BAD NEUSTADT

Vom Abfall zum wertvollen Biogas

„Wow, das sieht ja fast aus wie flüssige Schokolade“, bemerkte ein Mädchen mit Blick auf ein Foto, das Professor Frank Scholwin aus Weimar den Jungstudenten bei seiner Kinderuni-Vorlesung zum Thema „Wie wird aus einer Bananenschale Licht oder Fahrzeugkraftstoff“ zeigte.
Vom Abfall zum wertvollen Rohstoff: Professor Frank Scholwin erläuterte den Kindern, wie aus einer Bananenschale, die ma... Foto: Kunzmann

Was tatsächlich beinahe aussah wie die süße Köstlichkeit, war in Wahrheit natürlich keine Schokolade, sondern „pürierter Biomüll“, wie er in einer Biogasanlage entsteht. Deren Funktionsweise erklärte der Referent den Kindern in seinem Vortrag, in den sie natürlich auch wieder, wie bei der Kinderuni üblich, aktiv eingebunden waren.

Der Kontakt zum Referenten war Petra Bieber, Mitinitiatorin der Bad Neustädter Kinderuni, einmal mehr von der „Forschungsbörse der Wissenschaftsjahre“ mit Sitz in Berlin, die das Projekt auch finanziell fördert, vermittelt worden.

Anhand einer anschaulichen Präsentation mit vielen Bildern erläuterte Professor Scholwin, der in Weimar ein eigenes Institut für Biogas betreibt, den jungen Studenten die verschiedenen Möglichkeiten Strom, Wärme und Fahrzeugkraftstoff aus fossilen und erneuerbaren Energiequellen zu produzieren. Doch wie genau wird denn aus der Bananenschale vom Küchentisch nun eigentlich Biogas?

Darüber wussten viele der Jungstudenten schon erstaunlich gut Bescheid: „Naja, ich glaube, da werden so spezielle Stoffe aus der Schale herausgezogen und mit Bakterien dann das Gas erzeugt“, meinte ein Junge und ein anderer ergänzte, dass die Bakterien sozusagen „furzen“ würden, wobei sie schließlich das Gas freisetzen würden. Professor Scholwin, der vom Vorwissen der Kinder beeindruckt war, erklärte weiterhin, dass die „fröhlichen“ Bakterien oder auch Mikroorganismen, die in der Biogasanlage „leben“, einen Teil der Banane bzw. des anderen Biomülls, der in großen Haufen in der Biogasanlage gesammelt werde, „fressen“ würden und anschließend das Biogas ausstoßen würden.

„In einer Biogasanlage können beispielsweise aus einer Banane oder drei ihrer Schalen neun Liter Biogas entstehen, mit dessen Strom man eine Energiesparlampe neun Stunden lang betreiben kann“, sagte der Referent und beeindruckte seine jungen Zuhörer damit sichtlich.

„Wieso betreibt man denn eigentlich Biogasanlagen statt mit Bioabfällen nicht einfach mit Kühen, wenn die beim Pupsen doch ebenfalls Methan – also Biogas – produzieren?“ wollte eine Jungstudentin wissen, woraufhin Scholwin ihr und den anderen Kindern erklärte, dass dies nicht gehe, da es für die Kuh tödlich sei, das von ihr ausgestoßene Methan einzuatmen. „Man könnte der Kuh ja auch einfach so eine Atemschutzmaske überziehen, wie die Feuerwehrleute sie haben. Oder sie sozusagen in der Mitte abbinden, damit sie das Methan nicht einatmet“, empfahl ein anderer Junge. Da dies aber zugegebenermaßen der Kuh vermutlich nicht sehr gefallen würde und auch relativ schwierig zu verwirklichen sei, wie der Referent anmerkte, werde man wohl auch in Zukunft auf andere Stoffe zum „Füttern“ der Biogasanlage zurückgreifen müssen.

Dies dürfte auch keinerlei Problem darstellen, bietet die Natur doch auch wirklich reichlich davon. So könne man, wie der Referent den Kindern erklärte, in der Biogasanlage mit nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais oder Blumen, mit Tier- und Menschenkot und natürlich mit Bioabfall – zu dem auch die Banane gehört – in der Biogasanlage Biogas herstellen, dass dann als Strom- oder Wärmequelle sowie als Fahrzeugkraftstoff genutzt werden kann.

Am Samstag, 20. Juni, bietet die Kinderuni für alle interessierten Jungstudenten eine Exkursion ins Steigerwaldzentrum an, zu der man sich ab sofort persönlich bei Petra Bieber oder Dr. Kai Uwe Tapken sowie zu den üblichen Öffnungszeiten im Büro der Volkshochschule unter Tel. 09771/9106400 anmelden kann.