Herbstadt

Biogasanlage Herbstadt: Aus Abfall wird Energie

Seit mehr als zehn Jahren wird geplant, am Dienstag war es endlich so weit: Der erste Spatenstich für den Bau der Bioabfall-Biogasanlage in Herbstadt wurde ausgeführt. Begrüßt wurden die Gäste von den Geschäftsführern der BioRest GmbH, Mathias Klöffel und Leonhard Unterberg.

Angefügt an die Abfall-Umladestation in Herbstadt ist das Gelände für die neue Biogasanlage, die vom österreichischen Generalunternehmen Thöni errichtet wird. Die Gesamtinvestition liegt bei rund 9,5 Millionen Euro. Wie Klöffel berichtete, steht eine komplexe und einzigartige Gesellschafterstruktur hinter dem Projekt. Anteile haben 20 Gemeinden aus Rhön-Grabfeld, die Agrokraft Streutal GmbH & Co.KG, Bayerische Rhöngas GmbH, Bioenergie Bad Königshofen GmbH & Co.KG, Kommunalunternehmen Rhön-Grabfeld AdöR, Überlandwerk Rhön GmbH, BioRest Agrar GbR (mit 75 Landwirten), Maschinen- und Betriebshilfsring Rhön-Grabfeld e.V., Agrokraft Großbardorf GmbH & Co.KG, BioRest Invest GbR sowie drei Privatinvestoren. "Dieses Projekt ist beispielgebend dafür, wie man gemeinsam etwas schafft und gemeinsam Probleme löst", sagte Klöffel.

Das Projekt stand kurz vor dem Aus

Das ganze Projekt war zwischenzeitlich kurz vor dem "Aus", denn ein kleiner Formfehler auf einem Formular nahm den Planern den Wind aus den Segeln. So verlor man ein ganzes Jahr, nutzte die Zeit aber, um das Konzept zu optimieren, die neueste Technik einzuplanen und die Finanzierung zu verbessern. "Der Umweg hat uns zusammengeschweißt. Eine starke Gemeinschaft bewährt sich in schwierigen Zeiten", sagte Klöffel. Das gegenseitige Vertrauen habe letztendlich gesiegt, das der Landwirte, der Gemeinden, des Landkreises, der Investoren und der Oberbank, die die Finanzierung übernommen hat. "Alle Partner, die nötig sind, sind an Bord", so Klöffel.

Sein Dank galt auch der Gemeinde Herbstadt mit Bürgermeister Georg Rath, die den Bau ermöglicht hat. Die Energiegewinnung aus Abfällen sei ein Teil des Ausstiegs aus den fossilen Energieträgern. "Andere diskutieren – wir handeln", so Klöffel.

Mit Leonhard Unterberg, Inhaber des Ingenieurbüros UMS Umwelt- und Management Service, ist ein Spezialist an Bord, der seit 30 Jahren in der Abfallbranche tätig ist. In seinem Grußwort zeigte er sich infiziert vom Virus "BioRest" und wies auf die neuesten Technologien hin, die es ermöglichen, dass das Endsubstrat plastikfrei ist und alle Grenzwerte einhält. Er wünschte dem Projekt viel Erfolg.

Peter Scherl, Verkaufsleiter des Generalunternehmers Thöni, stellte seine Firma vor, die mit 750 Mitarbeitern und rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz weltweit tätig ist, aber trotzdem ein Familienunternehmen bleibt. "Innovativ und einzigartig" nannte er das Projekt in Herbstadt, nicht nur wegen der vielen Gesellschafter, sondern auch wegen der langfristigen Verträge, die abgeschlossen werden konnten.

Offene Kommunikation

Riccardo Schatt, Geschäftsstellenleiter Würzburg der österreichischen Oberbank, staunte, dass die Anlage nach so langer Zeit doch noch realisiert wird, andere hätten schon längst aufgegeben. Beharrlichkeit und Ausdauer bescheinigte er den beiden "Motoren", Mathias Klöffel und Michael Diestel von der Agrokraft Bad Neustadt. Beeindruckt habe ihn neben der Gesellschafterstruktur die gezielte Arbeitsweise und die offene Kommunikation ohne Schönrechnen. Wichtig sei es, Ansprechpartner im Team zu haben, mit denen man auch Probleme lösen kann, sagte Schatt. Man habe sich natürlich die Zahlen genau angeschaut und sich für die Finanzierung entschieden.

Ein Vorzeigeobjekt

Stellvertretender Landrat Josef Demar fand es berührend, dass so viele Leute zum ersten Spatenstich gekommen sind. Woanders werde für und gegen die Energiewende demonstriert, hier habe man dank der Agrokraft schon viel erreicht, darauf könne man stolz sein. "Um dieses Vorzeigeprojekt werden uns noch viele beneiden", so seine Einschätzung.

Bevor der gesellige Teil begann, appellierte Klöffel an die Gemeinden, das momentane Förderangebot des Freistaats für den Bau von Grünabfallplätzen zu nutzen und auf die Leute einzuwirken, keine Fremdstoffe dort abzulagern. Je weniger Störstoffe dabei sind, desto weniger müsse man herausfiltern. So wird aus Abfall ein Wertstoff. Mit der Inbetriebnahme der Anlage wird im Juni 2020 gerechnet.  


Artikel: https://www.rhoenundsaalepost.de/lokales/aktuelles/bad-koenigshofen/art24132,761599

© Rhön- und Saalepost 2017. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung