Bad Königshofen

Corona: Keine Angst, aber gehörigen Respekt

Zeit zum Zeitunglesen: Herbert Häckers Café und Laden hat "Corona-Öffnungszeiten." Foto: Regina Vossenkaul

Seit letztem Mittwoch sind alle Geschäfte geschlossen, die nichts mit der Lebensmittel- und Medikamentenversorgung der Bevölkerung zu tun haben, auf dem Marktplatz Bad Königshofen herrscht ungewohnte Ruhe. "Corona-Öffnungszeiten" steht auf einem Schild vor dem Café, der Betreiber Herbert Häcker sitzt davor und liest die Zeitung. Es gibt hier weniger zu tun als sonst, im Gegensatz zu den Supermärkten. Haben diejenigen, die jetzt noch Geschäfte betreiben dürfen, Angst vor Ansteckung?

"Ich lebe ganz normal weiter", ist von Häcker zu hören. Er muss in seinem Beruf sowieso ständig auf Hygiene achten, oft die Hände waschen, jetzt kommt das Abstandhalten und Desinfizieren noch dazu. Im Café und draußen habe man alle Tische auseinandergerückt, seit Freitag ist es geschlossen, das Mitnahmegeschäft läuft aber weiter. Die beiden Mitarbeiterinnen arbeiten mit Mundschutz und Handschuhen. Sein Sortiment hat er zurückgeschraubt, denn es kommen weniger Kunden als normal. "Man freut sich auf die wärmeren Tage und das Ostergeschäft und jetzt das", sagt er.

Rechte Hand für Geld, linke Hand für Lebensmittel

Christa Lechky, die Brat- und Currywürste auf dem Marktplatz verkauft, hat ihre Glas-Schiebetür halb geschlossen und fühlt sich nicht unsicher. "Ich tue alles, was möglich ist, halte durch die Theke angemessenen Abstand, wasche und desinfiziere meine Hände", berichtet sie. Das Geld wird in eine Schale gelegt, das berührt sie nur mit der rechten Hand, während ihre linke für die Lebensmittel zuständig ist. Die angeordneten Maßnahmen hält sie nicht für übertrieben und findet es gut, in so einer Krise auf dem Land zu wohnen, wo man trotz allem noch spazieren gehen kann. Das war vergangene Woche, mittlerweile klebt auf der Imbissbude ein kleiner Zettel, der die Kunden darüber informiert, dass angesichts der aktuellen Lage geschlossen ist.

"Sicher ist man nirgends", sagt Huseyin Aksu, der auf dem Markplatz den Imbiss "Marktlücke" betreibt. Durch die Theke hat er einen gewissen Abstand zu seinen Kunden, aber er muss ja auch selbst einkaufen gehen. "Es kann mich überall treffen", sagt er, es sei aber wichtig, nicht in Panik zu verfallen. Angst habe er nicht, aber Respekt, bekundet Aksu. Da er mit frischen Lebensmitteln umgeht, muss er schon immer Hygieneregeln einhalten, da habe sich nicht viel verändert.

Mehr Apotheken-Beratungen per Telefon

Auch die Apotheken haben geöffnet. In der Apotheke Am Markt weist gleich ein Schild darauf hin, dass Abstandsregeln eingehalten werden müssen. Inhaberin Susanne Sterzinger hat täglich mit kranken Menschen oder deren Angehörigen zu tun. Sie ist beunruhigt, schätzt aber das Ansteckungsrisiko hier im ländlichen Bereich mit wenig Infizierten als relativ gering ein. Wie viele ihrer Kollegen bietet sie einen Lieferservice an und holt Rezepte vom Arzt ab, das gehört zum Service. Die Beratungen per Telefon haben zugenommen, auch die Bestellungen, für die es zusätzlich eine Bestell-App gibt. Bei Lieferungen werden die Medikamente vor die Haustür gelegt, so sollen unnötige Kontakte sowohl in den Arztpraxen als auch in den Apotheken vermieden werden.

"Wir halten die Hygieneregeln ein und die Leute haben sich daran gewöhnt, dass keine Hände geschüttelt werden und Abstand eingehalten werden muss", berichtet der Marktleiter von Tegut, René Hirn. Er macht sich keine großen Sorgen und ist froh, dass sich die Lage an der Einkaufsfront langsam beruhigt, weil die Leute gemerkt haben, dass die Warenbestände immer wieder aufgefüllt werden. Es könne allerdings aufgrund der Warenmenge, die von den einzelnen Supermärkten bestellt wird und aufgrund der ohnehin geringen Anzahl an Lkw-Fahrern zu Verzögerungen kommen, so Hirn. Normalerweise beliefere ein Lkw fünf Märkte auf einer Tour, jetzt sind es nur zwei.

"Wenns's kommt, dann kommt's"

Die Mitarbeiterin an der Kasse, Rosi Seehaus, die an "vorderster Front" eingesetzt ist, hat eigentlich keine Angst vor Ansteckung. "Wenn's kommt, dann kommt's", sagt sie. Sie wasche und desinfiziere sich oft die Hände, sie habe zu den Kunden auch einen gewissen Abstand. Was fragen denn die Leute an der Kasse, sind sie besorgt wegen der Sicherheit, fragen sie nach Hygieneregeln oder ob Erkrankungen in der Umgebung bekannt geworden sind? Nein, beantwortet sie die Frage, die Kunden fragen nach Hefe und Klopapier.

Huseyin Aksu, Betreiber der "Marktlücke" in Bad Königshofen, hat keine Angst, aber Respekt. Foto: Regina Vossenkaul