BAD NEUSTADT

Grundversorger haben es zunehmend schwer

Sollte die Kreisklinik beim Landkreis Rhön-Grabfeld bleiben, werde sie es in Zukunft immer schwerer haben, genügend Patienten zu gewinnen. Das ist eine der Aussagen von Professor Dr. Günter Neubauer aus seinem Gutachten bezüglich der geplanten Übernahme der Kreisklinik durch die Rhön-Klinikum AG. Spätestens nach Fertigstellung des neuen Campus würden die Patienten viel lieber in den Neubau des Rhön-Klinikums gehen als in die langsam älter werdende Kreisklinik.
Ein Landkreis mit so einem Investor sei im Vorteil. Krankenhausgutachter Professor Günter Neubauer. Foto: Kritzer

Im Kreistag stellte Neubauer sein mit viel Spannung erwartetes Gutachten vor. Lediglich die Fraktion von Bündnis 90/Grüne kritisierte, dass hiermit ein Gutachten zur geplanten Übernahme erstellt wurde und nicht ein Alternativkonzept wie eigentlich angedacht. Günter Neubauer prophezeit der Kreisklinik einen existenziellen Patientenschwund zwischen zehn und 30 Prozent, wenn Rhön seinen neuen Campus fertig gestellt hat: „Wenn das Spektrum oben auf dem Berg breiter wird, denn gehen mehr Menschen hoch“, sagte Neubauer. „Der neue Campus macht die Kreisklinik nicht neuer.“

Der Professor vom Institut für Gesundheitsökonomik IfG aus München stellte ein eigens erstelltes Bewertungsverfahren im Punktesystem mit mehreren Optionen vor. Bliebe die Kreisklinik beim Landkreis würden erhebliche Kosten für Sanierung und Ausbau auf Kreis wie Städte und Gemeinden zukommen. Zudem könnte die derzeit mit Belegärzten aufrecht erhaltene Geburtshilfe kaum in die Zukunft getragen werden, weil es hierfür in Deutschland nur noch wenige Ärzte gibt.

In Option zwei sieht Neubauer sowohl kurzstationäre Behandlung oder ein ambulantes Behandlungszentrum in den Räumlichkeiten der Kreisklinik verbleiben, allerdings auch hier unter Federführung des Rhön-Klinikums. Option drei wäre die komplette Übernahme durch den Klinikkonzern.

Sowohl Option zwei mit ihren beiden Alternativen wie auch Option drei sind nach Aussage von Günter Neubauer am nahe liegendsten, wenn er auch stets lediglich eine Empfehlung aussprechen wollte, keine Entscheidungsgrundlage. Eine Übernahme der Kreisklinik präferierte Neubauer dennoch: „Der Landkreis hat einen riesigen Vorteil, wenn er so einen Investor aufbieten kann.“

Kritik am Gutachten wie Gutachter äußerte Kreisrat Dr. Thomas Smolin (FDP) und stellte Günter Neubauer als Freund der privaten Krankenhäuser dar. Auch eine Bekanntschaft zu Rhön-Klinikum-Gründer Eugen Münch warf Smolin dem Gutachter vor. Seinem Antrag auf ein weiteres Gutachten eines selbst vorgeschlagenen Instituts aus Gütersloh wollte der Kreistag aber nicht folgen.