BASTHEIM

„Die Rhön verträgt 100 Prozent Bio“

Wie sieht die Praxis in einer Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld aus? In einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel Bio kann Rhön-Grabfeld?“ während der Auftaktveranstaltung in Bastheim wurden unterschiedliche Aspekte näher beleuchtet. Dabei flossen auch Fragen und Statements aus dem Publikum ein, das mehr als drei Stunden interessiert an der Veranstaltung teilnahm
An der Podiumsdiskussion nahmen (von links) Landrat Thomas Habermann, Moderator Peter Will, Bernhard Schwab, Michael Der... Foto: Regina Vossenkaul

Wie Moderator Peter Will vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt (AELF), berichtete, waren 2015 von insgesamt 1.299 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis 101 Bio-Betriebe. Dazu kommen 14 Neuantragsteller im Jahr 2016. Das bedeutet, dass 7,6 Prozent der Fläche (in Bayern knapp 7 Prozent) biologisch bewirtschaftet werden. Außerdem gebe es viele Nachfragen von umstellungsinteressierten Landwirten, berichtete Will. Biobauer Michael Derleth berichtete, dass sich seine Eltern bereits umgestellt und das nicht bereut haben. „Die Preise sind stabiler“, findet er. Er könne jetzt anwenden, was er im Studium gelernt habe und lerne immer noch aus Fehlern. Einziger Nachteil aus seiner Sicht: „Manchmal sieht?s nicht so gut aus.“

Wie der staatliche Bio-Berater Bernhard Schwab bestätigte, ist der Markt für Bio-Produkte vorhanden. Die Region sei auch trotz der Trockenheit gut für den ökologischen Anbau geeignet, weil Böden mit gutem Humusaufbau damit besser umgehen können und der Druck durch Pilzerkrankungen geringer ist. Man könne außerdem auf die Erfahrungen der „Pioniere“ zurückgreifen, die Neulinge gern beraten.

Der Sektor Vermarktung kann unter anderem über die Dachmarke Rhön intensiviert werden, in der sowohl konventionelle Bauern als auch Biobauern ihre Produkte anbieten, berichtete die Geschäftsführerin Barbara Landgraf. Das Prinzip, Silberdisteln entsprechend dem Wareneinkauf aus der Region an Restaurants zu vergeben, habe sich bewährt. Manches sei noch verbesserungsbedürftig, so das Warenangebot in den Regionalregalen der Geschäfte. Da hängt es manchmal an einfachen Dingen wie einem professionellen Etikett mit Barcode. Mehr professionelle Verarbeitungsstrukturen beispielsweise für Milch und Fleisch würden weiter bringen. „Wir müssen das Heft des Handelns in die Hand nehmen“, ist ihr Wunsch an die Öko-Modellregion.

Claus Vorndran vom Gasthaus Dickas in Bischofsheim machte auf die vielen Allergien aufmerksam und berichtete von den Kunden, die an regionalen und an Bio-Gerichten interessiert seien. Die Erholungssuchenden aus Frankfurt wollten „echte Rhön“ schmecken. „Reden sie miteinander“, forderte er die Bio-Landwirte auf. Viele seiner Kollegen würden Produkte abnehmen, man könnte gemeinsam viel umsetzen.

Geißenhofbesitzer Hans Schöneberg regte an, auf dem Kreuzberg und im Freilandmuseum Fladungen mehr Bio-Produkte anzubieten. Helmut Schwartl von der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld wünschte sich mehr bewusstseinsbildende Veranstaltungen wie diese. Wie kann man einen kleinen Dorfladen bekannter machen? Knicken die Preise ein, wenn alle Biomilch produzieren? Diese und weitere Fragen wurden gestellt. Die Frage eines Teilnehmers „Wie viel Bio verträgt denn die Rhön?“, beantwortete der Landrat mit „100 Prozent“. Das könne man aber nicht durch einen Kreistagsbeschluss herbeiführen.

Am Ende der Veranstaltung lud Projektmanager Kai Schmidt zum nächsten Workshop „Ökomodellregion Rhön-Grabfeld – gemeinsam die Region gestalten“ ein, Ort und Datum werden noch bekannt gegeben. Infos unter www.oekomodellregionen.bayern oder Tel. 09771/94308.

Öko-Modellregion

(rv) Für die Ernennung zur Öko-Modellregion musste man sich innerhalb der Initiative „BioRegio 2020“ bei der Bayerischen Staatsregierung bewerben. Insgesamt 12 Regionen wurden bisher mit dem Titel „Öko-Modellregion“ ausgezeichnet, der auch mit Zuschüssen verbunden ist.

Inhaltlich geht es um die naturverträgliche landwirtschaftliche Erzeugung einschließlich Gartenbau, Imkerei und Teichwirtschaft, Verarbeitung, Vermarktung, Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung, Information und Bewusstseinsbildung.

Die Bewerbungsunterlagen hat Prof. Eckhard Jedicke ausgearbeitet, wobei ihm der Bayerische Bauernverband Bad Neustadt zugearbeitet hat. Bereits bestehende Strukturen, auf denen man aufbauen kann, mussten nachgewiesen werden, das sind unter anderem das Biosphärenreservat, Bio-Landwirtschaft und Bio-Projekte, Landschaftspflege in Zusammenarbeit mit den Landwirten, Naturschutzprojekte, Umweltbildungseinrichtungen, erneuerbare Energien und Vermarktungsstrategien.

In einem Workshop trafen sich die zuständigen Fachleute zwecks Festlegung der Maßnahmen zur Zielerreichung, dann konnte Ende 2014 der Antrag abgegeben werden, 2015 kam die positive Antwort und seit 1. Januar 2016 ist ein Projektmanager eingestellt.