MELLRICHSTADT

Muttertags-Benefizkonzert war ein voller Erfolg

Für Musicalfreunde und vor allem Liebhaber von Jazz, Swing und Blues gab es am Sonntag in der Mellrichstädter Oskar-Herbig-Halle einen wahren Leckerbissen. „Rhapsody in Blue – Gershwin meets Big Band“ lautete der Titel des Benefizkonzerts am Muttertag, zu dem der Lions-Club Bad Königshofen eingeladen hatte und bei dem die All-Star-Big-Band der Kreismusikschule und der Berufsfachschule für Musik aus Bad Königshofen, Pianist Michael Lörcher und Sängerin Nadja Steinhardt ihr atemberaubendes Können unter Beweis stellten.
Sängerin Nadja Steinhardt, Tochter der Lions-Club Präsidentin, und Pianist Michael Lörcher brachten die Werke George Ger... Foto: R. Rautenberg

„Hin und weg“ sei Hildegard Steinhardt, diesjährige Präsidentin des Lions-Clubs Bad Königshofen, angesichts des Publikumszuspruchs gewesen. Tatsächlich mussten fast bis zum ersten Ton noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden, so dass jeder Zuhörer einen Platz finden konnte.

Der gesamte Erlös des Konzerts kommt dem Hilfsprojekt „Ein-Dollar-Brille“ zu Gute. 150 Millionen Menschen weltweit können sich trotz einer starken Fehlsichtigkeit keine Brille leisten, Kinder können nicht zur Schule, Erwachsene ihren Beruf nicht ausüben. Genau dort soll das Projekt helfen, bei dem die Menschen vor Ort selbst Brillen mit Material im Wert von rund einem Dollar herstellen.

Vielen Tausenden sei so schon geholfen worden, wie Moderatorin Brigitte Schmidt im Laufe des Konzerts erklärte. Über die Hilfsaktion konnte man sich während der Pause an einem Infostand einen Eindruck verschaffen und sogar selbst eine der Ein-Dollar-Brillen anprobieren, die nicht nur praktikabel sind, sondern auch noch modisch schick aussehen.

Als Gast unterstützte man also einen guten Zweck und dafür wurde man mit einem Konzert der Extraklasse belohnt. Die Musiker, die alle an der Musikschule in Bad Königshofen ausgebildet wurden oder noch werden, haben sich in dieser Formation eigens für den Auftritt zusammengefunden und mit nur minimaler Probenzeit ein eindrucksvolles Programm zusammengestellt. Mit bekannten Melodien, mal mitreißend und flott, mal gefühlvoll oder gar melancholisch, vergingen drei Stunden Konzert wie im Flug, und auch nach drei Zugaben hätte man gerne noch weiter gelauscht.

Ein ums andere Mal fühlte man sich in das Amerika der 20er bis 60er Jahre versetzt, wenn man beispielsweise gleich zu Beginn mit den berühmten Melodien aus dem Musical „Cabaret“ begrüßt wurde, oder Nadja Steinhardt kokett, fast schon in Marlene-Dietrich-Manier, Evergreens wie „Diamonds are a girl's best friend“, „Singing in the rain“ oder „Fever“ anstimmte. Die aus Bad Neustadt stammende Sängerin, die momentan ein Master-Studium an der Akademie für Musik und Theater in München absolviert, zeigte auch ihr klassisches Können bei der Arie „Habanera“ aus Bizets „Carmen“, die Gänsehaut-Stimmung hervorrief.

Schwerpunkt des Konzerts bildeten die Werke von George Gershwin. Mit „Lorelei“, „Blah Blah Blah“, „Somebody loves me“ und „Summertime“ aus der Folk-Oper „Porgy and Bess“ interpretierte Steinhardt gleich vier Songs des Amerikaners mit russisch-jüdischen Wurzeln, ehe die Big Band gemeinsam mit Pianist Michael Lörcher den namensgebenden Höhepunkt des Konzerts anstimmte. Die „Rhapsody in Blue“ ist ein Stück Musikgeschichte und wurde von den Musikern unter der Leitung von Udo Schneider, dem „tollsten Big-Band-Leader aus ganz Nordfranken“, wie ihn Moderatorin Schmidt ankündigte, perfekt intoniert. Lörcher, seit der Gründung 1982 Dozent für Klavier an der Königshöfer Musikschule, glänzte am Piano und erntete dafür einen verdienten, minutenlangen Sonderapplaus.

Für Freunde des Musicals und des Musiktheaters waren mit der „Moritat von Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, „America“ und „Somewhere“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ oder dem emotionalen „Memory“ aus Andrew Lloyd Webbers „Cats“ zusätzliche Glanzpunkte dabei. Und bei einem Big-Band-Konzert darf natürlich auch Glenn Miller nicht fehlen, der mit „American Patrol“ und „In the mood“ vertreten war.

Mit stehenden Ovationen und Jubelstürmen wurden die Künstler bedacht. „Wahnsinn, wunderschön“ waren die einzigen Worte, die eine sprachlose Hildegard Steinhardt fand, während sie sich mit Blumensträußen und kleinen Geschenken bei den „exzellenten Musikern“ für einen Auftritt bedankte, der lange in Erinnerung bleiben wird.