LANGENLEITEN

Wie ein theologischer Disput

Ein überlebensgroßer Martin Luther sitzt im Garten von Klaus und Heike Metz. Neben ihm ein nicht minder beeindruckender Philipp Melanchthon. Beide scheinen in einen theologischen Disput verwickelt zu sein. Luther verweist auf die Bibel, zwei Finger liegen hinweisend auf dem Buch der Bücher und zeigen einen der theologischen Grundsätze der Reformation sola scriptura (lat. „allein durch die Schrift“) auf. Der Theologe, Philosoph und Humanist Philipp Melanchthon, dargestellt mit Schriftrolle, scheint etwas zu erwidern.
Es schient, als führen Martin Luther und Philipp Melanchthon im Garten von Klaus Metz einen theologischen Disput. Die üb... Foto: Eckert

Luther und Melanchthon sind einander wirklich begegnet. Und zwar im Jahr 1537 in der thüringischen Stadt Schmalkalden, die zur Reformationszeit noch zu Hessen gehörte. Noch heute ist sie Teil der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. 1531 wurde hier der Schmalkaldische Bund gegründet, ein Verteidigungsbündnis der protestantischen Fürsten gegen Kaiser Karl V.. Insgesamt sieben Bundestagungen wurden in Schmalkalden abgehalten.

An der herausragendsten im Jahr 1537 nahmen auch Martin Luther und Philipp Melanchthon teil. Luther legte hier die Schmalkaldischen Artikel vor, die er im Auftrag des sächsischen Kurfürsten verfasst hatte. In drastischen Worten entfaltet er darin das Wesentliche seiner Theologie, in scharfer Abgrenzung zur römisch-katholischen Kirche. Auch wenn der Bund schließlich zerbrach, die evangelischen Bündnistruppen gegen die Armeen des Kaisers im Schmalkaldischen Krieg 1547 verloren, fanden die Schmalkaldischen Artikel Eingang in das Konkordienbuch der evangelischen Kirche. Noch heute werden die meisten evangelisch-lutherischen Pfarrer weltweit darauf ordiniert.

Die Bronzefiguren von Klaus Metz erinnern nun an einen Disput zwischen Luther und Melanchthon. Zwei Jahre hat der Langenleitner Künstler an den Figuren gearbeitet. Vom ersten kleinen Entwurf, über Gipsplastiken bis hin zu den fertigen mehrere Tonnen schweren Figuren. Angefertigt wurden die Figuren im Auftrag der Stadt Schmalkalden für den Eingangsbereich der Landesgartenschau, die am morgigen Samstag eröffnet wird und bis Anfang Oktober zu sehen sein wird. Nach Abschluss der Landesgartenschau werden die Figuren eine Reise zu den wichtigsten Luther-Städten antreten, um schließlich wieder zurück in Schmalkalden ihren endgültigen Platz zu finden.

Lange habe sich Klaus Metz mit dem Thema befasst, doch von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass er keine abstrakten Figuren schaffen möchte, sondern die Figuren so ins Gedächtnis rufen möchte, wie sie in der Kunst sei Jahrhunderten überliefert sind. Ausführlich habe er sich mit Luther- und Melanchthon-Darstellungen aus früheren Jahrhunderten befasst und sie schließlich mit den markanten Attributen und doch in einfachen und klaren Formen geschaffen.

Dass er dabei trotzdem die menschlichen Maße bewusst verlassen hat, fällt erst auf den zweiten Blick auf. „Ich musste überlebensgroße Figuren schaffen, um die entsprechende Wirkung zu erzielen. In Normalgröße würden die Figuren mickrig wirken“, erklärte Klaus Metz. Einfache und schlichte Formen, Klarheit im Ausdruck, ausschließliche Konzentration auf die Porträts waren Klaus Metz wichtig. Auf der einen Seite müsse zurück genommen werden, um auf der anderen Seite Wirkung zu erzielen. So sind die Gewänder betont schlicht, die Gesichter dagegen ausdrucksstark und detailreich dargestellt. „Sie sollen anregen, sich mit den Personen auseinander zu setzen. Es soll im Idealfall zwischen Figur und Betrachter ein Dialog entstehen.“

Neben Luther und Melanchthon zieht eine weitere Bronzefigur die Aufmerksamkeit auf sich. Eine wunderschöne Frau, die eine Hand liegt auf dem Herzen, in der anderen hält sie eine Rose. Trauer, Liebe, Abschied nehmen – diese Begriffe fallen dem Betrachter spontan ein. Es handelt sich um die Heilige Elisabeth von Thüringen. Auch sie wurde von Klaus Metz für die Landesgartenschau in Schmalkalden geschaffen. Von der Heiligen Elisabeth ist überliefert, dass sie ihren Gatten den Landgrafen Ludwig von Thüringen sehr liebte. Überliefert ist außerdem, dass sie in Schmalkalden ihren Gatten in den Kreuzzug verabschiedete und nie wieder sah. Selbst der genaue Platz ist bekannt, es soll vor dem heutigen Hessenhof gewesen sein.

Auch wenn zwischen Elisabeth von Thüringen und Luther mehr als 300 Jahre liegen, so gehören sie doch beide nach Schmalkalden. Die katholische Heilige und der Reformator, dazu der Humanist Melanchthon – eine illustere Runde, die Klaus Metz da geschafften hat. Eine außergewöhnliche Arbeit, die den Ruf Rhöner Bildhauerkunst nach Thüringen trägt.