BAD KÖNIGSHOFEN

Mobilfunk und seine Auswirkungen

Dr. Cornelia Waldmann-Selsam, Ärztin aus Bamberg, und viele ihrer Kollegen sind seit Jahren mit kranken Menschen in der Umgebung von Mobilfunksendeanlagen konfrontiert. Gleichzeitig mit den Krankheitssymptomen an Menschen fielen ihr Veränderungen an Bäumen im gleichen Umkreis auf, die sie über Jahre hinweg dokumentiert hat. Jetzt stellte sie ihre Ergebnisse auf Einladung des BN-Kreisverbands in einem Referat in der FrankenTherme in Bad Königshofen vor.
Geschädigte Bäume am Kinderland: Die Messwerte im direkten Funkstrahl vom Sendemast (Mitte) sind sehr unterschiedlich un... Foto: Waldmann-Selsam

Kreisvorsitzender Helmut Bär begrüßte die Zuhörer und erinnerte daran, dass die Auswirkungen des Mobilfunks schon lange Thema beim BN sind. Er freute sich, mit Waldmann-Selsam eine absolute Fachfrau begrüßen zu dürfen. Verwundert hat ihn, dass man in der neu eröffneten Psychosomatischen Klinik in Bad Neustadt stolz darauf sei, auf jeder Etage W-LAN zu haben – diese Belastung sollte man Kranken ersparen.

Nach dem Aufbau von Sendemasten kamen Patienten in die Arztpraxen, bei denen keine andere Ursache gefunden werden konnte als die Dauerbestrahlung durch elektromagnetische Wellen. Über Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Schlafstörungen, Sehstörungen, Kopfschmerzen und „überdrehte Kinder“ klagten die Patienten. Sobald sie im Urlaub waren oder an einer unbelasteten Stelle schliefen, waren die Symptome verschwunden. 130 Ärzte unterschrieben daraufhin den so genannten Bamberg-Appell – die Behörden haben jedoch nicht reagiert. Alle Grenzwerte werden eingehalten, ist die gängige Antwort.

Wie die Ärztin berichtet, sind ihr vor allem Bäume aufgefallen, die ohne Schädlingsbefall, bei ausreichender Wasserversorgung und ohne Schäden durch Salzstreuen oder ähnliches vorzeitig schon im Juli verfärbte Blätter haben, oft nur an einer Seite, deren Krone schütter wird und Äste absterben, während unten oder an einer Seite alles grün und normal ist. Die geschädigten Bäume sind dem direkten Strahl eines Mobilfunksenders ausgesetzt.

Jahrelange Beobachtungen und Messungen mit einem Hochfrequenz-Messgerät würden zeigen, dass die Veränderungen an den Bäumen, die nach mehreren Jahren absterben und gefällt werden müssen, der Stärke der hochfrequenten Strahlung entsprechen. Kompliziert ist die Ursachenforschung, denn die Hochfrequenzstrahlung geht nicht gleichmäßig in die Umgebung. Besondere Gefährdung besteht in Hauptstrahlrichtung mit direktem Sichtkontakt zum Sendemast. Gebäude reflektieren und bilden Funkschatten, so dass von zwei nebeneinander stehenden Bäumen einer geschädigt sein kann, der andere steht im Funkschatten und ist gesund. Interessant ist, dass grüne Blätter die Strahlung teilweise absorbieren, sodass die eine Hälfte des Baumes die andere Hälfte abschirmt – irgendwann ist der Baum trotzdem abgestorben.

Auch in Bad Neustadt, Bischofsheim und Bad Königshofen war die Ärztin mit ihrem Messgerät unterwegs, mit einem Teleskopstiel hat sie die unterschiedliche Strahlenbelastung im oberen und unteren Bereich beispielsweise in Bad Königshofen im Hof des Haus St. Michael gemessen, wo der wilde Wein oben vorzeitig rot wird und untern grün ist. Eine Birke am Friedhof – im direkten Sendestrahl – ist oben abgestorben, in der Sparkassenstraße sind die Bäume im Kronenbereich geschädigt. Die Platanen im Baugebiet „Am Rennweg“ wachsen nicht richtig, haben keine harmonische Krone, sie bekommen Strahlung von Merkershausen und vom BayWa-Mast. Auch am Kindergarten hat die Ärztin im Funkstrahlbereich geschädigte Bäume gefunden. Der Spielbereich der Kinder liegt auf der Funkschattenseite, das hat sie beruhigt. Mit Bildmaterial und den entsprechenden Messwerten untermauerte die Referentin ihre Aussagen.

Diskutiert wurde anschließend über die Strahlenbelastung durch Mobilfunk, schnurlose Telefone, W-LAN, Babyphone und durch Funk am Arbeitsplatz. „Die Belastungen sind messbar und dokumentiert, aber es geschieht nichts“, so die Referentin. Angesprochen wurde von den Anwesenden auch der Plan des Wasserzweckverbands Gruppe Mitte, Ultraschallzähler in den Häusern einzubauen, die regelmäßige Funksignale abgeben. Als einen Eingriff in die Privatsphäre, weil man feststellen kann, wer wann Wasser verbraucht, wann man zuhause oder verreist ist und ähnliches und den Zwang, sich Tag und Nacht einem Funksignal auszusetzen für eine einzige Wasserablesung im Jahr verstehen das die Betroffenen und wollen sich dagegen wehren.

Auf der Seite der Bundesnetzagentur kann man alle Standorte von Mobilfunkmasten anschauen. Informationen und Links unter www.umweltinstitut.org.