UNTERWEIßENBRUNN

Bayern-Fan Franz – ein unverzichtbarer Informant

Was bedeutet es, wenn in einer Stadt und Gemeinde seit 25 Jahren eine Wohnstätte für Menschen mit Behinderung integriert und akzeptiert ist?

Dr. Martin ist seit 25 Jahren der Hausarzt der Bewohner. Nach seinen Erfahrungen befragt, meinte er: „Sie sind immer sonnig und freundlich, nie fordernd.“ Sehr gut habe er speziell eine Bewohnerin im Erinnerung, die anfangs sehr gehemmt war und nur an Annette Scheurings Hand den Arztbesuch absolvieren konnte. „Durch die Jahre der Betreuung ist sie heute offen, zugänglich und vertrauensvoll.“ Dr. Martin weiter: „Sie denken positiv, nie rückwärtsgewandt. Eine große Zufriedenheit zeichnet sie auch und sie haben nie Hintergedanken.“

Der Familie Fuchs aus der unmittelbaren Nachbarschaft fällt die Hilfsbereitschaft untereinander, die große Dankbarkeit und Freude besonders auf. „Es sind angenehme Nachbarn.“ Besonders freuen sie sich über die täglichen Grüße und das Winken aus dem Dachfenster. Natürlich ist in der Wohnstätte auch Fußball ein Thema. Die Familie Fuchs weiß genau, wie ein Spiel ausgegangen ist, dafür sorgt Bayern-Fan Franz, „der je nach Spielergebnis traurig oder froh ist“.

Jens Fuhl, Geschäftsführer der Lebenshilfe Rhön-Grabfeld, schätzt an den Menschen mit Behinderung ihre Geradlinigkeit und Herzlichkeit. „Sie denken nie um Ecken, sondern sind gerade heraus.“ Die vergangenen 25 Jahre im Wohnheim bezeichnete er als bereichernd und harmonisch. „Man ist in ihrem Zuhause immer herzlich willkommen.“ Unvergessen bleibt für ihn der tragische Tod von Rudi.

Daniela Wappes, Therapeutin in der Wohnstätte in Unterweißenbrunn, weiß nur Positives zu berichten. Die viele schönen Veranstaltungen und Feste, die immer sehr reichhaltig gestaltet seien, sind ihr in Erinnerung geblieben. An den Menschen weiß sie die offene und liebenswerte Art zu schätzen. Auch sie fühle sich immer herzlich willkommen in Unterweißenbrunn.

Edeltraud Koch und Martin Schiermeyer pflegten als Lehrer an der Kreuzbergschule 14 Jahre lang zusammen mit den Schülern der 5. und 6. Jahrgangsstufe einen engen Kontakt zur Wohnstätte und ihren Bewohnern. „Jede Begegnung war eine große Bereicherung für die Schüler, deren Eltern, die oft auch mit eingebunden waren, die Bewohner der Wohnstätte und auch mich persönlich. Anfängliche Berührungsängste wurden auf beiden Seiten sehr schnell abgebaut“, erinnert sich Edeltraut Koch. „Wir erlebten die Bewohner mit ihren Betreuerinnen als eine sehr familiär geführte Gemeinschaft, in der sie sich sehr wohl fühlen. Für unsere Schüler bedeutete der zwanglose und herzliche Umgang mit den Bewohnern eine wichtige Erfahrung auch für ihr späteres Leben“, betonte Schiermeyer.

Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand arbeitet Edeltraud Koch einmal in der Woche mit den Bewohnern, die sich in Altersteilzeit befinden. Auf dem Programm stehen Basteln, Malen, Spielen. Auch Schiermeyer möchte den Kontakt zur Wohngruppe auch nach seinem Ausscheiden aus dem Beruf aufrecht erhalten.

Besonders gut erinnern sich beide an das gemeinsame Frühstück zu Beginn eines Schuljahr, die Wanderungen und Bastelaktion und auch die Teilnahmen an den Festen in der Wohngruppe. Edeltraud Koch ist das gemeinsame Projekt für das Schulfest an der Kreuzberg-Mittelschule in besonderer Erinnerung geblieben: „Hier arbeiteten Schüler, deren Eltern und die Bewohner der Wohnstätte gemeinsam monatelang an den Vorbereitungen, sammelten Holz bei einem Wandertag und bearbeiteten und bemalten die Fundstücke, die dann beim Schulfest ausgestellt und verkauft wurden. Die Aktion war ein großer und für alle sichtbarer Erfolg.“ Die Bewohner der Wohnstätte haben sie als aufgeschlossene, kontaktfreudige Menschen kennengelernt, die sich nicht scheuen, ihre Gefühle zu zeigen. „Sie sind dankbar für jede Zuwendung“, so Koch.

Der ehemalige Bischofsheimer Bürgermeister Udo Baumann hielt während seiner Amtszeit stets einen engen Kontakt zur Wohnstätte. „Die Bewohner haben sich nach meiner Einschätzung von Anfang in ihrer neuen Heimat Unterweißenbrunn sehr wohl gefühlt. Sie sind durch ihren Umzug Bürger der Stadt geworden und haben sich voll integriert. Es fällt auf, dass beim Besuch von Festen im Stadtgebiet die Bewohner besondere positive Wertschätzung genießen und gern gesehene Gäste seien. Dies sei auch ein Verdienst der betreuenden Mitarbeiterinnen des Wohnheimes unter Leitung von Annette Scheuring. Die Wohnstätte ist eine Bereicherung für uns alle. Ich bin dankbar, dass es sie gibt.“

Gerne erinnert sich Baumann an die äußerst gastfreundliche Herzlichkeit, die ihm und seiner Ehefrau bei ihren Besuchen in der Wohnstätte entgegen gebracht wurde, an die wunderschönen Feste mit toller Bewirtung und Unterstützung der Unterweißenbrunner Vereine. Und schließlich sagte Baumann: „Die Menschen haben eine bewundernswerte Unbekümmertheit in vielen Lebenssituationen trotz Handicap und zeigen eine echte und freundschaftliche Herzlichkeit.“