AACHEN/SCHÖNAU

Mit dem Rhönrad nach Teheran

Welcher Rhönradfan und Gast der deutschen Rhönradmeisterschaften in Bad Neustadt im Oktober vergangenen Jahres erinnert sich nicht an die akrobatischen Vorführungen der Aachener Rhönrad-Schauturngruppe RollAix. Mit schon recht verwegenen und artistischen Figuren und Sprüngen begeisterte die Truppe damals in der Bürgermeister-Goebels-Halle.
Die Gruppe RollAix aus Aachen hat im vergangenen Jahr bei den deutschen Rhönradmeisterschaften durch ihre hohe Kunst an ... Foto: Manfred Zirkelbach

Einer aus dieser Gruppe, der Deutsch-Perser Shahin Tiray Satadhosseini ist nun dabei, sich einen ganz und gar außergewöhnlichen Traum zu erfüllen. Am 22. Dezember ist er zu Fuß, ein Rhönrad vor sich herrollend, von Aachen aufgebrochen, um in 365 Tagen durch zwei Erdteile und 21 Länder seine frühere Heimat Teheran zu erreichen. Die Strecke über Dresden, Prag, Wien und dann der Balkanroute entlang bis Istanbul, durch die Zentraltürkei über Armenien und Baku am Kaspischen Meer bis Teheran beträgt annähernd 7.000 Kilometer.

Das Rhönrad dient dem Wanderer als Lastenträger, denn er hat sein gesamtes Reisegepäck in das Rhönrad verstaut, das er dann über Straßen und teilweise verschneiten Wege vor sich herrollt. Es kann aber auch als Wohnung dienen, denn es lässt sich eine Hängematte zwischen den Streben installieren.

Shahin ist beruflich als Fotograf und Choreograf tätig. Das Rhönrad sei aber seit seiner frühesten Jugend Lebensbegleiter gewesen, wobei er über einige Jahre als Rhönradartist sogar seinen Lebensunterhalt verdiente. Seit 1985 lebt er in Deutschland, nachdem die Familie wegen politischer Verfolgung das Land verlassen hatte. Nun möchte er mit dem Rhönrad in seine Heimat zurückkehren und dieses Sportgerät auch im Iran bekannt machen.

Er empfinde deshalb diesen Weg auch als persönlichen Pilgerweg, um Verbindungen und Freundschaften zu finden und Impulse zu setzen. Das Rhönrad sei wie kein anderes Sportgerät eine Symbiose aus Akrobatik, Tanz und Ästhetik und könne damit deutsche und persische Identität wunderbar verbinden.

Inzwischen ist Shahin im Osten Deutschlands angekommen und kämpft bei seinen täglichen Streckenabschnitten vor allem mit der Kälte und dem Schnee. Dies alles schreckt ihn aber nicht, zum Ende des Jahres hofft er in Teheran anzukommen. Nur schade, dass er auf seinem Weg nicht am Ursprungsort des Rhönrades in Schönau vorbeikommt. Freunde des Rhönrades können ihn aber täglich begleiten. Unter www.rolleast.de beschreibt er seine täglichen Erlebnisse, die er dann auch mit eindrucksvollen Fotos unterlegt.

Später will Shahin über diese außergewöhnliche Reise ein Buch verfassen. Seine Film-Aufzeichnungen werden in einer Dokumentation dann auch im Fernsehen zu sehen sein.