MÜHLBACH

Wenn die Zahnbürste plaudert

(si) Wer denkt, mit einem Virenscanner auf dem Computer, Tablet oder Smartphone kann mir im großen world wide web ganz sicher nichts passieren -der irrt. Das war eine von vielen Erkenntnissen beim Vortrag „Anleitung zur digitalen Exekution & Gläserner Mensch“.
Unsere Welt wird wird immer vernetzter - selbst so manche elektrische Zahnbürste kommuniziert per App mit ihrem Nutzer –... Foto: Andreas Sietz

Die Wirtschaftsjunioren Rhön Grabfeld hatten mit dem Wirtschaftsinformatiker Ernst Schulten einen interessanten Gast eingeladen, der äußerst anschaulich, aber auch unterhaltsam die Risiken und Chancen der digitalen Welt anhand von realen, anonymisierten Fällen aus dem Internet aufzeigte. Die Besucher staunten nicht schlecht, als Ernst Schulten nicht nur aus dem digitalen Nähkästchen erzählte, sondern vor Ort aufzeigte, wie gläsern der Mensch, der sich im Internet bewegt, doch ist .

Und das geht schon bei ganz profanen Dingen des Alltages los. Kaufe man sich beispielsweise eine elektrische Zahnbürste, dann stehe in der Beschreibung, dass man nähere Informationen im Internet erhalte. Beginne man auf der Suche nach dem richtigen Gebrauch der Bürste zu surfen, dann wisse sofort die halbe Welt (wenn es sie denn interessiert), dass man wohl Zahnprobleme hat. „Mr. Google“ sorge dafür.

In Deutschland sind über 30 Millionen Menschen bei Facebook registriert. Grenze man dies auf Frauen zwischen 40 und 50 Jahre ein, dann seien es noch 14.000 und schrenke man das Ganze weiter auf diejenigen unter diesen Frauen ein, die sich zu einem „Stell-Dich-Ein trotz Ehe“ einlassen würden, seien es noch 6.700. Alles über ein „Digigramm“ schnell und einfach einsehbar.

Das Internet vergisst nichts und weiß alles, warnte Schulten, und wer wisse schon, dass „Whats App“ alle vier Stunden für 20 Sekunden automatisch das Mikrofon einschalte. Überall seien kleine Spione beim Interneteinkauf unterwegs, sogenannte Drittseiten, die keiner bewusst aufmacht, die aber automatisch im Hintergrund laufen und Informationen sammeln. Wenn man acht Internetseiten besuche und öffneten sich 132 automatisch.

Anschaulich demonstrierte der Referent dies, sorgte für Erstaunen, aber auch für erhebliche Unsicherheit. Denn jeder fragte sich wohl, was man über ihn selbst alles finden könnte, da in der digitalen Welt. Oft könne man selber aber überhaupt nichts dafür, sagte Schulten. Beispielsweise sei Bilderklau im Internet an der Tagesordnung. Ein schönes Bild auf der Facebookseite platziert, das lande schon mal schnell auf einer Dating- oder sogar auf einer Pornoseite.

Wer sich dagegen soweit wie möglich schützen und beim Interneteinkauf richtig sparen wolle, der solle die zehn Regeln der Webhygiene beherzigen. Den Webhygiene-Check finde man unter „www.facebook.com/webhygiene“. Apropos Hygiene, wenn ihre elektrische Zahnbürste eine App mitliefert und somit sogar selber mit dem Netz verbunden ist – dann, ja dann kann sie so richtig das Plaudern über ihre Zahngesundheit anfangen.