Herbstadt

Trockenregion Grabfeld: Jeder Liter Wasser zählt

Bürgermeister Georg Rath (von links), Revierleiter Bernhard Kühnel und  der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks Haßberge, Lukas Bandorf, überzeugten sich von dem gelungenen Projekt. Foto: Regina Vossenkaul

Drei schöne Feuchtbiotope sind im Bereich des Gemeindewalds Herbstadt entstanden. Sie sollen die Artenvielfalt erhöhen und in trockenen Zeiten als Tränke für die Tierwelt dienen. Bürgermeister Georg Rath, Lukas Bandorf, Biologe und stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks Haßberge, sowie Revierleiter Bernhard Kühnel überzeugten sich vom Stand der Dinge und von einem, wie sie sagen, gelungenen Projekt, dessen Ausführung fast fertig ist. Ein Bagger verrichtet noch letzte Arbeiten am dritten Biotop.

In der Waldabteilung Mönchsholz hinter dem Trimm-Dich-Parcours in der Nähe der Rothöhe sind die Biotope zu finden, sie sind vernetzt mit zwei bereits vorhandenen kleinen Feuchtbiotopen. Die Tonböden seien dafür ideal, erklärte der Förster. Sie quellen bei Regen auf, so kann das Wasser gehalten werden. "Wir sind hier im trockensten Bereich Bayerns, im Regenschatten der Rhön, für uns ist jeder Tropfen Wasser wertvoll." Die Winterniederschläge zu halten, ist oberstes Ziel. "Wir müssen das Wasser nicht Richtung Nordsee schicken", sagt Kühnel. Gesammelt wird ausschließlich Regenwasser, es sind keine Quellen angeschlossen. "Das wäre kontraproduktiv, denn es wäre ein Eingriff in die natürlichen Bedingungen in diesem Gebiet", weiß Bandorf.

Wer will weiteren Grund und Boden zur Verfügung stellen?

Der Naturpark Haßberge finanziert die Biotope zu 100 Prozent. Der Gemeinde entstehen also keine Kosten. 70 Prozent werden von der Bayerischen Landesregierung beigesteuert, die übrigen 30 Prozent bezahlt der Naturpark aus eigener Tasche, von den angesparten Mitgliedsbeiträgen, die sinnvoll verwendet werden sollen. Es werden weitere Gemeinden gesucht, die Platz für derartige Projekte zur Verfügung stellen. "Wir sind auf die Mithilfe der Leute vor Ort angewiesen, denn wir können nicht alle geeigneten Stellen kennen", so Bandorf.

Warten auf Regenwasser: Im Frühling sollen die Feuchtbiotope gefüllt sein. Foto: Regina Vossenkaul

Bürgermeister Rath war gleich dabei, als es um die Planung ging. Das Projekt hebt auch den Grundwasserspiegel, und die Verdunstung steigt an. Die Gemeinde stellt für das erste Biotop ca. 100 Quadratmeter zur Verfügung, für das zweite 30 und für das dritte 300 Quadratmeter. Das ergibt bei durchschnittlich zwei Metern Wassertiefe rund 500 Kubikmeter Wasser.

Neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen 

Gemeinsam überlegten die drei Beteiligten, was sich hier zuerst ansiedeln wird. Da in den Randzonen auch Trockenbereiche entstehen, werden sich hier schnell Amphibien ansiedeln und Insekten, zum Beispiel Libellenarten. Pionierpflanzen werden sich ausbreiten und letztendlich werden sich Bäume ansiedeln. "Die Tiere nehmen das Angebot sofort an", meint Kühnel.

"Das ist eine tolle Geschichte für Klassenführungen, die Schüler können beobachten, wie die Besiedlung vor sich geht und welche Tier- und Pflanzenarten Vorreiter sind", sagte Kühnel. Er ist optimistisch, dass die Biotope im Frühling mit Wasser gefüllt sind. "Bei diesem Projekt gibt es nur Gewinner", so seine Einschätzung. Bei dem ganzen Frust mit den Borkenkäfern sei das Projekt "ein Lichtblick".