Bad Königshofen

Mit den Hochzeitsgästen kam auch Corona ins Grabfeld

Am Montag und Dienstag, 21. und 22. September, werden im Landkreis Rhön-Grabfeld bis zu 500 Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten, auf das Coronavirus getestet (Symbilbild). Foto: Moritz Frankenberg

"Das Schlimmste, was nun passieren kann, wäre ein Lockdown für die Stadt und die Stadtteile." Bad Königshofens Bürgermeister Thomas Helbling befürchtet nach dem starken Anstieg der Infektionszahlen drastische Einschränkungen für die Kurstadt. Helbling befindet sich zwar derzeit im Urlaub, wurde aber dennoch sofort aktiv, als er von dem Corona-Ausbruch, der vor allem das Grabfeld stark betrifft, erfahren hatte.

Helbling wurde am Samstag, 19. September, von der zuständigen Ärztin des Gesundheitsamts informiert, dass 25 Personen im Landkreis Rhön-Grabfeld positiv auf das Coronavirus getestet wurden. 17 davon haben sich laut Gesundheitsamt bei einer Hochzeitsfeier infiziert, die am 12. September im Raum Bad Königshofen stattgefunden hatte. Der Großteil der Personen, die sich dort angesteckt haben, kommt laut der Behörde aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld, aber auch von außerhalb.

Das Coronavirus hat sich schnell ausgebreitet

Für das Bad Königshöfer Stadtoberhaupt war der Anruf aus dem Gesundheitsamt ein wichtiger Anlass, eine Warn-Information an die Mitglieder des Stadtrats herauszugeben. "Die Lage ist sehr ernst!" heißt es da neben der Erklärung, wie nun seitens des Gesundheitsamts weiter verfahren wird. Bei der erwähnten Hochzeit im Raum Bad Königshofen waren zwei Gäste mit Covid 19 infiziert, die einige der Anwesenden angesteckt haben. Das führte wohl dazu, dass das Virus sich in der vergangenen Woche schnell ausbreitete und so auch in drei Schulen getragen wurde, ist von den Verantwortlichen des Gesundheitsamts zu erfahren.

Voraussichtlich bis Mittwoch, 23. September, bleiben die Schüler der elften und zwölften Klassen des Bad Königshöfer Gymnasiums, der neunten Klasse der Realschule Bad Königshofen und der neunten Klasse der Bad Königshöfer Mittelschule zu Hause. Der Grund: Sie werden erst am Donnerstag, 24. September, getestet, weil dann die Ansteckungszeit von fünf Tagen vorüber ist. Für die Kinder, die zur Schule gehen, bleibt in Bad Königshofen derzeit die Maskenpflicht bestehen.

Bis zu 500 Personen werden getestet

Zunächst werden an diesem Montag und Dienstag, 21. und 22. September, die Gäste der Hochzeitsfeier und ihre Kontaktpersonen getestet. Am Montag werden das 300, am Dienstag nochmals 150 bis 200 Menschen sein, die zur Teststation nach Heustreu fahren. Auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort kommt damit in dieser Woche ein enorm hohes Arbeitspensum zu. Erst nach Auswertung der Tests wird dann klar sein, welche Auswirkungen die Hochzeitsfeier hatte und wo sich Schülerinnen und Schüler der einzelnen Schulen angesteckt haben.

Ein Punkt gibt großen Anlass zur Sorge: Bürgermeister Helbling erfuhr im Gespräch mit der Amtsärztin, dass auffallend ist, dass auch junge Infizierte einen schweren Krankheitsverlauf haben. Das hätten die Zuständigen am Gesundheitsamt Bad Neustadt so bisher noch nicht gesehen. In diesem Zusammenhang sprechen Bürgermeister und Landrat den elf Mitarbeitern des Gesundheitsamts Bad Neustadt ein großes Lob aus. Sie haben sich insbesondere am Samstag unermüdlich gekümmert und mögliche Kontaktwege ermittelt. Zudem liege in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach einem Test das Ergebnis vor, das sei vorbildlich.

Bislang kein Lockdown geplant

Einen Lockdown für Bad Königshofen und Umgebung gebe es momentan noch nicht, sagt Landrat Thomas Habermann auf Nachfrage dieser Zeitung. Allerdings appelliert er aufgrund des Vorfalls an die Bevölkerung, dringend die Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten. Bezüglich privater Feiern erklärte er, dass etwa für Hochzeiten dem Gesundheitsamt ein Hygienekonzept vorgelegt werden muss, wobei das Amt beratend zur Seite steht. Demnach dürfen im Innenbereich bis zu 100 Personen Platz nehmen, allerdings müssen die Regeln des Robert-Koch-Institutes eingehalten werden, also Abstand, Mund-Nasenschutz, Desinfektion. 

Auf die Corona-Teststation in Heustreu kommt in dieser Woche enorme Arbeit zu.  Hier werden am Montag und Dienstag bis zu 500 Personen getestet. Am Donnerstag sind dann Schüler des Gymnasiums, der Realschule und der Mittelschule an der Reihe. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, wird man wissen, welche Auswirkungen die Hochzeitsfeier hatte. Foto: Hanns Friedrich

Als "unglaublich gefährlich" stuft Thomas Habermann jedoch derzeit Feiern in Innenräumen oder Scheunen ein. Vor allem, wenn, wie bei einer Hochzeit, über mehrere Stunden gefeiert wird und ein ständiger Kontakt besteht. Hinzu kommen Alkoholgenuss und die nicht auszuschließende körperliche Nähe, die Zuführung von frischer Luft ist in solchen Räumen oft nicht möglich. Das Problem einer größeren Feier sei weiter, dass die Gäste nicht nur aus dem direkten Umfeld, sondern auch aus anderen Städten kommen, wie das wohl auch bei der Hochzeitsfeier im Grabfeld der Fall gewesen ist. Das zieht, wenn eine Covid-19-Infektion auftritt, dann eine lange Liste der Nachverfolgung nach sich. Denn dann müssen alle Kontaktpersonen informiert und eventuell getestet werden.

Indoor-Feiern als gefährliche Hotspots 

 Zum Vorfall bei der Hochzeit im Raum Bad Königshofen lobt der Landkreischef, dass sich der Infizierte sofort beim Gesundheitsamt gemeldet hat. "Das war vorbildlich." Allerdings werde man am Montag im Krisenstaab des Landratsamts konkret beraten, wie man künftig bei größeren privaten Feiern, wie zum Beispiel Hochzeiten, agiert und mit den Anlässen umgeht. Denn eines ist klar: "Feiern im Indoor-Bereich mit vielen Personen auf engem Raum und über einen längeren Zeitraum stellen gefährliche Hotspots dar", betont Landrat Thomas Habermann.

In der Pressemitteilung zum Corona-Ausbruch, die das Landratsamt am Sonntag veröffentlicht hat, heißt es weiter, dass nach Verfolgung der Infektionsketten im Landkreis auch die Werkstatt einer Behinderteneinrichtung betroffen ist, deren Schließung für Montag und Dienstag, 21. und 22. September, vom Gesundheitsamt angeordnet wurde. Die Bewohner der Wohnheime sowie die Mitarbeiter der Einrichtung wurden unter häusliche Quarantäne gestellt, ebenso alle Personen, die direkten Kontakt mit den Infizierten hatten.

Eine Hochzeitsfeier im Raum Bad Königshofen sowie Covid-19 Infektionen an drei Schulen im Schulviertel der Stadt (Mitte links) beschäftigt zur Zeit das Gesundheitsamt Bad Neustadt Foto: Hanns Friedrich