BRENDLORENZEN

Ein Brautkleid auf Reisen

Was passiert normalerweise mit einem Brautkleid, wenn der Tag der Hochzeit vorüber ist? In den meisten Fällen wandert es wohl in den Kleiderschrank. Dort bleibt es vermutlich für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte hängen und wird nur ab und zu zum Schwelgen in Erinnerungen herausgeholt. Vielleicht wird es nach der Hochzeit auch einfach weiterverkauft. Ganz anders dagegen ergeht es dem Brautkleid von Janina Ballali: es reist seit der Hochzeit seiner Besitzerin im Juli 2013 getreu dem Motto „Auch ein Brautkleid hat ein Recht auf Urlaub“ mit Janina Ballali und deren Mann Marc Wroblewski durch die Welt.
Janina Ballali und ihr Mann Marc Wroblewski während ihrer Flitterwochen auf Hawaii im August 2013. Foto: Privat

Während ihrer Reisen trägt Ballali ihr Brautkleid an den ungewöhnlichsten Orten, lässt sich dabei von ihrem Mann fotografieren und schreibt in der Rubrik „Ein Brautkleid auf Reisen“ ihres Blogs www.ferntastisch.de darüber. Und das mit sehr großem Erfolg: auf der zum Blog gehörigen facebook-Seite hat sie mittlerweile – rund ein Jahr nach der Gründung ihres Blogs – mehr als 4.000 Fans, auf Instagram folgen ihr bereits über 20.000 Menschen aus aller Welt.

Janina Ballali – sie stammt aus Würzburg und wohnt seit Mai diesen Jahres in Brendlorenzen – führt ein Leben, um das sie sicher viele Menschen beneiden: sie reist gemeinsam mit ihrem Mann Marc Wroblewski zu den schönsten Orten dieser Welt, dorthin, wo das blaue Meer in der Sonne glitzert und kilometerlange, feinsandige Strände zum Spazierengehen und Entspannen einladen, bloggt darüber und verdient sich dadurch parallel zu ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften Geld. „Gereist bin ich schon immer gerne, unsere erste große Reise haben Marc und ich im August 2012 in die USA unternommen.

Wir wollen einfach beide viel von der Welt sehen. Dadurch, dass ich schon während meines Erststudiums der Anglistik und Germanistik in Greifswald im Onlinemarketing gearbeitet habe, hatte ich einige Erfahrung in diesem Bereich“, sagt die 28-jährige, deren Vater übrigens gebürtiger Marokkaner ist, was vielleicht auch ein Grund für ihr Fernweh sein könnte. Im Oktober 2014 habe sie schließlich ihren Blog gestartet, erzählt sie weiter und ergänzt: „Mein Fokus liegt dabei ganz klar auf komfortablen bis luxuriösen Fernreisen, da Abenteuer- oder Backpackerurlaub einfach nicht meine Art des Reisens ist. Aus diesem Grund konnte ich mich auch mit vielen anderen Reiseblogs, die ich bereits vorher gelesen hatte, nicht richtig identifizieren und startete deshalb einfach meinen eigenen.“

Doch wie ist sie denn nun eigentlich auf die Idee ihres Projektes „Ein Brautkleid auf Reisen“ gekommen? Am Ende ihrer Flitterwochen auf Hawaii, wo Ballali das Hochzeitskleid noch einmal dabei hatte, um schöne Fotos damit am Strand zu machen, habe sie es eingepackt und zu ihrem Mann gemeint, dass sie ja von jetzt an gar keinen Grund mehr hätte, das Kleid anzuziehen, erzählt Janina Ballali: „Er sagte dann, ich solle es doch in den nächsten Urlaub einfach wieder mitnehmen, was mir als perfekte Lösung erschien – die Idee für das Projekt war geboren.“

