Bad Königshofen

Telefon-Marathon: Wer kommt zur Kur ins  Haus am Kurpark?

Kurberaterin Brigitte Jung zählte auch zu den Mitarbeiterinnen im Haus am Kurpark, die nach der überraschenden Öffnungsankündigung anfänglich fast pausenlos telefonierte, um potenzielle Kurinteressentinnen zu informieren.    Foto: Michael Petzold

Wenn man sich auf etwas in dieser Corona-Krise verlassen kann, dann darauf, dass man sich auf nichts verlassen kann. Noch im Mai war von staatlicher Seite mitgeteilt worden, dass vor dem 31. Juli an eine Öffnung des Haus am Kurpark nicht zu denken sei. Am 22. Juni kam dann per Mail die Nachricht, dass der Betrieb ab sofort wieder zugelassen ist. "Wir waren total überrascht", sagt Geschäftsführerin Evi Bindrim im Gespräch mit dieser Redaktion. Seit 17. März war die Einrichtung, in der gestresste Mütter aus ganz Deutschland mit ihren Kindern Erholung finden, wegen der Corona-Pandemie geschlossen worden. Eine Notbesetzung sorgte für Erreichbarkeit, sonst waren die rund 50 Beschäftigten in Kurzarbeit.               

Viel Zeit zum Sammeln blieb nach der zwar guten, aber unvorhergesehenen Nachricht nicht. "Wir standen vor der Frage, ob die reguläre Kur zum 30. Juni noch durchgeführt werden könnte", schildert Evi Bindrim die Situation. Zwar war die Kur längst abgesagt und alle 30 Teilnehmer darüber informiert worden. Ein Versuch war es aber allemal wert. Es folgte ein Telefon-Marathon. "Alles zusammengenommen haben wir 24 Stunden telefoniert", sagt die Geschäftsführerin. Mit wenig Erfolg, denn die allermeisten hatten für diese Zeit bereits einen Urlaub gebucht und bezahlt oder anderweitige Pläne.

Neustart unter Corona-Bedingungen mit deutlich kleinerer Gruppe

Also entschied man sich, bei einer Woche längerer Vorbereitungszeit am 7. Juli mit zehn Müttern und 14 Kindern den Neustart unter Corona-Bedingungen zu wagen. Das sind deutlich weniger Teilnehmer als zu normalen Zeiten. Da waren zu jedem der dreiwöchigen Aufenthalte 30 Mütter mit 40 bis 55 Kindern eingetroffen. Evi Bindrim kommt es jetzt aber darauf an festzustellen, wie die Gäste die ungewohnte Situation mit den strengen Hygienevorschriften aufnehmen und wie das Personal damit klar kommt. Das wurde zuvor intensiv geschult und informiert. Allen sei bewusst, dass es wieder zur Schließung kommen kann, wenn Krankheitssymptome nicht sensibel genug wahrgenommen würden.

"Die Familien sind alle froh, dass sie kommen durften", betont Evi Bindrim, die zusammen mit der gesamten Belegschaft natürlich auch glücklich darüber ist, dass es endlich wieder losgeht. Wobei die Teilnehmerinnen die kleinere Gruppe auch als sehr angenehm empfinden, weil es doch wesentlich ruhiger zugeht.

Während nach der Teileröffnung noch nicht alle Mitarbeiter aus dem Betreuungsteam wieder aktiviert sind, arbeiten alle Reinigungskräfte wieder voll, weil es ja auch einen erhöhten Desinfektionsaufwand gibt. Zur nächsten Kur, die am 28. Juli beginnt, werden schon wieder 24 Mütter mit ihren Kindern erwartet. Dann werden auch wieder mehr Mitarbeiter gebraucht.      

Vergebliches Warten auf Gelder aus dem Rettungsschirm 

Bei aller Freude darüber, dass die Wartezeit ein Ende hat, zeigt sich Evi Bindrim doch auch enttäuscht von staatlichen Stellen. Bislang seien keine Gelder aus der Kurzarbeit und dem Rettungsschirm eingetroffen. Der Antrag auf eine Zuwendung liege seit Mitte März beim Bayerischen Landesamt für Pflege in Amberg, das für die Auszahlung der Gelder aus dem Rettungsschirm zuständig sei. "Wenn nicht der Landesverband des paritätischen Wohlfahrtsverbandes uns den Rücken stärken würde, wäre die Situation kritisch", sagt die Geschäftsführerin. Sie wartet zudem bislang auch vergebens auf Zahlungen aus der Betriebsausfallversicherung. Die Versicherung habe Entschädigungen abgelehnt, weil der Staat die Anordnung zur Schließung getroffen habe.    

Ob bis zur letzten Kur des Jahres, die am 29. Dezember beginnt, in diesen Angelegenheiten schon alles geregelt sein wird, sei dahingestellt. Für das Haus am Kurpark beginnt dann aber so oder so eine neue Zeitrechnung, weil ab Januar der Neubau zur Verfügung stehen soll. Die dreiwöchigen Aufenthalte werden dann nicht mehr wie bisher als geschlossene Kuren angeboten, sondern mit wöchentlicher Anreise. Vor alle, um terminlich flexibler reagieren zu können, falls es einmal wieder zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten kommen sollte. Zudem will man mit der neuen Regelung auch den unterschiedliche terminierten Schulferien in den Ländern besser gerecht werden.