OBERELSBACH

Mehr Sternenlicht, weniger Energie

Der Markt Oberelsbach ist die erste Kommune im Biosphärenreservat Rhön, nicht nur im bayerischen Teil, sondern länderübergreifend, die ihre öffentliche Beleuchtung vollständig nach den Beleuchtungsrichtlinien zum Schutz der Nacht energieeffizient und umweltgerecht gestaltetet. Einstimmig votierte der Gemeinderat für die Investition in Höhe von 414.764 Euro, wobei ein Zuschuss des Bundesminsteriums für Umwelt-, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Höhe von 88.481 Euro bereits zugesagt wurde.

Für die Gemeinde verbleibt dennoch ein erheblicher Eigenanteil von 326.283 Euro. Die Finanzierung des Eigenanteils soll über ein entsprechendes KfW-Investitionsprogramm erfolgen, das günstige Zinskonditionen von unter einem Prozent für zehn Jahre und zwei tilgungsfreie Anlaufjahre ermöglicht.

Das Vorhaben im Detail wurde dem Gemeinderat von Dominik Böhlein, von der Firma Energievision Franken vorgestellt. 524 Leuchten gibt es im Gemeindegebiet von Oberelsbach, mit 654 Leuchtmitteln. Die jährlichen Stromkosten belaufen sich auf 40.500 Euro. Da Quecksilberdampflampen ab April 2015 nicht mehr in den Verkehr gebracht werden dürfen, muss eine Umrüstung erfolgen. Der Gemeinderat sprach sich dafür aus alle Lampen und Leuchtmitteln auf LED umzurüsten, was eine Einsparung von 76 Prozent mit sich bringe, bei einer Nachtabsenkung über eine bedarfgesteuerte Dimmung sogar bis zu 83 Prozent.

Wichtig ist Bürgermeisterin Erb, dass das Licht in der Nacht nicht abgeschaltet wird. Die Sicherheit der Bürger gehe vor, ganze Straßenzüge ausschalten komme für sie nicht in Frage. Die Umrüstung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Neben dem Austausch und der Umrüstung der Lampen werden weitere Maßnahmen umgesetzt, darunter fallen Modernisierungen und Absicherungen, beispielsweise bei der Weihnachts- und Maibaumbeleuchtung und bei der Verteilung im Rathaus. Die Installation einer Zeitschaltoption für die Kirchenbeleuchtung ist ebenfalls Bestandteil wie auch Sicherheitsprüfungen zur Standfestigkeit der Masten.

Die Gemeinde verspricht sich von der Umrüstung Stromeinsparungen nach zehn Betriebsjahren in Höhe von 391.611 Euro, mit eingerechnet eine Preissteigerung von 3,6 Prozent. An Wartungskosten könnten in 20 Jahren 225.753 Euro eingespart werden. Die Amortisation werde schon im siebten Betriebsjahr erreichte, erklärte Erb.

Von der Verwaltungsstelle des Biosphärenreservat Bayerische Rhön war der Leiter Michael Geier in die Gemeinderatssitzung gekommen, um Informationen zum Sternenpark zu geben, die Vorteile aufzuzeigen und auf die Beleuchtungsrichtlinien einzugehen. Der Schutz der natürlichen Nacht sei ein wichtiges Thema, für die Gesundheit der Menschen, für die Biodiversität und für die Astronomie. In der Rhön gebe es Sternenlichtgebiete mit nahezu natürlicher Nachtlandschaft, dies sei auf der Hochrhön, der Geba und in den Schwarzen Bergen der Fall. Oberelsbach rage mit einem Drittel des Gemeindegebietes in das Sternenlichtgebiet der langen Rhön hinein. Mit der geplanten Umrüstung erfülle Oberelsbach künftig die Kriterien für den Sternenpark. Es werden nur Lampen mit Abschirmung eingesetzt, damit kein Licht nach oben oder zur Seite abgestrahlt wird.

Ziel sei eine maßvolle Beleuchtung, nur dort, wo nötig und nur dann, wenn nötig. Die bedarfsorientierte Steuerung und gezielte Beleuchtung bringe ein Ersparnis von 86.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Damit werde Oberelsbach zu einer Vorzeigekommune des Sternenparks Rhön und für das Biosphärenreservat.

Marco Kleinhenz wollte wissen, ob diese Entwicklung Nachteile für Flutlichtbetrieb auf Skipisten oder Sportplätzen mit sich bringe. Doch Michael Geier winkte ab, auch dieses Licht sei heute so zu steuern, dass die Anforderungen des Sternenparks problemlos erfüllt werden können.


Artikel: https://www.rhoenundsaalepost.de/lokales/aktuelles/art2826,94973

© Rhön- und Saalepost 2017. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung