BAD NEUSTADT

Selbstverständlich möchte er 100 werden

„Der Nachbar – er ist schon gestorben – hat immer gesagt: Der Habermann wird mal 100. Er soll recht behalten.“ Mit diesem unerschütterlichen Optimismus sieht Dr. Georg Habermann seiner Zukunft entgegen, die diesen Samstag mit seinem 95. Geburtstag beginnt.
Ein Hoch auf den Jubilar. Dr. Georg Habermann feiert am Samstag seinen 95. Geburtstag. Foto: Habermann

Seinen Ehrentag wird seine große Familie mit ihm begehen, daher wird jeder mögliche Besucher gebeten, darauf Rücksicht zu nehmen und erst im Laufe der kommenden Woche seine Glückwünsche auszusprechen. Denn 95 Jahre, das ist ein Alter, in dem selbst bei Georg Habermann die Vitalität ein wenig nachgelassen hat.

Aber der Geist funktioniert noch prächtig, das stellt er bei jedem gelösten Sudoku-Rätsel fest, und das Interesse am öffentlichen Leben ist ungebrochen. „Ich bin darauf angewiesen, was Ihr so in die Zeitung schreibt“, nimmt er seinen auf Haus und Garten beschränkten Aktionsradius gelassen hin. Wobei er natürlich den Vorteil hat, dass ihn sein Sohn Thomas als Landrat aus erster Hand informieren kann.

„Das ist doch ein Schmarrn“, wehrt er sich ein wenig dagegen, dass nun auch er seit einiger Zeit auf Anordnung seiner Mediziner-Tochter Medikamente nehmen soll. Das hindert ihn aber nicht daran, die Weisheit „Vor vier kein Bier“ nicht mehr ganz so streng wie früher auszulegen und am Abend ein Schöppchen zu genießen.

Weil Dr. Georg Habermann das Leben liebt, hat es auch das Leben mit ihm gut gemeint. So ist ihm beispielsweise die seltene Gnade vergönnt, dass er sein Alter mit seiner 93-jährigen Frau Mathilde teilen darf. Die beiden sind seit 67 Jahren verheiratet und haben ihren vier Kindern Werte für eine Lebensgestaltung vermittelt, in der Familienzusammenhalt eine zentrale Rolle spielt.

Acht Urenkel (davon sieben Mädchen) haben hier ihren Platz, vom Geist des Großvaters besonders inspiriert wurden drei Enkelinnen, die beruflich in seine medizinischen Fußstapfen traten. „Ich habe zwei Kinder im Pensionsalter“, wundert sich Habermann selber ein wenig über den Lauf der Zeit.

In ihn eingetreten war er am 11. April 1920 in Altdorf bei Nürnberg. Er wuchs in Schweinfurt auf und studierte während des Zweiten Weltkriegs in der Sanitätskompanie Medizin. Nach einem Jahr am Schweinfurter Krankenhaus hatte er den großen Wunsch, sich satt zu essen, und fand dazu in Waldberg in einer ländlichen Praxis die beste Gelegenheit. Seine Freizeit nutzte er dort zur Gründung des Kirchenchors.

1959 kam Habermann ans Kreiskrankenhaus Bad Neustadt und wurde hier Chefarzt der Inneren Medizin. Aus kleinen Anfängen baute er die Abteilung mit viel Herzblut und Energie auf und begann seinen Arbeitstag morgens um 6 Uhr am Schreibtisch. Ab 8 Uhr hatte er dann seinen Kopf frei für die wesentlichen Dinge, zu denen unter anderem die Einrichtung der Dialyse-Station gehörte, die 1972 nach Würzburg die zweite überhaupt im weiten Umkreis war.

Über sein berufliches Engagement hinaus stand Habermann der Domschule Würzburg als Referent zur Verfügung, außerdem hielt er in Bad Neustadt Eheseminare. Nach seiner Pensionierung leitete er noch zwölf Jahre die Sozialstation St. Laurentius.

Wer erlebt hat, wie humorvoll Habermann auf 95 Jahre zurückschaut, ist sich fast sicher: Zum 100. sehen wir uns wieder.

Die Rhön- u. Saalepost schließt sich gerne allen guten Wünschen an.