OSTHEIM

Breite Allianz gegen Genmais

„Kein Gentechnikanbau. Wir bleiben sauber!“ hieß es am Freitagabend vor der Markthalle in Ostheim. Eine breite Allianz der Gegner des Anbaus von genveränderten Pflanzen traf sich zu einer Demonstration anlässlich des Besuchs von Albert Dess, Abgeordneter im Europaparlament und Agrarpolitischer Sprecher der EVP in Brüssel. Mitglieder des Bayerischen Bauernverbands, des Bund Naturschutz, der Imker Rhön-Grabfeld, des Bioanbauverbands Naturland e. V. sowie Vertreter der Jäger, Kommunalpolitiker und interessierte Bürger waren gekommen, um ihre Meinung zu bekunden.
Ab in die Tonne: Die EU-Beschlüsse bezüglich der Anbaugenehmigung der Genmaissorte 1507 gehören in den Abfall, fanden di... Foto: Vossenkaul

Auf Plakaten und Bannern zeigten die rund 100 Anwesenden ihre Meinung. Hintergrund der Veranstaltung ist die befürchtete Anbauzulassung in der EU für den umstrittenen Genmais 1507 der Firma Pioneer. „Wir brauchen keinen genveränderten Mais“, sagte der BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel, der es manchmal schwierig findet nachzuvollziehen, wie Politiker denken. Obwohl fast die ganze Bevölkerung dagegen ist, hat sich Deutschland bei der entsprechenden Abstimmung der Stimme enthalten und so den Weg frei gemacht für die Befürworter. Jetzt steht die Maissorte vor der Zulassung.

In der Kreisvorstandschaft habe man darüber beraten, ob man der Anregung durch den Kreisverband des Bund Naturschutz, mit dem man gut zusammenarbeite, eine Demo zu organisieren, folgen sollte, berichtete Klöffel. Schnell war klar, dass sich der BBV „den Hut aufsetzen“ würde, „denn 80 Prozent der Rhön-Grabfelder Bauern bekennen sich sogar schriftlich zum gentechnikfreien Anbau“. In Rhön-Grabfeld habe man eine sehr kleinteilige Struktur, wer gentechnisch verändertes Saatgut anbaut, würde die Nachbarschläge verunreinigen. „Wir haben sehr gutes Saatgut und können den Maiszünsler durch abwechslungsreiche Fruchtfolge vermeiden“, so Klöffel. Die Maissorte 1507 bildet einen Giftstoff gegen den Schädling aus und ist resistent gegen ein bestimmtes Herbizid (Unkrautvernichter), das würde bedeuten, der Landwirt mache sich abhängig von dem Konzern, der das Saatgut und das Spritzmittel verkauft. „Das ist nicht im Sinne eines freien Landwirts“, so Klöffel.

„Gentechnikfrei“ könnte auch zu einem Qualitätsmerkmal werden, das sich auszahlt, gab der Kreisobmann zu bedenken. Erfahrungen in anderen Ländern hätten gezeigt, dass sich die Schädlinge an das von der Pflanze gebildete Gift gewöhnen, deshalb bringe der Genmais die Landwirte nicht weiter. Klar sei, „wer keinen Fruchtwechsel vollzieht, bekommt Probleme“. Die Vielfalt müsse erhalten bleiben und man müsse Rücksicht auf die Nachbarn nehmen. Die Auswirkungen der Genpflanzen seien noch lange nicht klar. Er rief alle Landwirte dazu auf, auf den Anbau von genveränderten Sorten zu verzichten. Auch in den Biogasanlagen wolle man keinen Genmais, das sei sogar Bestandteil aller Lieferverträge im Landkreis.

Landrat Thomas Habermann hatte die Plakette „Gentechnikanbaufreier Landkreis“ mitgebracht, die auf Anregung des BN erworben wurde. Der Landrat verlas die Beschlüsse des Kreistags, der im Dezember 2011 der Initiative „Gentechnikanbaufreie Kommune in Bayern“ beigetreten war und sich dazu bekannt hatte, alle eigenen Flächen entsprechend zu bewirtschaften oder bewirtschaften zu lassen. Außerdem wurden die Landwirte dazu ermutigt, freiwillig auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu verzichten.

In einem Ausschuss wurde noch einmal beschlossen, diese Klauseln in alle Pachtverträge für land- und forstwirtschaftliche Flächen aufzunehmen. „Niemand kann das Restrisiko beurteilen, deshalb sollte man davon absehen“, sagte der Landrat. Es stünden erhebliche wirtschaftliche Interessen dahinter, „denen müssen wir nicht auf den Leim gehen“. Er fand es gut, dass hier eine einheitliche Meinung vertreten werde. Auch die EU-Kandidatin Barbara Becker, die sich an der Demo beteiligte, sei gegen den Genmaisanbau. Gemeinsam sei man stark und werde auch gehört.

Der Gift produzierende Mais verkürze die Lebensdauer der Honigbiene um die Hälfte, das sei schon erforscht, berichtete die Vorsitzende des Imker-Kreisverbands Rhön-Grabfeld, Sonja Heinemann. Sie erinnerte daran, dass ein Drittel der Nahrungsproduktion von der Bestäubungsleistung der Bienen abhängig ist. Die EU-Verantwortlichen sollten ihre Meinung noch einmal ändern. „Wir sagen nein“, war auch vom BN-Kreisgeschäftsführer, Karl-Heinz Claaßen zu hören, der sich bei allen bedankte, die sich an diesem breiten Bündnis beteiligt haben.

Wegen eines Staus traf der EU-Abgeordnete Albert Dess, der auf Einladung des CSU-Ortsverbands und der AGL (Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft) nach Ostheim kam, erst später als erwartet ein. So traf er nur noch wenige Demonstranten an, stellte sich jedoch später in der Markthalle den Fragen.