Das Brautkleid zu transportieren sei übrigens dadurch, dass es ein recht schlichtes Modell sei, kein größeres Problem, sagt Ballali. Es werde einfach im Kleidersack zusammengerollt und im Handgepäck verstaut. Die Reaktionen der Menschen, die sehen, wie Ballali sich im Brautkleid fotografieren lässt, fielen zwar je nach Land sehr unterschiedlich aus, neugierig schauen würden aber alle, erzählt sie schmunzelnd. An eine Situation in diesem Zusammenhang erinnert sich Janina Ballali noch genau: „Einmal wollten wir ein Foto auf einem Trampolin machen, das allerdings mitten im Meer lag. Aus diesem Grund mussten wir erst mit dem Boot dort hingebracht werden. Und als wir dann dort waren, mussten wir erst einmal einige sich sonnende Menschen 'verjagen' und das im Brautkleid, das war schon etwas peinlich.“ Leider seien die entsprechenden Fotos dann nicht einmal wirklich gelungen, sagt sie, das geplante Springen auf dem Trampolin habe überhaupt nicht geklappt und sie sei bei dieser Aktion vor allem eines geworden: nass!

Etwa neun Wochen pro Jahr ist Ballali auf Reisen, zumeist zusammen mit ihrem Mann. Möglich macht das in seinem Fall eine geschickte Urlaubsplanung mit Einbeziehung von Brücken- und Feiertagen. Janina Ballali selbst ist zeitlich flexibel, da sie ihr Wirtschaftswissenschaftsstudium an einer Fernuniversität absolviert und sich so den Unterrichtsstoff relativ frei einteilen kann. Nach Beendigung ihres Studiums mit dem Masterabschluss in rund zwei Jahren möchte Ballali ihren Blog – für den sie durchschnittlich 50 Stunden pro Woche aufbringt – gerne hauptberuflich betreiben. „Es ist wirklich jetzt schon ein Vollzeitjob“, sagt sie. Schließlich hänge daran längst nicht nur das Hochladen der Bilder und Texte in den Blog, sondern auch die Pflege der entsprechenden Seiten in den sozialen Netzwerken, das Antworten auf Leserkommentare und die Suche nach neuen Reisezielen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Durch die steigende Bekanntheit ihres Blogs bekommt Ballali auch viele Aufträge von anderen Firmen, beispielsweise zum Schreiben von Werbetexten und Ähnlichem. Hin und wieder wird sie mittlerweile auch direkt von Hotels eingeladen, um über sie in ihrem Blog zu berichten, wofür sie dann zusammen mit ihrem Mann dort Kost und Logis erhält. Deutlich widerspricht Janina Ballali der Tatsache, dass Fernreisen teuer sein müssen, sie selbst suche vor einer Reise oft sehr lange im Internet nach günstigen Angeboten. Auch auf ihrem Blog finden sich aus diesem Grund viele Tipps und Hinweise zur möglichst preisgünstigen Reiseplanung.

Irgendwann einmal ganz in ein fremdes Land auszuwandern, kann sich Ballali, die seit dem Start ihres Blogs 14 und insgesamt bisher 26 verschiedene Länder besucht hat, übrigens nicht vorstellen. „Den Alltag in einem Land zu erleben, ist doch etwas ganz anderes, als nur im Urlaub dort zu sein. Vielleicht würden mein Mann und ich uns aber, wenn wir später einmal ein Kind haben, eine zwei- bis dreimonatige Auszeit an unserem Lieblingsurlaubsort Hawaii nehmen“, meint Ballali und fügt an: „Dort waren wir in unserem Flitterwochen und haben uns gleich Hals über Kopf in das Land verliebt. Uns war klar, dass wir dorthin unbedingt irgendwann noch einmal müssen.“

Irgendwann wird übrigens bereits in einigen Tagen sein: dann kehren Janina Ballali und Marc Wroblewski für einige Urlaubstage in den Aloha-State zurück. Natürlich wieder mit Brautkleid im Gepäck, versteht sich, denn wo sonst lassen sich schönere Fotos im Hochzeitskleid machen als da, wo das Projekt „Ein Brautkleid auf Reisen“ seinen Anfang genommen hat?

Der Reiseblog von Janina Ballali mit vielen Fotos, Videos, Reisetipps und der Rubrik „Ein Brautkleid auf Reisen“ ist unter www.ferntastisch.de zu finden, auf der Facebook-Seite www.facebook.com/ferntastisch/?fref=ts oder bei Instagram unter instagram.com/ferntastisch/.

Singapur Foto: Marc Wroblewski
Sri Lanka Foto: Marc Wroblewski
Malediven Foto: Marc Wroblewski
Beim Bloggen Foto: Kunzmann