BISCHOFSHEIM

Freiraum für Interpretationen

Mit einer abwechslungsreichen und interessanten Vernissage wurde die Installation von Nico Jendrusch, Schüler des 3. Ausbildungsjahres, in der Schulgalerie im Foyer der staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer eröffnet. Auf den ersten Blick sind es nur einige Kartons, die Jendrusch aneinander gelehnt, beziehungsweise aufeinander gelegt hat. Erst die nähere Beschäftigung mit dem Objekt ermöglicht einen tieferen Zugang und Einstieg in das Thema.
Nico Jendrusch (links) hat die derzeitige Installation im Foyer der Bischofsheimer Berufsfachschule für Holzbildhauer ge... Foto: Marion Eckert

Schulleiter Kurt Haßfurter gab eine kurze Einführung in das Thema „Installation“, das er als „raumgreifendes, ortsgebundenes und oft auch orts- oder situationsbezogenes dreidimensionales Kunstwerk“ bezeichnete. Der Begriff sei Ende der 70er Jahre für räumliche Inszenierungen verwendet worden und bezeichne heute eine moderne und zeitgemäße Ausdrucksform in der Bildhauerei.

Das Kunstwerk von Nico Jendrusch sei eine typische Installation, die dem Betrachter Freiraum für eigenen Interpretationen lasse. Das Besondere an dem Projekt sei aber, dass es von der Idee über die Ausgestaltung, Dokumentation bis hin zur Organisation der Vernissage und Präsentation in der Hand des Künstlers lag.

Martin Bühner, Fachbetreuer für Kunst an der Bischofsheimer Holzbildhauerschule, hat die künstlerische Leitung der Schule inne. In seinen Ausführungen stellte er gleich zu Beginn die Frage: „Eine Installation aus Karton an der Holzschnitzschule? „Wird an der Schule nicht normalerweise in Holz geschnitzt? Die Zeit der Bildhauerei sei nicht stehen geblieben. Ich wage zu behaupten, dass heute so viele Materialien wie nie zuvor in der Darstellung von Kunst Verwendung finden.“

Daneben haben sich die Mittel einer künstlerischen Darstellung erweitert. Installationen seien ein wichtiges und weltweit geschätztes Ausdrucksmittel in der zeitgenössischen Bildhauerei geworden. Die Bischofsheimer Schule werde sich dieser Entwicklung nicht verschließen. Das sei keine Abkehr von der Tradition, sondern eine notwendige Ergänzung, um den Schülern im Laufe ihrer Ausbildung ein möglichst breites Spektrum anzubieten.

Der Künstler selbst kam natürlich auch zu Wort. Die Idee zu der Installation kam Nico Jendrusch eher zufällig. „Ich hatte ein kleines Stück Holz übrig, das ich aber nicht wegwerfen wollte.“ Er zersägte es in kleine Scheiben und so entstand das Modell. „Ich wollte es größer umsetzen und überlegte, welches Material ich verwenden könnte. Es sollte größer als ich selbst sein, aber Holz wäre viel zu schwer geworden.“ So kam er auf Pappe, probierte sich erst am kleineren Modell, experimentierte mit Gewicht und Gegengewicht und fand schließlich eine Lösung, bei der die einzelnen Elemente nur aneinander lehnen und nicht miteinander verbunden werden müssen. Viel gab es zu schneiden und zu kleben. „Vier bis fünf Wochen habe ich nur damit verbracht.“

Der innere Aufbau der stehenden und liegenden Elemente wird in der Ausstellung in einer Dokumentation vorgestellt. Doch der eigentliche Blickfang ist das Kunstwerk selbst für das der Künstler keinen Namen hat. Es soll alles offen bleiben, damit der Betrachter nicht in die eine oder andere Richtung gelenkt werde, sondern frei seine eigenen Interpretationen finden könne.

Landrat Thomas Habermann freute sich über die neuen Wege, die die Schule geht. Der Landkreis als Träger habe ein großes Interesse an der Tradition der Schule, deren Fortbestand und ihr Wirken in die Gesellschaft hinein. Bei all den tagespolitischen Themen falle Kunst und Kultur oft unter den Tisch. Wenn das Geld knapp wird, dann werde zuerst an der Kunst gespart.

Weitere Dankesworte richteten sich an den vorherigen Schulleiter Rudolf Schwarzer, der ein solides Fundament legte und viele Jahre eine tolle Arbeit an der Bischofsheimer Holzbildhauerschule leistete. „Es ist keine Schule des Mittelmaßes“, betonte Habermann. Schwarzer habe stetes hohe Ansprüche gestellt. Ein großer Dank aller Beteiligten und Redner ging an die Firma Kunert, die die Wellpappe für die Installation zur Verfügung stellte. Ein besonderer Gruß galt Andrea Brandl, Leiterin der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt, die die Schüler der Holzbildhauerschule einlud, sich bei der nächsten Trienale in der Kunsthalle Schweinfurt mit eigenen Arbeiten zu beteiligen.

Die Installation von Nico Jendrusch ist bis 18. Juli täglich von 9 bis 15 Uhr zu besichtigen. Am Sonntag, 17. Juli, findet von 13 bis 18 Uhr der Tag der offenen Tür mit Ausstellung der Abschlussarbeiten statt.

Anmeldungen für den neuen Studiengang am Herbst 2017 werden noch entgegen genommen. Weitere Infos unter: www.skulpturenschule-bischofsheim.de.