Bad Königshofen

Ein moderner Anbau fürs altehrwürdige Juliusspital

Bauarbeiten sind angelaufen: Westlich des Bestands begannen kürzlich die Arbeiten für den Neubau des Juliusspital-Erweiterungsbaus. Foto: Alfred Kordwig

Neben dem geplanten Bau des Gesundheitszentrums an der Frankentherme, der Errichtung der neuen Berufsfachschule für Musik im Schulviertel und dem Ausbau des Gymnasiums ist es in diesem Jahr das vierte große Neubauprojekt in Bad Königshofen: die Erweiterung des Juliusspitals , in dem seit über 400 Jahren alte und kranke Menschen betreut werden.

75 Prozent Einzelzimmerquote

Die Maßnahme wurde nicht nur wegen der seit Jahren ungebrochenen Nachfrage nach Pflegeplätzen erforderlich. Auch gesetzliche Vorgaben bewogen die Juliusspital-Stiftung dazu, nach etlichen Modernisierungen in der Vergangenheit nun mit einer weiteren Baumaßnahme zu beginnen. So müssen in deutschen Pflegeeinrichtungen bald 75 Prozent der Pflegebetten in Einzelzimmern zur Verfügung stehen.

So wird die Erweiterung einmal aussehen: Südansicht des neuen Juliusspitalanbaus. Architekt Roland Ress rechnet mit der Fertigstellung im Frühjahr 2020. Foto: Entwurf: Architektengemeinschaft Ress

„Wir sind von dieser Vorgabe zwar schon heute nicht mehr weit entfernt, doch zur Erweiterung unseres Hauses gab es trotzdem keine Alternative“, erklärt Manfred Bühner, seit 22 Jahren Leiter des Juliusspitals mit seinen derzeit 57 Pflegebetten. Mit der Fertigstellung des rund 1,3 Millionen Euro teuren Neubaus werden sechs weitere Plätze in Einzelzimmern dazukommen, die alle behindertengerecht konzipiert und somit auch für Rollstuhlfahrer geeignet sind. „Außerdem vergrößern wir den Speisesaal“, so Bühner, der als weitere bauliche Maßnahmen neue Umkleideräume und Sanitäranlagen sowie das Archiv im Untergeschoss aufzählt.

450 Quadratmeter Nutzfläche

Die Planung für den Erweiterungsbau mit einer Gesamt-Nutzfläche von rund 450 Quadratmeter liegt in den Händen der Architektengemeinschaft Ress (Bad Königshofen). Inklusive Vorraum und Nasszelle werden die sechs neuen Wohneinheiten jeweils gut 32 Quadratmeter groß sein. „Alle Zimmer haben entweder eine vorgelagerte Terrasse oder einen Balkon“ erklärt Roland Ress, der davon ausgeht, dass die Baumaßnahme bis zum Frühjahr 2020 abgeschlossen sein wird.

In Stein gemeißelt: An der Ostfassade des Altbaus ist die Jahreszahl 1616 zu finden. In diesem Jahr dürfte das Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben worden sein. Foto: Alfred Kordwig

Dass es bis dahin immer wieder zu nicht unerheblichen Lärmbelästigungen für die im Bestand lebenden Bewohner kommen wird, ist der Hausleitung bewusst. „Das lässt sich leider nicht vermeiden“, weiß Manfred Bühner, der darauf setzt, dass die im Juliusspital lebenden Menschen und seine über 60 Mitarbeiter Verständnis für die Baumaßnahmen aufbringen. „Bislang hat sich jedenfalls noch niemand über den Baulärm beschwert.“

Vom Armenhaus zum modernen Seniorenheim
In einer steinernen Niederschrift an der Ostfassade des Altbaus des Juliusspitals ist 1616 als Jahr der offiziellen Übergabe des Gebäudes genannt. Die Gründung des Juliusspitals geht auf den damaligen Würzburger Fürstbischof Julius Echter zurück, der das Spital für arme, alte und kranke Menschen stiftete. Ein „Vorgänger“ der Einrichtung wird schon 1329 in alten Unterlagen erwähnt, dieses Spital lag aber außerhalb der Stadt an der Straße nach Merkershausen und wurde 1621 durch schwedische Truppen zerstört. Im neuen Spital am Kirchplatz galten strenge Lebensregeln für die sogenannten Pfründner. Sie mussten täglich die Messe besuchen sowie eine Mittagspredigt und die Vesper. Noch bis in die 1960er Jahre war es üblich, täglich in der Stadtpfarrkirche für die Wohltäter zu beten. Um 1800 wurde das Spital erstmals umfassend renoviert. Ab den 1980er Jahren wurde das Haus dann Zug um Zug erweitert und modernisiert und so zu einem modernen Alten- und Pflegeheim im Herzen der Altstadt von Bad Königshofen weiterentwickelt. Quelle: Kreiskulturreferent Hanns Friedrich
Das Juliusspital vom Kirchplatz aus gesehen. Errichtet wurde es vor über 400 Jahren. Foto: Alfred Kordwig