die Grabfeld-Grundschule handelte. Das war ein Fehler, den wir ausgebessert haben.