UNTERWEIßENBRUNN

Wie eine große Familie

Die Bewohner der Wohnstätte Unterweißenbrunn der Lebenshilfe Rhön-Grabfeld freuen sich auf das Fest zum 25-jährigen Bestehen. Foto: Kristina Rott

Seit 25 Jahren gibt es die Wohnstätte der Lebenshilfe in Unterweißenbrunn. Wie war das damals vor 25 Jahren? Die Lebenshilfe suchte im Landkreis ein neues Domizil. Die Räumlichkeiten in Hohenroth reichten nicht mehr aus. Da stand eine Pension in Unterweißenbrunn zum Verkauf. Ein ideales Gebäude, für eine kleine überschaubare Gruppe, die hier ihren Möglichkeiten entsprechend eigenständig, in eine aktive Dorfgemeinschaft integriert, leben sollte. Am 1. September 1991 zogen sechs Bewohner ein.

„Von Beginn an, war die Lebenshilfe in Unterweißenbrunn willkommen“, erinnert sich Wohnheimleiterin Annette Scheuring. Ängste und Vorbehalte, die es im Vorfeld gab, seien nach wenigen Tagen ausgeräumt gewesen. „Am ersten Wochenende haben wir gleich den Gottesdienst besucht, der Pfarrer hat uns begrüßt, das hat das Eis gebrochen.“

Viel Unterstützung fanden sie in der Bevölkerung und so ist es bis heute geblieben. Schon im ersten Jahr brachten die Unterweißenbrunner Plätzchen vorbei. Doch nicht nur zur Weihnachtszeit hat die Dorfbevölkerung ein Herz für das Wohnheim. Seit nunmehr 25 Jahren ist das Lebenshilfe-Wohnheim ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Spenden von Privatleuten und Geschäften ermöglichen, dass auch mal Beschaffungen über den üblichen Etat hinaus möglich sind. Bei den traditionellen Dorffesten wird immer an die Lebenshilfe gedacht und wenn die Ernte im Garten mal allzu üppig ausgefallen ist, ist das Wohnheim ein dankbarer Abnehmer. Und wenn etwas zu bauen oder werkeln ist, kann man auf die Unterweißenbrunner zählen. So konnte vor vielen Jahren auch das schöne Gartenhäuschen realisiert werden.

Die Menschen mit Behinderung führen im Wohnheim ein nahezu selbstständiges Leben. Sie gehen zum Einkaufen, besuchen die Gottesdienste, sind im Dorf akzeptiert und integriert. So wurde die Einrichtung in Unterweißenbrunn ein Vorzeigeobjekt. Das Wohnheim ähnelt dem Zuhause einer großen Familie. Die Bewohner versorgen Haus und Garten selbst, wie in einer großer Familie übernimmt jeder Aufgaben. Dabei haben sie auch noch eine umfangreiche Arbeitswoche in Hohenroth in die Produktionswerkstatt zu bewältigen. „Wir nennen es aktives Wohnen und nicht nur Aufbewahren der Behinderten“, erklärt Annette Scheuring. Die Betreuer haben dabei begleitende Funktion.

Doch wie in jeder Großfamilie, wird auch tüchtig gefeiert. Egal, ob Fasching, Kirchweih oder Weihnachten, die Wohnheim-Bewohner sind sehr aktiv und beteiligen sich an den örtlichen Festen. „Die Bevölkerung soll sehen, dass wir genauso wie sie arbeiten und feiern“, erklärte Scheuring.

Eng verbunden ist die Wohnstätte mit der Bischofsheimer Kreuzbergschule. Es gab in der Vergangenheit gegenseitige Besuche, gemeinsame Bastelaktionen, Ausflüge und Wanderungen und Lesenachmittage. Höhepunkt war stets das gemeinsame Frühstück zu Schuljahresbeginn, das allen immer sehr gut schmeckte.

Natürlich kommt auch die Freizeitgestaltung nicht zu kurz. Da gibt es gemeinsame Spaziergänge, Wanderungen, im Winter wird gemeinsam Schlitten gefahren, besonders beliebt ist der Schwimmbadbesuch. Am Wochenende unternehmen sie oft Ausflüge in die nähere Umgebung, besuchen Märkte oder Feste. Besondere Höhepunkte sind Einladungen zum Pizza-Essen und natürlich die jährlichen Urlaube.

Annette Scheuring hat seit der ersten Stunde in der Unterweißenbrunner Wohnstätte die Verantwortung. „Ich bin mit den Bewohnern alt geworden. Wo anders möchte ich nicht mehr arbeiten“, sagt sie. Das sei vor allem auch den Unterweißenbrunnern zu verdanken. „Sie begegnen unseren Bewohnern immer sehr offen, freundlich und warmherzig. So wird unseren Bewohner das Gefühl vermittelt, „wir gehören dazu“. Im ganzen Stadtgebiet sind unsere Bewohner mittlerweile bekannt und erfahren sehr viel Wertschätzung.“

Es gab viele schöne und auch traurige Momente. Gleich in der Anfangszeit starb ein Mitbewohner. Sein Grab auf dem Unterweißenbrunner Friedhof wird von den Bewohnern liebevoll gepflegt. Viele wunderschöne Erinnerung hat Annette Scheuring an die 25 gemeinsamen Jahre, wie die Heißluftballonfahrt über die Rhön

„Meine langjährige Erfahrung lässt mich auch zu folgenden Erkenntnissen kommen: Wenn man auf die Stärken, Talente und guten Anteilen dieser Menschen schaut, diese herauskristallisiert und unterstützt, erlebt man viele schöne Momente und eine sehr positive Entwicklung der Persönlichkeit. Der Focus sollte nie auf den Schwächen liegen beziehungsweise diese sollten nie überbewertet werden. Hierdurch wird es für alle ein schönes Miteinander.“

Jubiläumsfeier am 10. September – Programm

Das Jubiläum 25 Jahre Wohnstätte der Lebenshilfe Rhön-Grabfeld in Unterweißenbrunn wird am Sonntag, 10. September, mit einem großen Fest gefeiert.

Los geht es um 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst und Grußworten in der Kirche. Anschließend wird zum Frühschoppen mit der Trachtenkapelle Unterweißenbrunn, Weißwurstfrühstück sowie Forelle und Leckerem vom Grill geladen.

Zum Kaffee gibt es Torten und Kuchen. Zur Kaffeezeit unterhält die „Kaufmannsware – Wilde Schlehen aus der Rhön.“

Für Kinder gibt es vielfältige Angebote, wie eine Bastelecke und eine Schminkstation. Außerdem wird es eine mobile Fotobox geben und die Bergwacht zeigt einiges aus ihrer Tätigkeit.

Für den musikalischen Ausklang sorgen junge Musiktalente aus der Rhön.