STRAHLUNGEN

Verhandlungen nicht abgeschlossen

Noch laufen die Verhandlungen und noch steht nichts fest. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass die Kreisklinik schon bald zum Rhön-Klinikum gehören wird. Über den Stand der Verhandlungen mit dem Klinikkonzern, über Gründe für und gegen einen Verkauf sowie über die Krankenhaussituation der Zukunft tauschte sich der Kreisrat aus. Kurzfristig wurde diese wegen des erwartet hohen Zuhöreraufkommens in die Günter-Burger-Halle nach Strahlungen verlegt.
Kreistagssitzung mit zahlreichen Zuhörern in der Günter-Burger-Halle in Strahlungen. Im Mittelpunkt der Sitzung stand de... Foto: Kritzer

Ob die Kreisklinik schon bald in den Neubau des Rhön-Klinikums integriert wird, wurde noch nicht entscheiden. Rund sechs Stunden nahm sich der Kreistag Zeit, das Für und Wider einer Übernahme abzuwägen. Gekommen waren zu der Sitzung auch zahlreiche Mitarbeiter der Kreisklinik, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen.

Landrat Thomas Habermann konnte als Referent den Vorstandsvorsitzenden der Rhön-Klinikum AG, Dr. Martin Siebert ebenso begrüßen wie den Ärztlichen Direktor der Neurologischen Klinik, Professor Bernd Griewing und Geschäftsführer Burkhard Bingel. Vorstand wie Geschäftsführung des Klinikkonzerns stellten umfassend dar, wie die Kreisklinik in den neu entstehenden Campus integriert werden könnte, wenn es denn zu einer Übernahme kommt.

Mit Spannung erwartet wurde auch das von der Fraktion der Grünen initiierte Gutachten, das Professor Dr. Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik aus München vorstellte.

Thomas Habermann hob nochmals die Bedeutung des Unternehmens Rhön-Klinikum für den Landkreis Rhön-Grabfeld hervor und betonte, dass die Aktiengesellschaft mit rund 2.500 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Region sei. Die Investition von mehr als 150 Millionen Euro in den Neubau des Campus nannte Habermann nicht selbstverständlich: „Wenn das umgesetzt wird, ist dies die größte Investition, die je ein Unternehmen im Landkreis getätigt hat.“ Der Landrat dankte dem Rhön-Klinikum, das sich seit seiner Gründung stets zum Standort Bad Neustadt bekannt habe und dies mit der Baumaßnahme auch in Zukunft tut. Mit dem Neubau des Campus ergäbe sich nun eine Chance, in diesen auch die Kreisklinik zu integrieren und damit fit für die Zukunft zu machen.

Der Campus des Rhön-Klinikums wird gebaut, daran ließ Martin Siebert keinen Zweifel. Ob allerdings die Kreisklinik mit in das Neubaukonzept integriert wird, das musste Siebert noch offen lassen. Wenn er auch aus seinen Präferenzen keinen Hehl machte: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“, so der Vorstandsvorsitzende. Dies betrifft allerdings nur die Kreisklinik innerhalb des Campus. Am alten Gebäude in der Goethestraße äußerte das Rhön-Klinikum kein Interesse.

Während sich die Fraktionen der CSU und der Freien Wähler klar für eine Übernahme der Kreisklinik aussprachen, kam Kritik vor allem von Seiten der FDP, den Grünen und der SPD.

Dr. Thomas Smolin (FDP) beantragte, ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben, da er den mit Rhön-Klinikum-Gründer Eugen Münch gut bekannten bisherigen Gutachter Neubauer nicht als richtige Person in dieser heiklen Frage ansieht. Mit seinem Antrag konnte sich Smolin aber nicht durchsetzen. Ebenso scheiterte ein von Egon Friedel (SPD) gefordertes Ratsbegehren an der Mehrheit aus CSU und Freien Wählern im Kreistag. Der SPD-Fraktionssprecher wollte die Bürger selbst in einem von der Verwaltung im Landratsamt formulierten Entscheid bezüglich der Übernahme entscheiden lassen: „Wir wollen die Bevölkerung aktiv in die Entscheidung mit einbeziehen“, sagte Friedel. Eine Beteiligung der Bürger an den Übernahmeplänen könnten sich auch die Grünen und die FDP sehr gut vorstellen. Der Kreistag lehnte diesen Weg aber in der Sitzung ab.

Nachgehakt wurde von Egon Friedel auch in Sachen Mitarbeiterübernahme. Bis Ende 2018 seien alle Arbeitsplätze in der Kreisklinik vertraglich gesichert, betonte Landrat Thomas Habermann. Auch bei einer Übernahme durch das Rhön-Klinikum sieht der Landrat keinen Verlust von Arbeitsplätzen aus den Reihen der Kreisklinik.

Claudia Dues von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris Revision stellte im Auftrag des Landkreises den Zeitplan der Übernahme dar. Am 30. Juli vergangenen Jahres hatte das Rhön-Klinikum sein „indikatives Angebot“ für die Übernahme der Kreisklinik dem Landkreis vorgelegt. Zwei Verhandlungsrunden hat es seitdem gegeben. Kommt es zur Übernahme, wird diese im laufenden Betrieb passieren und zwar spätestens zum 1. Januar 2016, also noch vor dem Bau des neuen Campus. Über den Kaufpreis sei noch nichts bekannt. Claudia Dues: „Die Transaktionssumme muss noch verhandelt werden.“