BISCHOFSHEIM

Innovation und Kreativität

Zu einer guten Tradition ist der Tag der Offenen Tür zum Abschluss einer dreijährigen Ausbildungszeit der Absolventen der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim geworden. Zum Jahresabschluss präsentieren die Absolventen der Öffentlichkeit ihre Werke. Gleichzeitig wurde vom stellvertretenden Landrat Peter Suckfüll der Philipp-Mendler-Preis des Landkreises Rhön-Grabfeld an den Absolventen Raoul Muck überreicht.
Beeindruckendes Kunstwerk: Philipp-Mendler-Preisträger Raoul Muck gibt dem Publikum die dem prämierten Werk zugrunde lie... Foto: Marc Huter

„Bei unserem Tag der Offenen Tür wird ein Querschnitt des handwerklichen Ausbildungsspektrums gezeigt“, so Schulleiter Rudolf Schwarzer. Die Werke, an denen die Absolventen vor den Augen der Interessierten arbeiten, geben den aktuellen Stand ihrer Ausbildungszeit wieder. „Jeder hat andere Talente, die in der Holzbildhauerschule heraus gebildet werden“, erklärt er. Die Schule ist bestrebt, die individuell angelegten kreativen Fähigkeiten ihrer Schüler zu fördern und mit fundiertem technischen Wissen zu stärken. „Ziel der Ausbildungszeit ist es, das plastische Gestalten als persönlichen Ausdruck zu entdecken und darin eine Könnerschaft zu entwickeln“, weiß der Schulleiter.

Entsprechend spannend war der Tag der Offenen Tür auch für das interessierte Publikum. Jedem einzelnen Absolventen durften die Besucher bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Da wurde gehobelt, gemeißelt oder gemalt, je nachdem mit welchem Werk sich die Schüler beschäftigen. Alle Absolventen, die ihre Werke ausstellten, hatten vor drei Jahren einmal ihre Ausbildung in der Staatlichen Berufsfachschule begonnen und stehen nun kurz vor der feierlichen Zeugnisausgabe: Denn alle acht Absolventen haben die Prüfung bestanden, verrät Schulleiter Rudolf Schwarzer bereits.

Ein handwerkliches Kunstwerk des Absolventen Raoul Muck wurde in diesem Rahmen besonders ausgezeichnet. Seit 2003 vergibt der Landkreis Rhön-Grabfeld nämlich den Philipp-Mendler-Preis. Der damalige Landrat Fritz Steigerwald hatte entschieden, dem Willen der Familie Mendler stattzugeben und einen Schulpreis in Erinnerung an den ehemaligen Schulleiter Philipp Mendler zu stiften. „Ausgezeichnet werden sollten, so waren sich Familie und Landrat einig, die Bemühungen junger Nachwuchskünstler im Bereich der Fortentwicklung von Praxis und Lehre gegenüber der anstehenden Bildhauerei“, so Schwarzer.

Der stellvertretende Landrat Peter Suckfüll überreichte den mit 250 Euro dotierten Philipp-Mendler-Preis an Raoul Muck. Seine Arbeit zeigt einen massiven, etwas 150 Kilogramm schweren Würfel aus Basaltbeton, der mit je einer in Richtung Decke und Richtung Boden zeigenden Ecke in einem Gefüge aus sechs nahezu identischen Kanthölzern sitzt. Er wird gewissermaßen gefasst, getragen oder gestützt von dieser Holzkonstruktion, die aus Sibirischer Lärche gefertigt ist, und deren Einzelteile durch das Prinzip des Kreuzblattes, einer traditionellen Holzverbindung untereinander Halt und Festigkeit bekommen. Der Preisträger habe durch innovatives Handeln und Kreativität seine außerordentliche Begabung ausgebildet. Schulleiter Schwarzer lobte die beeindruckende Eigenschöpfung und brachte seinen Stolz darüber zum Ausdruck. Er wünscht sich, dass die Absolventen auch zukünftig der „Spur der Geschichte der Kunst“ folgen.

Georg Seiffert, der zweite Bürgermeister der Stadt Bischofsheim, brachte ebenfalls viel Lob Seitens der Stadt für den Preisträger. Er bezeichnete die Staatliche Berufsfachschule für Holzbildhauer als „Juwel“ in Bischofsheim, die einzigartig im gesamten bayerischen Raum ist.

Die drei vorhandenen Bildhauerklassen in der Holzbildhauerschule, die innerhalb von drei Jahren die Ausbildung zum staatlich anerkannten Holzbildhauer absolvieren, werden von Lehrkräften mit Kunsthochschulabschluss bzw. Meisterprüfung im Holzbildhauerhandwerk unterrichtet. Als moderne Schule orientiert sich die Bischofsheimer Schule an der zeitgenössischen Formensprache.