WECHTERSWINKEL

Kreative fränkische Ausrufezeichen

Interessante Ausstellungsstücke bietet „TRIO 6“ im Kloster Wechterswinkel bis zum 5. November. Foto: Klaus-Dieter Hahn

In den kommenden Wochen und Monaten dürfte das Kloster Wechterswinkel zahlreiche Kunstliebhaber aus dem gesamten fränkischen Raum anlocken. Bis zum 5. November macht im Kreiskulturzentrum „TRIO“ Station. Dabei handelt es sich um eine Ausstellungsreihe der drei fränkischen Regionalverbände des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK). Und wo kann man schon ausgewählte Werke von insgesamt 18 Künstlern an einem Ort bewundern? Noch dazu in einer solchen Vielfalt künstlerischen Schaffens.

Kreative Ausrufezeichen aus den Bereichen Grafik, Malerei, Objekt, Bildhauerei und Installationen sind in den Räumlichkeiten des früheren Frauenklosters ebenso wie im idyllischen Innenhof ausgestellt. Am Freitag wurde „TRIO 6“ als 6. Station der Ausstellungsreihe mit einer erfrischend genussvollen Vernissage im Beisein aller Künstler feierlich eröffnet.

Stellvertreter Landrat Josef Demar übernahm den Part des Gastgebers und hieß Kunstschaffende wie Besucher im „Schatzkästlein des Landkreises“ willkommen. Die breite Palette der Materialien der Exponate reicht vom handfesten Eisenguss über das klassische Holz, die Keramik, Ölfarben und Bleistift bis hin zu transparentem Papier. Vertreter der einzelnen Regionalverbände stellten ihre Künstler – je sechs aus jedem Bezirk – kurz vor und charakterisierten deren künstlerisches Wirken.

Claudia Endres (Nürnberg) wurde als kreative Steinbildhauerin präsentiert, deren sehr vielschichtige Arbeit einen Blick in den Stein hinein ermöglichen würde. Ebenfalls ein Nürnberger ist Christian Haberland, der sich durch Zeichnungen der reduziertesten Art auszeichnet. Er definiert „Kunst als den Zeitpunkt des Seiltänzers kurz vor dem Absturz“. Farbenfroh wagt sich Bettina Jaenicke (Nürnberg) mit ihren Bildern in den „Grenzbereich zwischen Abstraktem und Gegenständlichem“. Ebenfalls viel Freude an der Farbe in der Malerei hat Ursula Jüngst (Nürnberg). Ihre lebendigen Bilder spiegeln ihre Lebensfreude wider. Ganz anders Anneliese Kraft, die in ihrem künstlerischen Tun nach der „Vollendung der Form“ strebt und dabei ganz neue Einblicke in ihre Arbeit gewährt. Die Collagen und Installationen von Stephanie Löw schließlich zeugen von einem wachen künstlerischen Geist.

Besonders markant die kleinen Eisenskulpturen von Adelbert Heil aus Bamberg, der angeblich sogar in Eisen träumt. Ölmalerei auf Transparentpapier ist das Markenzeichen von Lucie Kazda aus Bayreuth, während Peter Schoppel (Gundelsheim) durch die gnadenlose Regelmäßigkeit seiner Raster Naturformen auf grafische Grundformen reduziert. Wie Michaela Schwarzmann aus Eggolsheim mit ihrem mehr oder weniger transparentem Papier so schafft auch Gudrun Schüler (Bayreuth) mit Öl- und Acrylfarben „Lichträume“, die dadurch den Eindruck der räumlichen Tiefe entstehen lassen. Katja Wunderlings (Nürnberg) Werke mit Reis und Zeichen auf Papier wandeln im Grenzbereich von Relief, Materialbild und Zeichnung.

Kristin Finsterbusch (Würzburg) ist eher Sammlerin, die erst sortiert und arrangiert und dann zeichnet. Kathrin Hubis (Oerlenbach) Skulpturen sind in Holz geschaffene Knautschungen, die Erinnerungen wecken und Fragen stellen, während Edeltraud Klement aus Niedernberg mir ihrem „archaischen Material Erde“ imponierende Plastiken und Keramiken entstehen lässt. Gesellschaftskritisch und politisch sind die Gemälde von Hans Krakaus (Giebelstadt-Euerhausen), die er direkt, intensiv und aus der Bewegung heraus entstehen lässt. Wer den Innenhof des Klosters betritt, dessen Blick fällt sogleich auf die mächtige Holz-Skulptur von Markus Schmitt aus Mömbris, die die unterschiedlichsten Interpretationen zulässt. Den Mensch stellt Antje Vega aus Kreuzwertheim in den Mittelpunkt ihres Schaffens.

Kreiskulturmanagerin Dr. Astrid Hedrich-Scherpf zeigte sich glücklich darüber, dass die Wahl von „TRIO 6“ auf das Kloster Wechterswinkel gefallen ist, dankte aber auch dem Duo „thieme und volpert“ aus Würzburg, das mit Blues-, Soul-, Pop- und Jazz-Klängen für eine ganz besondere Atmosphäre zwischen den Redebeiträgen sorgte.

Die Ausstellung „TRIO 6“ kann bis einschließlich Sonntag, 5. November 2017, im Kloster Wechterswinkel besucht werden. Führungen finden an folgenden Sonntagen – jeweils um 14.30 Uhr – statt: 20. August, 10. September und 5. November. Die beliebte Feierabendführung „Art after work“ ist für Donnerstag, 12. Oktober, um 18.30 Uhr anberaumt.

Um den Blickfang im Innenhof des Klosters versammelten sich die 18 Künstlerinnen und Künstler zusammen mit ihren Bezirksvertretern und dem Musiker-Duo „thieme und volpert“. Foto: Klaus-Dieter Hahn