publiziert: 10.02.2015 15:01 Uhr
aktualisiert: 10.02.2015 15:50 Uhr
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Jüdisches Leben einst mitten unter uns

Wanderausstellung über das Landjudentum eröffnet und ab sofort an wechselnden Standorten zu sehen

Sie waren in vielen Dörfern Unterfrankens zu finden, vielfach nur geduldet, oftmals ausgegrenzt und meist bettelarm. Über Jahrhunderte waren Juden auf dem Lande häufig anzutreffen; der Holocaust schließlich bereitete dem ein schreckliches Ende. Jetzt ist eine Wanderausstellung im Landkreis Rhön-Grabfeld eingetroffen, die sich dem Thema Landjuden in Unterfranken annimmt. Motto: „Mitten unter uns“.

  • Eröffneten gemeinsam die Ausstellung über das Landjudentum in Unterfranken (von links) Dr. Rotraud Ries (Johanna Stahl Zentrum), Elisabeth Böhrer, Reinhold Albert, Kulturmanagerin Dr. Astrid Hedrich-Scherpf und stellvertretender Landrat Josef Demar. 
    Foto: Kritzer
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Fast drei Jahre dauerten die Vorbereitungen für die Ausstellung über die Landjuden in Unterfranken. Das Kooperationsprojekt Landjudentum hat gemeinsam mit dem Bezirk Unterfranken, dem Johanna Stahl Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken sowie dem Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes sowie aller unterfränkischer Landkreise und der Städte die Wanderausstellung auf ihre Reise durch sämtliche Kreise geschickt. In Kunst und Kultur Kloster Wechterswinkel ist die Ausstellung „Mitten unter uns – Landjuden in Unterfranken vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert“ nun in Rhön-Grabfeld eingetroffen. Lediglich bis Freitag, 13., ist sie dort zu sehen, bevor sie an drei weitere Standorte im Landkreis weitergegeben wird.

Der übergeordneten Ausstellung sind einzelne Tafeln beigefügt, die sich mit dem Thema in Rhön und Grabfeld auseinandersetzen. Stellvertretender Landrat Josef Demar dankte in diesem Zusammenhang Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert sowie Elisabeth Böhrer, Rainer Seelmann und Erika Rust sowie weiteren Heimatforschern für die Mithilfe bei der Konzeption der Ausstellung. „Die Ausstellung soll nicht nur in Wechterswinkel, sondern vor allem in Schulen gezeigt werden. Sie soll Menschen erreichen und die jüdische Geschichte der Region veranschaulichen“, sagte Demar.

In die Ausstellung führte Dr. Rotraud Ries vom Johanna Stahl Zentrum in Würzburg ein. „Die Ausstellung dreht sich schwerpunktmäßig nicht um den Holocaust“, sagte Ries. Vielmehr solle die reichhaltige und rund 900-jährige Geschichte der Juden in Unterfranken dargestellt werden. Aufmerksam machen will die Ausstellung auf die heute noch zu findenden Spuren der Juden auch im Landkreis Rhön-Grabfeld. „Wir haben immer noch die Friedhöfe, die ehemaligen Synagogen und die Wohnhäuser, in denen Juden lebten“, so Rotraud Ries.

Für die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung sorgten Gesangsschülerinnen der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen. Amrei Wagenführer, Svenja Nier und Laura Püsch sangen Werke jüdischer Komponisten in Begleitung von Ariadne Weigert am Klavier. Die Moderation übernommen hatte die stellvertretende Schulleiterin Brigitte Schmidt.

Ausstellung Landjuden in Unterfranken:

Die Ausstellung „Mitten unter uns – Landjuden in Unterfranken“ ist noch bis Freitag, 13., im Kloster Wechterswinkel zu sehen. Täglich von 13 bis 17 Uhr.

Vom 16. bis 27. Februar wird die Ausstellung im Landratsamt Rhön-Grabfeld gezeigt und geht anschließend vom 2. bis 13. März ans Martin-Pollich-Gymnasium Mellrichstadt und schließlich vom 16. bis 27. März an das Gymnasium in Bad Königshofen.

Heute um 19 Uhr hält Kreisheimatpfleger Reinhold Albert im Kloster Wechterswinkel einen Vortrag über jüdische Friedhöfe im Landkreis.

Einen Vortrag über die Juden in Bad Königshofen hält Rainer Seelmann im Gymnasium Bad Königshofen am 16. März um 19 Uhr.

Begleitend zur Ausstellung bietet die Tourismus GmbH Bayerische Rhön zwei Tagestouren durch das Grabfeld auf den Spuren der Landjuden an. Am 7. März und am 21. März. Infos bei der Tourismus-Information in Bad Neustadt, Spörleinstraße 11.

Weitere Informationen im Internet unter www.landjudentum-unterfranken.de.

Von Stefan Kritzer
    
    

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